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Bollywood-Star Asha Bhosle ist totIhr musikalisches Vermächtnis wird bleiben

In einem gläsernen Sarg, mit weißen Lilien: Indien nimmt Abschied von der legendären Bollywood-Sängerin Asha Bhosle.

Asha Bhosle bei einem Konzert in Portugal, 2008 Foto: Zuma Press/imago
Natalie Mayroth

Aus Mumbai

Natalie Mayroth

Es sollte am Montag ihr letzter großer Auftritt werden: In einem gläsernen Sarg lag der Körper der legendären Sängerin Asha Bhosle aufgebahrt, mit der indischen Trikolore und weißen Lilien geschmückt. Im Anwesen der Sängerin in Mumbai konnten Trauernde Abschied nehmen, ihr Sohn Anand hatte die Residenz dafür extra geöffnet. Am Nachmittag zog der Trauerzug schließlich zum Krematorium im nahegelegenen Shivaji Park, wo die letzten Riten mit Staatsehren und in Anwesenheit zahlreicher Stars und Po­li­ti­ke­r:in­nen stattfanden. Die 1933 geborene Sängerin und Unternehmerin wurde 92 Jahre alt – genauso alt wie ihre ebenfalls legendäre Schwester Lata Mangeshkar, die 2022 starb und den Beinamen „Nachtigall Indiens“ hatte.

Der Abschied von der zweiten, am Sonntag vestorbenen Bhosle-Schwester, beschäftigt das ganze Land: Asha galt als die experimentierfreudigere der beiden. Die Sopranistinnen wurden als außergewöhnliche Talente gefeiert, sie prägten insbesondere den Soundtrack der Bollywood-Filme: Lata sang in mehr als 30 Produktionen, Asha in rund 20.

Manche sagen daher, der Tod Asha Bhosle markiere das Ende einer Musikära in Bollywood. Ihre Karriere erstreckte sich über mehr als acht Jahrzehnte und umfasst mehr als 12.000 Songs. Sie erhielt zwei nationale Filmawards. 1997 und nochmals 2006 wurde sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten für den Grammy nominiert, in der Kategorie Weltmusik. 2008 erhielt die Sängerin den Padma Vibhushan, die zweithöchste zivile Auszeichnung Indiens.

Aktiv war sie bis zuletzt: Mit 90 Jahren trat sie noch vor Publikum in Mumbai auf. Ihren ersten Filmsong soll sie bereits als Zehnjährige eingesungen haben. Ihr Vater war erfolgreich in der Theater- und Musikszene aktiv, und dessen sechs Kinder sollten sein musikalisches Erbe antreten. 2011 löste Bhosle ihre vier Jahre ältere Schwester Lata im Guinness-Buch der Rekorde als die meist aufgezeichnete Künstlerin aller Zeiten ab.

Nach Bekanntwerden ihres Todes würdigten zahlreiche Persönlichkeiten die Sängerin: Bollywood-Star Shah Rukh Khan veröffentlichte ein gemeinsames Foto mit ihr und schrieb dazu, es sei „wirklich traurig“, von ihrem Tod zu erfahren. Ebenso nahm sein Schauspielkollege Salman Khan auf X Abschied und sprach von einem „großen Verlust für die indische Musik“ sowie von einer „unersetzlichen Stimme“: „Ihre Lieder werden weiterhin Generationen inspirieren.“

„Über Generationen hinweg Herzen erobert“

Würdigung kam auch aus der Politik: Premierminister Narendra Modi bezeichnete sie als „eine der bekanntesten und vielseitigsten Sängerinnen Indiens“, die das kulturelle Erbe des Landes bereichert habe. Devendra Fadnavis, der Ministerpräsident des Bundesstaates Maharashtra, aus dem Bhosle stammt, verabschiedete sich mit den Worten: „Eine derart wandlungsfähige Künstlerin, die Veränderungen so selbstverständlich annahm, wird kaum je wiederkehren.“ Mamata Banerjee aus Ostindien sagte, Bhosle habe „über Generationen hinweg Herzen erobert“.

Anders als ihre große Schwester gründete sie früh eine eigene Familie. In den 1960er Jahren befreite sich die Mutter von drei Kindern aus einer toxischen Ehe und heiratete in den 1980er Jahren den Musikkomponisten R. D. Burman. Sie überlebte beide Ehemänner sowie ihre Tochter Varsha. Musikalisch dürfte ihr über die Jahrzehnte entstandenes Werk über den indischen Subkontinent hinaus in Erinnerung bleiben.

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