piwik no script img

Krieg USA–IranNachtschicht für die Waffenruhe

Ein Waffenstillstand zwischen Iran und den USA hat als vorrangiges Ziel, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Iran will einen Nichtangriffspakt.

Auch am Montag haben die USA und Israel die iranische Hauptstadt weiter bombardiert Foto: Tolga Akbaba/Anadolu Agency/imago
Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Pakistan soll den USA und Iran einen Plan für eine Waffenruhe zwischen den beiden Ländern vorgelegt haben. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach stand der pakistanische Armeechef Asim Munir die ganze Nacht zum Montag über in Kontakt mit US-Vizepräsident J. D. Vance, dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi. Ergebnis der Nachtschicht: Iran soll ab sofort die Straße von Hormus für internationale Schiffe öffnen. In zwei Wochen soll dann eine umfassende Einigung erzielt werden, so der Plan mit dem Arbeitstitel „Islamabad-Abkommen“ – denn dort, in der pakistanischen Hauptstadt, sollen die abschließenden Gespräche geführt werden. Eine erste Absichtserklärung könnten Iran und die USA direkt unterschreiben, elektronisch über einen pakistanischen Kommunikationskanal.

Das Medium Axios hat zusätzliche Informationen. Demnach soll es zunächst eine Waffenruhe für 45 Tage geben. Axios verweist auf US-amerikanische, israelische und regionale Quellen. Anschließend solle es eine zweite Phase mit dauerhaftem Waffenstillstand geben.

Iran hat bereits reagiert. Die Regierung habe über Mittelsmänner eigene Forderungen gestellt, sagte Esmaeil Baghaei, Sprecher des iranischen Außenministeriums, am Montag. Welche das sind, sagte er nicht. Es ginge um „nationale Interessen“ und die Verteidigung des Landes.

Die iranische Regierung strebe einen dauerhaften Waffenstillstand an – mit Garantien, dass die USA und Israel nicht erneut angriffen, hatten iranische Beamte zuvor gegenüber Reuters erklärt. Den 15-Punkte-Plan der USA wies Sprecher Baghaei am Montag als „unlogisch“, zurück. Verhandlungen seien „unvereinbar mit Ultimaten und Drohungen, Kriegsverbrechen zu begehen“, sagte er.

Vor dem Krieg liefen 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasversorgung durch die Straße von Hormus

US-Präsident Donald Trump hatte erneut gedroht, iranische Infrastruktur zu bombardieren, sollte Iran die Straße von Hormus nicht unverzüglich für internationalen Schiffsverkehr öffnen. Trump hatte dem islamischen Regime in Teheran erstmals am 21. März gedroht, Irans Kraftwerke und Energieanlagen zu sprengen. Er hat im Anschluss eine Reihe von Fristen gesetzt – und dann verschoben. Jedes Mal berief er sich auf angeblich laufende Verhandlungen, um die Verschiebung seiner angekündigten Deadlines zu rechtfertigen. Regelmäßig dementierte das Regime Irans, dass Gespräche tatsächlich stattfänden.

Neue Deadline endet am Mittwoch

Die neue Deadline, die Trump auf seiner rechten Onlineplattform Truth Social mit reichlich Schimpfwörtern gesetzt hat, endet am Mittwochmorgen iranischer Ortszeit.

Die Straße von Hormus ist Knotenpunkt für den internationalen Handel. 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasversorgung liefen vor dem Krieg durch die 33 Kilometer lange Meeresenge. Iran blockiert die Passage, sie zu durchfahren ist nur in Absprache mit den iranischen Revolutionsgarden und wohl auch nur gegen Gebühr möglich. Deshalb bemühen sich viele Staaten, den Krieg zu beenden.

Ukraine will helfen

Ready to go: Ein US-Kampfjet Ende März vor dem Start Richtung Iran Foto: U.S. Navy via Zuma Press/imago

Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angeboten, die Ukraine könne bei der Lockerung der Blockade hilfreich sein – gefragt worden sei das Land aber bisher nicht. Bei einer Tour durch den Nahen Osten soll Selenskyj für ukrainische Verteidigungstechnologie geworben haben, die sein Land gegen Drohnen entwickelt hat – von denen viele im Iran konstruiert wurden. Ukrainische Drohnenexperten sind in der Region im Einsatz, um beim Schutz vor iranischen Drohnenangriffen zu helfen.

Der ukrainische Präsident soll gezielte Angriffe der Ukraine auf die russische Schwarzmeerflotte als Beispiele angeführt haben. Russland hatte mit seiner Flotte im Jahr 2022 das Schwarze Meer und insbesondere Getreidelieferungen aus der Ukraine blockiert. Ein Deal, ausgehandelt zwischen den UN, der Türkei und Russland, konnte damals zeitweise den Getreideexport sicherstellen.

Frankreich soll unterdessen einfach Wegzoll bezahlt haben. Das kritisierte Ari Fleischer, ein ehemaliger US-Pressesprecher unter George W. Bush. Am Freitag passierte ein französisches Containerschiff Hormus – als erstes westliches Schiff seit Beginn des Krieges, wie sich über die Schiffswebsite Marine Traffic am Freitag verifizieren ließ. Der französische Präsident Emmanuel Macron sagt, er arbeite mit europäischen und anderen Verbündeten an einem Vorschlag zur Gewährleistung der freien Durchfahrt durch die Straße von Hormus für Energielieferungen, Düngemittel und den internationalen Handel. Er sagte am Donnerstag, eine Lösung sei nur im Dialog mit dem Iran möglich – nicht durch Bomben. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot soll am Montag mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi telefoniert und über die Hormus-Blockade gesprochen haben, meldet die iranische Nachrichtenagentur Tasnim.

Ob Abkommen oder nicht – irakische und türkische Tanker kommen durch. Bereits das dritte türkische Schiff hat am Sonntag die Hormus-Passage durchquert, meldete der türkische Verkehrsminister Abdulkadir Uraloğlu. Das türkische Schiff „Ocean Thunder“ sei mit Rohöl aus dem Irak auf dem Weg nach Malaysia.

Iran hat Irak eine Ausnahmegenehmigung erteilt, um die Straße von Hormus zu passieren. Iraks Ölexporte waren von dem Krieg besonders betroffen, die Produktion war auf rund ein Drittel eingebrochen. Das Land ist auf Ölexporte angewiesen, auch um staatliche Gehälter zu zahlen. Der staatliche irakische Ölkonzern Somo hat laut Nachrichtenagentur Reuters seine Kunden nach ihren Rohöl-Verlade-Plänen gefragt. Es ist aber fraglich, ob alle Reedereien sich trauen, ihre Tanker in den Golf einlaufen zu lassen, um Öl in Basra zu laden.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare