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Pflichtübungen für Re­ser­vis­t:in­nenVerweigern kann man immer

Pascal Beucker

Kommentar von

Pascal Beucker

CDU-Verteidigungspolitiker Thomas Röwekamp will die Freiwilligkeit bei Wehrübungen abschaffen. Das wäre zumutbar – doch einen Ausweg gibt es noch.

Ausbildung von Reservisten der Bundeswehr, am 20.11.2025 in Rotenburg/Wümme Foto: Maurizio Gambarini/imago

S eit der von Olaf Scholz diagnostizierten „Zeitenwende“ vergeht kaum ein Tag ohne Vorschläge zur inneren Mobilmachung. Nun fordert der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp, Pflichtwehrübungen für Re­ser­vis­t:in­nen. In der aktuellen sicherheitspolitischen Lage könne sich Deutschland keine Reserve mehr leisten, die nur auf freiwilliger Basis funktioniere, argumentiert der CDU-Mann. Deshalb will er das geltende doppelte Freiwilligkeitsprinzip abschaffen, also dass sowohl die betroffenen Re­ser­vis­t:in­nen als auch deren Arbeitgeber ihre Zustimmung zu einer Wehrübung geben müssen.

Bei den Arbeitgebern dürfte der Vorstoß ausgerechnet aus den Reihen der sonst so wirtschaftsfreundlichen Union auf wenig Gegenliebe stoßen, schließlich kann eine Wehrübung von einzelnen Tagen bis hin zu drei Monaten dauern. In der Logik der deutschen Militarisierungsdiskussion ist er aber eigentlich nur konsequent. Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, als Wehr­dienst­leis­ten­de:r oder als Zeit- oder Be­rufs­sol­da­t:in zur Bundeswehr zu gehen, der oder dem sind auch verpflichtende Wehrübungen zuzumuten.

Schließlich spielen in den Regierungsplänen, die Bundeswehr „konventionell zur stärksten Armee Europas“ (Friedrich Merz) zu machen, die Re­ser­vis­t:in­nen eine gewichtige Rolle. Deren Anzahl soll von derzeit etwas mehr als 60.000 auf 200.000 ansteigen. Doch was nützt es, wenn sie im Fall der Fälle längst ihre militärische Grundausbildung wieder vergessen haben, weil sie keinen Bock hatten, regelmäßig an Wehrübungen teilzunehmen?

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Problematisch wäre es hingegen, wenn auch all jene herangezogen werden sollten, die zu Zeiten der Wehrpflicht eingezogen wurden. Formal wären das wohl noch etwa 900.000 Reservisten. Allerdings hat die Bundeswehr nicht einmal mehr deren Adressen. Die sind also zum Glück schon mal außen vor. Im Übrigen können auch die anderen Re­ser­vis­t:in­nen immer noch den Kriegsdienst verweigern. Dann bräuchten sie auch nicht mehr an irgendwelchen Wehrübungen teilzunehmen.

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Pascal Beucker
Inlandsredakteur
Jahrgang 1966. Arbeitet seit 2014 als Redakteur im Inlandsressort und gehört dem Parlamentsbüro der taz an. Zuvor fünfzehn Jahre taz-Korrespondent in Nordrhein-Westfalen. Seit 2018 im Vorstand der taz-Genossenschaft. Sein neues Buch "Pazifismus - ein Irrweg?" ist Mitte vergangenen Jahres im Kohlhammer Verlag erschienen.
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3 Kommentare

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  • "Im Übrigen können auch die anderen Re­ser­vis­t:in­nen immer noch den Kriegsdienst verweigern." Nö. Verweigern geht nur aus Gewissensgründen, nicht weil man gerade keinen Bock hat oder lieber unter Besatzung leben möchte.

    • @PeterArt:

      Meinen Sie, dass Reservisten kein Gewissen haben?

  • Ich habe keinen Zweifel, dass Deutschland ein funktionierendes gut ausgebildetes Militär in ausreichender Personalstärke braucht. Hierzu sind natürlich auch wiederkehrende Übungen nötig.



    Dass junge Menschen keinen Bock auf Militärdienst oder Zivieldienst haben, kann ich verstehen, hatte meine Generation auch nicht, trotzdem haben wir es gemacht.



    Wer soll den Deutschland verteidigen wenn wir beschossen werden? Nicht wir sondern andere, oder keiner ?