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Gestrandeter BuckelwalHoffnung für Timmy schwindet wieder

Umweltminister Backhaus (SPD) prüfte eine Rettung des Wals mit einem Katamaran. Entgegen einer Prognose ist der Wasserpegel vor Poel unerwartet gestiegen.

Der Buckelwal lag am Sonntagnachmittag noch immer auf einer Sandbank vor der Insel Poel. Hoffnung macht ein dänischer Katamaran Foto: Marcus Golejewski/dpa

dpa/afp/taz | Der vor der Ostseeküste gestrandete Buckelwal lebt noch, eine Rettung gilt jedoch als zunehmend unwahrscheinlich. Einen Bergungsversuch mit schweren Geräten würde das Tier wohl nicht überleben, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montag. „Derzeit gibt es keinen Wissenschaftler oder Veterinär, der uns zu solch einem Vorgehen rät, da das Tier beim Versuch, es lebend zu retten, schweren Qualen ausgesetzt würde.“

Am Sonntag hatte Backhaus noch die Möglichkeit ins Spiel gebracht, den Wal mit einem Katamaran oder anderem Gerät lebend zu transportieren. In Dänemark gibt es nach Angaben eines Ministeriumssprechers ein geeignetes Boot, das ein Bergungsunternehmen zum Einsatz angeboten hat. Voraussetzung wäre allerdings, dass er eine Überlebenschance hat, schränkte Backhaus ein.

„Dass es solch einen Versuch überleben würde, ist nach Ansicht aller Experten, die wir dazu befragt haben, unwahrscheinlich“, erklärte der Minister nun.

Der Zustand des vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwals war am frühen Ostermontag weiter unverändert. Wie das Umweltministerium mitteilte, atmet der Wal noch immer regelmäßig alle zwei bis vier Minuten. Die Polizei sei in der Nacht vor Ort gewesen, um den Wal zu beobachten.

Am Ostersonntag hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bekanntgegeben, dass der geringe Salzgehalt der Ostsee dem zwölf Meter langen Tier erheblich zusetze. Der verletzte Buckelwal war in der vergangenen Woche vor Wismar gestrandet. Am Mittwoch waren die Rettungsversuche eingestellt worden und nach Angaben von Experten wird das Tier wohl in der Bucht sterben. Der Wal soll am Dienstag erneut von Fachleuten begutachtet werden.

Mögliche Rettungsaktion in der Prüfung

Für eine mögliche Rettung des vor der Ostseeküste liegenden Buckelwals wurden Möglichkeiten wie ein Katamaran-Einsatz geprüft. „Also, wir sind ja nach wie vor an den Optionen dran“, sagte Backhaus am Sonntag in einem Interview mit dem Sender News5. Die seines Erachtens „beste Vorstellung“ sei es, einen in Dänemark befindlichen Katamaran dafür zu nehmen. Backhaus erklärte aber zugleich, dem Wal gehe es „wirklich ganz schlecht“.

Bei einem Katamaran-Einsatz würden 80 Zentimeter bis ein Meter breite „Gurte unter dem Wal durchgespült, ganz vorsichtig, um dem Wal nicht zu schaden und dann tatsächlich ganz vorsichtig aufzunehmen“, sagte Backhaus weiter. Dann gebe es die Chance, den Wal auf einem Netz „lebend zu transportieren“. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers handelt es sich bei dem Katamaran um ein Spezialschiff, das ein Bergungsunternehmen in Dänemark zum Einsatz angeboten hat.

Am Dienstag würden sich noch einmal Spezialisten vor Ort damit beschäftigen. Dann soll zudem ein Gutachten mit Einschätzung der Rettung von Experten vorliegen.

Backhaus lädt auch Meeresbiologen Lehmann ein

Wie die Ostsee Zeitung berichtet, hat der Umweltminister auch den Meeresbiologen Marc Robert Lehmann eingeladen, zu kommen und sich bei einer möglichen Bergung einzubringen. Ursprünglich habe Lehmann am Sonntag kommen wollen, doch dann abgesagt, weil er zu beschäftigt war. Zuvor gab es Austausch zwischen dem Meeresbiologen und dem Umweltminister. Lehmann hatte auf seinem Instagram-Kanal eingefordert, dass er den Rückhalt der Helfenden und Entscheider vor Ort brauche. „Ich packe ihn bei seiner eigenen Ehre“, sagt Backhaus nun. Und weiter: „Wenn er es ernst meint, kommt er her, und zwar schnell.“ Er garantiere Lehmann Rechtssicherheit. „Dafür steh’ ich mit meinem Namen“, so Backhaus.

Am vergangenen Dienstag vor Poel gestrandet

Der Buckelwal irrte nach Behördenangaben seit rund vier Wochen durch die Ostsee. Am Montag vergangener Woche strandete das Tier zunächst vor der schleswig-holsteinischen Küste auf einer Sandbank. Nachdem er dort mit Baggern wieder befreit wurde, saß er seit Samstag vor Mecklenburg-Vorpommern in der Wismarer Bucht fest.

Das Tier war am vergangenen Dienstag vor Poel gestrandet. Am Mittwoch waren alle Rettungsversuche eingestellt worden. Nach Einschätzung von Fachleuten wird das Tier wohl in der Bucht sterben. Wie lange der Wal noch überleben wird, lässt sich nach Einschätzung der Experten nicht vorhersagen.

Der Buckelwal hatte sich seit Anfang März viermal festgesetzt. Dreimal war es ihm gelungen, wieder loszuschwimmen. Zunächst war er im Hafen von Wismar gesichtet worden, später vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein und letztlich war er vor Wismar gestrandet.

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