+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Schwere Drohnenangriffe auf Odessa
Russland und die Ukraine greifen sich zum Wochenbeginn erneut gegenseitig mit Drohnen an. Selenskyj trifft in Damaskus al-Scharaa.
Ukraine: Haben Gebiete im Osten zurückerobert
Die Ukraine hat nach Angaben ihres Armeechefs Olexandr Syrskyj seit Ende Januar 480 Quadratkilometer Gebiet im Südosten und Osten des Landes zurück. Trotz dieser Erfolge setze Russland seine Frühjahrsoffensive fort, teilt Syrskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Ziel der russischen Truppen sei es weiterhin, mehr ukrainisches Territorium einzunehmen und eine Pufferzone in der Region Dnipropetrowsk einzurichten. US-Militäranalysten zufolge schwächen die ukrainischen Gegenangriffe die russischen Vorstöße zur Einnahme des wichtigen Logistikknotenpunktes Pokrowsk. (rtr)
Tote und Verletzte in Odessa nach russischen Angriffen
Bei neuen schweren russischen Drohnenangriffen auf die südukrainische Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer sind mindestens drei Menschen getötet worden. 15 Bewohner, unter ihnen eine Schwangere und zwei Kinder, seien verletzt worden, teilte Militärgouverneur Oleh Kiper bei Telegram mit. Demnach traf eine Drohne ein mehrgeschossiges Wohnhaus. Bei den Toten handele es sich um eine 30 Jahre alte Frau und ihre zweieinhalb Jahre alte Tochter sowie um eine 53 Jahre alte Frau.
Kiper berichtete von Bränden und erheblichen Zerstörungen. „Getroffen wurden Wohnhäuser, kritische Infrastruktur und Verwaltungsgebäude“, sagte Kiper. Die ukrainische Luftverteidigung meldete 141 russische Drohnenangriffe, von denen 114 abgewehrt worden seien. Im Gebiet Tschernihiw im Norden der Ukraine waren nach russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur laut Behörden rund 340.000 Kunden ohne Strom. (dpa)
Russland meldet Verletzte nach ukrainischen Angriffen
In der russischen Stadt Noworossijsk am Schwarzen Meer seien acht Menschen verletzt worden infolge ukrainischer Drohnenattacken, sagte der Gouverneur des Gebiets Krasnodar, Weniamin Kondratjew. Unter den Verletzten seien zwei Kinder. Es seien sechs Wohnhäuser beschädigt worden. Trümmer von abgeschossenen Drohnen seien auf dem Gelände mehrerer Betriebe gefunden worden. Getroffen worden sei laut Berichten in den sozialen Netzwerken das Ölterminal „Schescharis“ des Konzerns Transneft. Von dort aus exportiert Russland auch Öl.
Die Ukraine hatte die Anlage bereits im März getroffen, wie das Verteidigungsministerium in Kyjiw mitgeteilt hatte. Mit den Angriffen auf die Ölindustrie will die Ukraine Russlands Kriegsindustrie schwächen, die maßgeblich aus den Einnahmen aus dem Energieexport finanziert wird. (dpa)
Russland meldet Abschuss von 148 Drohnen
Das russische Militär hat nach eigenen Angaben innerhalb von drei Stunden 148 ukrainische Drohnen abgefangen. Wegen der Luftangriffe seien fast eine halbe Million Haushalte ohne Strom gewesen, teilten die Behörden mit. In der Grenzregion Belgorod sei ein Zivilschutzhelfer durch eine Drohne getötet worden. In der Hafenstadt Noworossijsk am Schwarzen Meer hätten Trümmerteile ein Hochhaus getroffen. Auch in den von Russland besetzten Gebieten in den Regionen Donezk und Saporischschja sei es nach ukrainischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur zu massiven Stromausfällen gekommen. (rtr)
Ölverladung im russischen Ust-Luga läuft wieder
Der wichtige russische Ostseehafen Ust-Luga nimmt einem Medienbericht zufolge nach tagelangen Unterbrechungen durch ukrainische Drohnenangriffe die Rohölverladung wieder auf. Das Schiff „The Jewel“ habe mit der Verladung begonnen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Schifffahrtsdaten. Eine Stellungnahme des russischen Pipeline-Betreibers Transneft liegt zunächst nicht vor. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters sind mindestens 40 Prozent der russischen Ölexportkapazitäten durch Drohnenangriffe und andere Zwischenfälle gestört. (rtr)
Selenskyj trifft syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Sonntag in Damaskus den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa getroffen. Sie hätten unter anderem „die Umstände von Russlands Krieg gegen die Ukraine erörtert“, schrieb Selenskyj im Onlinedienst X. Es bestünde „großes Interesse an einem Austausch militärischer und sicherheitspolitischer Erfahrungen“. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha kündigte bei X ein Abkommen zur Wiedereröffnung der Botschaften in Kyjiw und Damaskus „in naher Zukunft“ an. Bei dem Treffen in der syrischen Hauptstadt sei es auch um die „Rolle der Ukraine als zuverlässiger Lieferant von Nahrungsmitteln“ gegangen, schrieb Selenskyj weiter. Es sei über Möglichkeiten gesprochen worden, „die Ernährungssicherheit in der gesamten Region zu stärken“.
Vom jetzigen Übergangspräsidenten al-Scharaa angeführte islamistische Milizen hatten Ende 2024 den langjährigen syrischen Machthaber Baschar al-Assad gestürzt. Der Verbündete des russischen Präsidenten Wladimir Putin floh daraufhin nach Moskau. Al-Scharaa war bereits zwei Mal bei Putin in Moskau und hat die Russen bislang nicht aufgefordert, ihre Stützpunkte in Syrien zu räumen. Putin hatte Assads Truppen im syrischen Bürgerkrieg massiv unterstützt. Seit Anfang 2022 führen die russischen Truppen einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. (afp)
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert