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Gestrandeter BuckelwalAnzeige ist raus

Umweltminister Till Backhaus, Greenpeace und weitere Beteiligte wurden wegen des Umgangs mit dem Wal angezeigt. Der wird derweil wird mit Salzwasser benetzt.

Seine Chancen schwinden: der gestrandete Buckelwal in der Wismarbucht Foto: Daniel Müller/Greenpeace Germany/dpa

dpa/afp/taz | Am Karfreitag ist Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) auf der Insel Poel. Er sagt, er wolle den Wal bis zum Ende begleiten. Die Sperrzone zum Zugang zum Wal besteht weiterhin. Wie die Ostsee-Zeitung berichtet, werden auch Anwohner von der Polizei kontrolliert, um sicherzustellen, dass sich keine Unbefugten im Sperrgebiet aufhalten.

Am Nachmittag stellt Backhaus sich den Fragen von Demonstranten. Schon am Vortag war eine Demo für den Wal angemeldet worden, zu der knapp 50 Menschen gekommen waren und eine Menschenkette gebildet hatten. Heute sind es weniger Demonstranten. Im Gespräch mit dem Umweltminister geht es unter anderm darum, ob mögliche Netzteile, die sich im Maul des Wals verfangen haben könnten, noch entfernt werden könnten.

Im Netz wird Umweltminister Backhaus derweil als „Wal-Mörder“ beschimpft. Einige werfen ihm vor, sich nicht genug für die Rettung des Wals eingesetzt zu haben. Darüber hinaus bestätigte die Polizei unter anderem der Bild und der Zeit, dass Anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung und Tierquälerei, sowohl gegen den Umweltminister als auch gegen Greenpeace und weitere Beteiligte an der Walrettung, eingegangen sind.

Die Bild berichtet, dass der Umweltminister am Karfreitag mit dem Meeresbiologen und Influencer Marc Robert Lehmann telefoniert haben soll. In dem Telefonat ging es um den Zustand des Wals. In dem Gespräch soll Lehmann angeboten haben, Netzteile, sofern sich welche im Maul des Wals befinden, zu entfernen. Dies sei jedoch mit einem hohen Risiko, auch für den Meeresbiologen verbunden. Zudem betonte Backhaus, dass abgewogen werden müsse, ob man diese Maßnahme dem Tier zumuten könne.

Feuerwehr benetzt Wal mit Salzwasser

Einsatzkräfte der Feuerwehr haben begonnen, den an der Ostseeküste vor Wismar gestrandeten Buckelwal mit Wasser zu benetzen. Das bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Experten hätten die Hilfsaktion empfohlen, um lindernde Umstände für den Wal zu schaffen.

Die Initiative zum Befeuchten des Rückens des Tieres geht auf einen Hinweis eines Wissenschaftlers zurück, sagte der Sprecher des Umweltministeriums. Es sei für das Tier „ein unnatürlicher Zustand, mit dem Rücken in der Sonne zu liegen“. Deshalb könne ihm die Feuchtigkeit Linderung verschaffen. Die Haut des Wals gilt als extrem geschädigt, weil das Ostseewasser deutlich weniger Salz hat als sein ursprünglicher Lebensraum im Atlantik. Das Befeuchten soll zumindest etwas Linderung bringen.

„Um ihm seine Situation angenehmer zu machen, wurde heute damit begonnen, den Rücken des Wals, der aus dem Wasser ragt, zu benetzen“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). „Der Vorgang soll alle zwei bis drei Stunden wiederholt werden.“

Auch ein Schlauchboot der Polizei war in der Nähe des Wals im Einsatz, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Der Zustand des Wals ist nach Angaben von Wasserschutzpolizei und Greenpeace unverändert.

Die Rettungsversuche waren am Mittwoch eingestellt worden. Den Fachleuten und Meeresschützern vor Ort zufolge wird das Tier in dieser Bucht wohl sterben. Wie lange es noch überleben wird, lässt sich nach Einschätzung der Experten nicht vorhersagen. Am Donnerstagvormittag erkundete bereits ein Vermessungsboot die Umgebung des Wals, um eine mögliche Bergung des Buckelwals vorzubereiten.

Wal irrt seit vier Wochen umher

Der etwa 12 bis 15 Meter lange Buckelwal irrt nach Behördenangaben seit rund vier Wochen durch die Ostsee. Am Montag vergangener Woche strandete das Tier zunächst vor der schleswig-holsteinischen Küste auf einer Sandbank. Nachdem er dort mit Baggern wieder befreit wurde, saß er seit Samstag in der Wismarer Bucht fest.

Am Montagabend hatte sich das zunehmend geschwächte und wohl auch kranke Tier nochmals aus eigener Kraft vom Meeresgrund gelöst und war für einige Stunden verschwunden, bevor es am Dienstag in die Wismarer Bucht zurückkehrte und sich vor Poel bei Wismar erneut auf Grund legte.

Vorbereitungen für die Zeit nach dem Tod laufen schon

Das Bundesumweltministerium hält es für richtig, dass die Rettung des Buckelwals eingestellt wurde. „Es ist die richtige Entscheidung, zum jetzigen Zeitpunkt weitere Rettungsmaßnahmen zu unterlassen und dem Tier seine Ruhe zu geben“, sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth der dpa.

Am Deutschen Meeresmuseum laufen zusammen mit den Behörden die Planungen für eine wissenschaftliche Obduktion, sollte der Wal sterben, wie das Museum mitgeteilt hatte. Nach seinem Tod soll das Tier zur Insel Dänholm transportiert und dort von externen und unabhängigen Expertinnen und Experten obduziert werden. All dies werde umfassend dokumentiert.Neben Untersuchungen zu möglichen Krankheiten und zur Todesursache sollen auch der Körper und die Organe des Wals vermessen, gewogen und beprobt werden. Die Proben sollten später der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden, hieß es. Ein Großteil des Walkörpers soll fachgerecht durch ein spezialisiertes Entsorgungsunternehmen behandelt werden. Aktuell werde zudem ein Angebot zur wissenschaftlichen Sicherung des Walskeletts geprüft, dass dem Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock vorliege.

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