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J. D. Vance in BudapestSpäte Wahlkampfhilfe

Florian Bayer

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Florian Bayer

Kurz vor den Wahlen in Ungarn kommt aus den USA Rückenwind in Person des Vizepräsidenten. Ob Vance das Blatt für Orbán noch wenden kann, ist fraglich.

J. D. Vance und Viktor Orbán am 7. April in Budapest Foto: Jonathan Ernst/reuters

K ampagnen gegen kritische Journalisten. Desinformation in ungeahntem Ausmaß. Eine aus dem Hut gezauberte Sicherheitsbedrohung nahe einer Gasleitung. Und nun auch Wahlkampfhilfe des US-Vizepräsidenten J. D. Vance. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán zieht alle Register, um an der Macht zu bleiben. Denn Herausforderer Péter Magyar und seine Tisza führen seit Monaten alle Umfragen an.

Orbáns Hauptproblem: Die Regierungspropaganda zieht nicht mehr. Der stete Aufstieg seines Gegners ist ein klares Signal dafür. Viele Ungarn haben die Angstmache und die Lügen des Regierungslagers satt. Waren in der Vergangenheit wahlweise Roma, Migranten oder die LGBTIQ-Gemeinschaft die Feindbilder Orbáns, so ist es heute die Ukraine. Diese würde, so Orbán, gezielt die Energieversorgung Ungarns blockieren. Auch die jüngst entdeckten Sprengsätze in Serbien wollte er Kyjiw – erneut ohne jegliche Faktenbasis – zuschreiben.

Die Erzählung von der feindseligen Ukraine und der kriegstreiberischen EU wiederholte der Ministerpräsident auch beim Besuch von J. D. Vance in Budapest. Der sprach sich erwartungsgemäß für Orbán aus, offenbarte aber, dass ihm von einer ukrainischen Sicherheitsbedrohung nichts bekannt sei. Das ist bezeichnend: Selbst der enge Verbündete übernimmt Orbáns Erzählung nicht.

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Bei der letzten Wahl im April 2022 führte Orbáns Behauptung, nur er könne Frieden und Sicherheit garantieren, zu seinem bisher besten Wahlergebnis. Das war kurz nach Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine. Dieselbe Erzählung funktioniert im fünften Kriegsjahr aber nicht mehr. Blöd für Orbán: Sie ist sein einziges Thema.

Worüber sollte er auch sonst sprechen? Die maroden Krankenhäuser? Die um sich greifende Armut? Die Isolierung Ungarns in Europa? All das ist das Ergebnis von 16 Jahren Orbán. Auch die himmelschreiende Korruption wollen viele frühere Anhänger nicht länger akzeptieren. Am Ende wird auch die Schützenhilfe von J. D. Vance keinen Unterschied mehr machen.

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Florian Bayer
Korrespondent Wien
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7 Kommentare

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  • Auch das ist falsch. Falls jemand das Blatt noch wendet dann ist es nicht Vance oder Orban sondern es sind die ungarischen Wähler. Wie ich andernorts schon schrieb, es macht keinen Sinn die Wähler wegen ihres Wahlverhaltens zu schonen. Falls Orban an der Macht bleibt sind einzig und allein die ungarischen Wähler daran schuld.

    • @Alberta Cuon:

      Prinzipiell haben Sie da recht. Aber im Artikel geht es um die H o f f n u n g Orbans, dass der Besuch von J.D. Vance helfen könnte, das Ruder herumzureißen.

  • Ist es auch Einmischung wenn sich Manfred Weber öffentlich für den Oppositionskandidaten ausspricht?

    Waren die Auftritte von Merz, Macron und vdL vor der Wahl in Moldau auch Einmischung?

    Und ist das alles wirklich so neu? Was ist mit den ganzen Farbrevolutionen?

    Solange sich die "Richtigen" für die "Richtigen" einsetzen interessiert das hier doch eigentlich niemand!

    • @Görk74:

      Ich wusste gar nicht, dass Manfred Weber nach Bundapest gereist ist, um dort den Kandidaten der Opposition zu unterstützen - und auch nicht, dass Merz und Macron in Moldau waren.

  • "„Divide et impera“ bedeutet auf Latein „Teile und herrsche“ und beschreibt eine Strategie, bei der eine Gruppe in kleinere, gegensätzliche Untergruppen gespalten wird, um sie leichter zu kontrollieren oder zu besiegen."



    Das hat mir meine KI gesagt!



    Eine EU, die wirklich stark wäre, ist den USA ein Dorn im Auge!



    Das sage ich! Ist aber auch keine wirklich neue Erkenntnis.

  • Es ist zu hoffen, dass Orban am Sonntag abgewählt wird. Die "Wahlkampfhilfe" der Trumpregierung ist schon peinlich. Und bezeichnend. Da gibt es einen Freund Putins in der EU und den wollen Vance und Trump unbedingt an der Macht halten...



    OK, er hat außerdem autokratische Züge und ... ja und?? Da kommt dann eigentlich nix mehr. Das sind die Gemeinsamkeiten. Putinfreunde und Autokraten/angehenden Diktatoren.



    Einfach nur peinlich.

  • Die USA machen jetzt in der EU genau das selbe, was sie die ganze Zeit Russland vorgeworfen haben!

    Es sind nicht die ersten Vorwürfe dieser Art: Schon bei früheren US-Wahlen hatte sich Moskau nach Angaben offizieller US-Stellen eingemischt. Nach Ansicht der US-Geheimdienste setzte sich Russland bei der Wahl 2020 für den Republikaner Donald Trump ein und bemühte sich, dem Demokraten Joe Biden zu schaden. Moskau habe den Ausgang der Wahl beeinflussen und Unfrieden im Land säen wollen, hieß es in einem veröffentlichten Geheimdienstbericht.

    Jetzt macht die US Administration gemeinsame Sache mit Orban, um die Drecksarbeit für Moskau zu erledigen, um die EU zu spalten und zu schwächen!