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TempolimitLangsam fahren ist billig

Während die Koalition über hohe Spritpreise berät, fordert Greenpeace ein Tempolimit. Das könnte nicht nur den Geldbeutel der Fah­re­r:in­nen schonen.

130 wäre schon mal was, Greenpeace empfiehlt ein Tempolimit von 120 oder 100 Stundenkilometern auf Autobahnen Foto: Florian Gaertner/Photothek/imago

Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen und Landstraßen wäre nicht nur gut fürs Klima – es käme auch den Portemonnaies der Au­to­fah­re­r:in­nen zugute. Zu diesem Ergebnis kommt der Umweltverband Greenpeace in Berechnungen, die am Sonntag veröffentlicht wurden.

So müssten Fahrende in Deutschland jährlich in Summe 4,9 Milliarden Euro weniger Geld fürs Tanken ausgeben, wenn auf Autobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde und auf Landstraßen von 100 Stundenkilometern gälten. Bei einem Tempolimit von 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen wären es sogar 9,5 Milliarden Euro weniger Tankkosten im Jahr.

Für die Berechnung hat Greenpeace die Tankstellenpreise in Deutschland zwischen dem 1. und 7. April 2026 gemittelt. Ein Haushalt besitze im bundesweiten Durchschnitt 1,21 Pkw. Bei durchschnittlich 9.555 gefahrenen Kilometern im Jahr und 7,7 verbrauchten Litern Sprit pro 100 Kilometer müsste ein solcher Haushalt jährlich 1.927 Euro fürs Betanken eines Benziners hinlegen. Durch ein Tempolimit von 120 auf Autobahnen und 100 auf Landstraßen würden die Tankkosten um 96 Euro sinken, durch 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen könnte der Haushalt 185 Euro im Jahr sparen.

Weil Autos mit Dieselmotor laut Kraftfahrtbundesamt mehr Kilometer im Jahr fahren – im Schnitt sind es 16.964 –, könnten Haushalte hier noch mehr sparen. Bei einem Tempolimit von 100 und 80 und einem Verbrauch von 7 Litern Diesel auf 100 Kilometer müssten sie jährlich 331 Euro weniger an der Zapfsäule ausgeben.

Tempolimit für mehr Unabhängigkeit

Mit dem Krieg der Regierungen Israels und der USA gegen das iranische Regime war der weltweite Ölpreis zunächst rasant gestiegen, in einigen Ländern wurde Kraftstoff knapp. Spitzen der Bundesregierung berieten am Sonntag über Maßnahmen gegen die hohen Kraftstoffkosten – in Teilen der Koalition aus SPD und CDU war darüber Streit entbrannt. Zuletzt warb die Wirtschaftsweise Veronika Grimm für ein Tempolimit.

„Wir müssen weg vom Öl“, fordert Greenpeace-Sprecher Matthias Lambrecht. Die Bundesregierung müsse den Verbrauch fossiler Energieträger schnell senken – und unabhängiger von Ölstaaten werden. „Ein Tempolimit ist dabei ein leichter erster Schritt.“

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15 Kommentare

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  • Das wäre ein guter Teil der Lösung!



    Neben weniger Spritverbrauch sinkt auch die Zahl der Unfälle,



    wie Statistiken anderer Länder belegen.



    Es wäre eine Chance diesen Schritt zu machen und Lobbyinteressen zu vernachlässigen.



    Ein weiterer Teil der Lösung wäre die von Klingbeil vorgeschlagene Übergewinnsteuer. Damit würde der Staat an anderer Stelle mehr einnehmen - Geld, das er schon jetzt wegen weniger Fahrens der Bürger*Innen nicht einnimmt.



    Es gibt viele Gründe für ein Tempolimit und daher halte ich mich freiwillig bereits seit Jahren daran.



    Doch leider folgen zu Wenige der Vernunft , daher muss der Staat lenkend eingreifen.



    Wie Statistiken über schwere Unfälle, oft durch überhöhte Geschwindigkeit, belegen, sind Jüngere hier überproportional beteiligt, da scheint noch Erziehungsbedarf zu bestehen.

  • Ich fahre eigentlich nur noch zwischen 80 und 100, verbrauche nur 4 Liter. Selbst drei Euro der Liter wäre mir egal. Kein Tempolimit ist Realitätsverweigerung

  • Tempolimit wäre natürlich sinnvoll. Das ist vielfach belegt. Ich selber wäre nicht begeistert davon. Die hier angeführte Argumentation ist aber doof. Jeder, darf sich auch jetzt schon an die Richtgeschwindigkeit halten und entsprechend Geld und Sprit sparen. Am hohen Spritpreis und den damit für uns alle verbundenen Konsequenzen ändert das aber leider nix.

  • Nun ja, nach meiner aktuellen Erfahrung im Osterreiseverkehr sind schon sehr viele Menschen so wie ich auch mittlerweile „sparsamfahrend“ unterwegs. Von daher würde ich die Rechnung der Greenpeacer für nicht mehr aktuell halten.



    Aber man sollte jedem Unternehmen raten, die Höchstgeschwindigkeit für Dienstwagen drastisch zu drosseln. Denn wer auch für private Fahrten die vollen Kosten einfach weiterreichen kann, kommt vielleicht gar nicht auf die Idee das Gaspedal weniger stark zu drücken. Bei de hohen Quote privat genutzter Dienstwagen in diesem Land, wäre das ein schneller Zusatzgewinn für klagende Unternehmer.

  • Was waeren wir ohne Greenpeace? Natuerlich brauchen wir dringend ein Tempolimit, denn ohne brettern alle Autofahrer zwanghaft, praktisch von den Oelkonzernen ferngesteuert, durch die Landschaft, des eigenen Denkens unfaehig und abhaengig von Politikern und Verboten, damit der Tag Struktur hat.

    Mal schaun wann Greenpeace es den Gruenen nachmacht und dieses Menschenbild als liberal verkauft.

  • "Während die Koalition über hohe Spritpreise berät, fordert Greenpeace ein Tempolimit. Das könnte nicht nur den Geldbeutel der Fah­re­r:in­nen schonen."



    Jedem Fahrer, der seinen Geldbeutel schonen will, steht es bereits jetzt frei, langsam und spritschonend zu fahren. Wie dämlich muss man eigentlich sein, dafür auf ein offizielles Tempolimit zu warten?

  • Ein Tempolimit ist aus sehr vielen Gründen vernünftig und das ist auch wissenschaftlich belegt, mir ist kein ernsthafter Grund bekannt, der dagegen spricht. Wenn also Vernunft und Wissenschaft dafür sprechen, wird es, wie so viele andere Dinge für die dasselbe gilt, von einer (maga-) unionsgeführten Regierung mit Sicherheit nicht eingeführt werden.

    • @Flix:

      Wozu braucht es Gründe dagegen? Wer etwas, eine Änderung, fordert, der muß Gründe dafür bringen. Der Wunsch, niemand anders soll schneller fahren dürfen, als ich fahren möchte, ist alt und kommt immer wieder auf. Die dafür vorgebrachten Gründe wechseln und sind zahlreich. Jeder einzelne davon wurde bis jetzt objektiv widerlegt. Daß etwas eigentlich eine erwünschte Wirkung haben sollte und im Modell haben müßte, heißt lange nicht, daß die in der erfahrenen Praxis auch eintritt.

    • @Flix:

      "...mir ist kein ernsthafter Grund bekannt, der dagegen spricht..."







      Sie werden sich wundern, wie viele "ernsthafte" Gründe von Gegnern des Tempolimits in dieser Kommentarspalte genannt werden werden. Ich nehm´s mal vorweg, damit die anderen nicht so viel zu schreiben brauchen:







      "Immer diese Verbotskultur"



      "Jeder kann doch so langsam fahren, wie er will"



      "Mein Auto braucht nur 9 Liter / 100 KM bei Tempo 200"



      "Tempo 100 ist gefährlich wegen Sekundenschlaf";



      "Dann kann ich ja gleich mit der Bahn fahren"



      "Freie Fahrt für... usw."



      "Spritpreise jucken mich nicht"



      "Undemokratisch; die Mehrheit will kein Tempolimit"



      "Deutsche Autobahnen sind die sichersten der Welt"



      "Die ganze Welt beneidet uns"



      "Tempolimit senkt den zu hohen Benzinpreis nicht"



      "Langsamer fahren ändert eh nichts mehr am Klimawandel"







      Zack, da sind sie, die unwiderlegbaren Beweise, dass ein Tempolimit nichts bringt. Ist zwar alles Unsinn, aber sollte trotzdem dafür ausreichen, das überfällige Tempolimit wieder mal totzudiskutieren.

      • @Sisone:

        Sie haben die beiden wichtigsten Punkte vergessen. Den Spaß und die Zeitersparnis. Ich fahre jeden Morgen mit weit über 200 auf einer Recht leeren Autobahn und spare viel Zeit, die ich sinnvoller nutzen kann.

        • @AmArschderHeide:

          Ich schrieb von ernsthaften Argumenten…

          • @Flix:

            Zeitersparnis ist eines der ernsthaften Argumente. Vor allem in Tagesrandzeiten oder nachts kann man sehr viel Zeit gewinnen, die sich unmittelbar in Lebensqualität umsetzt, wie z.B. vor 23:00h nach Hause kommen, zu Hause und nicht im Hotel schlafen können, nicht in Frankfurt abends am Flughafen stranden, weil die Bahnverbindung weg ist, etc…

  • Tempolimit mit "Begründung" es schone den Geldbeutel. Ja, tut es. Aber wem wäre es heute untersagt, langsamer zu fahren?

  • Liebe Frau Boenisch,



    Sie bzw. Greenpeace haben mit Ihrem Artikel den Grund, weshalb ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen nie kommen wird, deutlich herausgestellt.



    „9.5 Milliarden die in den Porfolios der Ölkonzerne fehlen würden“. Das geht einfach nicht.

  • Für die meisten Autofahrer in unserem Land, denen ist Vernunft ein absolutes Fremdwort! Wir standen bereits beim Beginn des Ukraine Krieges vor der selben Frage, Tempolimit einführen, Ja oder Nein. Wenn man allein nur bedenkt das ein Tempolimit keinerlei Einschränkung der eigenen Mobilität bedeutet, und wir bis heute immer noch kein Tempolimit haben, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, was den Amerikanern ihre Waffen bedeuten, genau diese kranke Bedeutung und Stellenwert hat für viele hier das Auto! Wie schon geschrieben keiner will Autos abschaffen oder einschränken, es soll nur ein Tempolimit eingeführt werden! Von der Todesrate die sinken würde bei Autounfälle bei der Einführung eines Tempolimit, sprich über den Schutz des Lebens, darüber möchte ich noch nicht mal schreiben, denn so weit können solche Leute nicht denken, die besitzen ähnlich den Amerikanern, diesen Intelligenz Horizont leider nicht! Das ist einfach nur noch krank!