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Bundeshaushalt und GesundheitsreformNoch kleinere Schritte als Merkel

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

Die Koalition beschließt eine Finanzreform der Krankenkassen und Eckpunkte für den Haushalt. Eine große Reform ist das aber nicht.

Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor – könnte jeder von den dreien sagen Foto: Liesa Johannssen/reuters

D as muss der Frühling der Reformen sein. Die Bundesregierung hat sich auf Eckpunkte für den Haushalt und eine Gesundheitsreform geeinigt. Beides im Wesentlichen lange Listen von Einsparungen. Immerhin werden die Krankenkassenbeiträge erst einmal nicht steigen und sind die Löcher in den Etats kurzfristig gestopft. Kein großer Wurf, wie ihn der Bundeskanzler noch vor einem Jahr versprochen hatte. Aber mal ehrlich – wer außer Friedrich Merz und Carsten „Einfach mal machen“ Linnemann hatte daran wirklich geglaubt?

Die schwarz-rote Bundesregierung und der Kanzler sind fast ein Jahr im Amt. An Fleiß mangelte es nicht. 175 Gesetze und Maßnahmen hat man in den vergangenen zwölf Monaten nach eigenen Angaben beschlossen, doppelt so viele wie die Ampel. Und dennoch ist Schwarz-Rot mittlerweile unbeliebter als die Ampel. Wäre am nächsten Sonntag Bundestagswahl, würden Union und SPD abgewählt – und die AfD würde stärkste Partei. Das hat viel mit handwerklichen und kommunikativen Mängeln zu tun.

Merz und die CDU gefielen sich in der Opposition darin, Ampelpolitiker als Loser und sich als Könner zu verkaufen. Sie suggerierten, säße Merz erst einmal im Kanzleramt, dann würde er auf den wirtschaftsliberalen Resetknopf drücken und schon spränge die Wirtschaft an. Hat so nicht geklappt.

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Zum einen, weil man mit der SPD einen Koalitionspartner hat, der nicht wie die Merz-CDU daran glaubt, dass Marktwirtschaft aus sich selbst heraus sozial sei und man den Staat lediglich als Schiedsrichter brauche. Zum anderen, weil es global mittlerweile zu viele Akteure gibt, die sich gar nicht mehr an Spielregeln halten wollen, allen voran US-Präsident Trump, Putin in Russland und Xi in China. Wie sagte ein bekannter Christdemokrat einst: „Regieren ist ein Rendezvous mit der Realität.“ Gemünzt war es auf die Grünen, aber Wolfgang Schäuble hätte genauso gut auf Merz zeigen können.

Statt großer Würfe hat sich Merz nun auf kleine Schritte verlegt, man robbt sich voran. Das kommt nicht gut an, vor allem bei jenen, an die man sich vorher rangeschmissen hat. Der Sprecher des Wirtschaftsflügels der Unionsfraktion spricht inzwischen offen über den Bruch der Koalition. Das kann man auch als Aufforderung verstehen, die Mehrheiten rechts der Mitte zu nutzen. Umso wichtiger ist es, der Regierung deutlich zu machen, dass es links der Mitte Mehrheiten gibt: für eine solidarische Krankenversicherung, eine gute Absicherung im Alter, eine gerechte Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen. Der 1. Mai ist dafür ein guter Anlass.

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Anna Lehmann
Leiterin Parlamentsbüro
Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
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16 Kommentare

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  • Ich weiß nicht, warum darüber so wenig zu hören ist, aber die Finanzierung der "Gesundheitskosten" der Bürgergeldempfänger ist nicht Aufgabe der gesetzlich Versicherten und der Arbeitgeber.

    Das ist doch wohl eher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

    Dass jetzt einerseits jährlich 250 Millionen an die GKV dafür vom Bund kommen sollen, andererseits aber 2 Milliarden nicht mehr gezahlt werden ist wohl eher ein schlechter Witz.



    Und soweit ich informiert bin belaufen sich diese Kosten auf 10 Milliarden jährlich (www.mdr.de/nachric...e-kritik-100.html), vielleicht bin ich da aber auch nicht richtig informiert ..., ein weiteres Kuriosum scheint die Pauschale für privat versichterte Bürgergeldempfänger zu sein, die um eingiges Höher ist.

    Wie kann der Bund denn die Mehrbelastungen und Leistungskürzungen argumentieren, wenn doch schon viel zu viel von gesetztlich Versicherten und Arbeitgebern abgezweigt wird?

    Die Beiträge müssten eigentlich sogar sinken, wenn der Bund sich ehrlich machen würde.

    Ich erhoffe mir, dass dieses Thema mehr Öffentlichkeit bekommt, es ist schon kriminell.

  • Wären "größere Schritte" denn so wünschenswert? Da "Reform" hier ja einfach ein Schreddern des Sozialstaats bedeutet, können mir die Schritte gar nicht klein genug sein.

    Die Regierung macht hier, wie erwartbar und sonst auch, Politik gegen die Bevölkerung, solange sie nicht dem Mittelstand angehört, der mit dem Privatjet zum Golfen fliegt.

  • Dank an Liesa Johannssen fürs Fotto



    &



    Gewiß:



    “Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor – könnte jeder von den dreien sagen“ But

    Was eine meisterhafte Charakteranlyse - wa!



    Mr. Nassforsch-Skrupellos in der Mitte 🙀



    Mr. Ahnungslos mimt den Kanzler 🧐



    Na und “Kling(e)bil - was ister? … “ (W.B.;)



    Seeheimer Greis! ☹️



    &



    Alle - “bis zur Kenntlichkeit entstellt!“

    • @Lowandorder:

      Lob für das Foto: Die Koalition zum ersten Mal rundum sympathisch! Das sind die Kürzungspläne nicht rundum. Aber die Kürzungspläne kann man ja noch kürzen. Sind die Herren so sympathisch wie sie auf dem Bild dreinschauen, sollte ihnen das gelingen.

    • @Lowandorder:

      "meisterhafte Charakteranlyse" -



      Treffend benannt, besonders



      "Seeheimer Greis!"



      Ich roll mich ab.

  • Eine Schande, aber keine Reform



    Zuzahlungen von bis zu 15€ pro Medikament sind für viele eine extreme Belastung. Dass der Staat nur 140€ für Bürgergeldempfänger in die GKV einzahlt, den Rest die anderen Versicherten mitbezahlen müssen, ist ein glatter Betrug.



    Für viele wird die Antwort darauf AfD heißen. Das ist dumm, das ist falsch, aber so kommt es, wie man ja jetzt schon aktuell sieht. Merz und Klingbeil bauen nur Mist!

    • @Hans Dampf:

      Tja, dann hätte ich gerade in der Apotheke nicht 20€ bezahlt, sondern 60€. Für Medikamente, die ich und meine Frau regelmäßig nehmen müssen, also alle drei Monate. Wozu ich hunderte Euro in die Krankenkasse zahle? Vermutlich für irgendjemandes Privatflieger, seine Golfschläger oder was weiß ich.

      • @Jalella:

        Die GKV gibt durchschnittlich rund 5.270 Euro pro Mitglied und Jahr für Gesundheitsleistungen aus, das sind 440€/Monat. Es gibt rund 5 Millionen Bürgergeldempfänger, für die der Staat aber nur 140€/Monat in die GKV zahlt. Die Lücke von 300€/Monat (15 Milliarden im Jahr) zahlen du und ich mit der GKV.



        Das ist falsch. Es gehört üner Steuern finanziert, damit auch jeder Selbstständige, Beamte, Firma,... diese Kosten mittragen.

  • Zumindest bleibt diese Regierung dem Motto einer Reform wie immer treu, die Beitragszahlung zur KV bleiben auf gleichem bisherigen Niveau, aber in der Zukunft mit weniger erbrachten Gesundheitsleistungen verbunden mit höhere Zuzahlungen für den Versicherten.

  • Zitat: - "dass es links der Mitte Mehrheiten gibt"

    Das ist schon O.K., ich wäre auch gern 15 Jahre jünger und träume mich ins Jahr 2011 zurück. Politisch wie privat.

    Aber davon abgesehen: Was soll eigentlich "die Mitte" bedeuten? Ist das ein Medianwert aller möglichen sozialen Lagen und politischen Einstellungen, oder ist es eher ein apolitischer deutscher Sehnsuchtsort?

    • @Kohlrabi:

      Das mit den "Mehrheiten links der Mitte" ist halt eine reine Behauptung ins Blaue, die sich mit Fakten nicht halten lässt. Die Mehrheit "für eine solidarische KV, gute Absicherung im Alter und gerechtere Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen gibts nur, wenn man Stimmen aus dem konservativen Lager mit dazu zählt. Aber wenns drum geht, wer wieviel dazugeben muss und wo Abstriche gemacht werden sollen, da scheiden sich die Geister wie in vielen anderen Bereichen, wo das Geld fehlt, ganz schnell. Die simple Universalantwort "Reiche höher besteuern" durchschauen viele Menschen dann doch. Auch im Lager links der Mitte.

  • Hunderte von Milliarden an Beitragsgeldern von Versicherten in der Krankenkasse und Rentenkasse werden pro Jahr von der Regierung zwecktentfremdet. Finanzminister Lars Klingbeil darf völlig legal in die Kassen der Krankenkassen und Rentenkasse greifen , um Haushaltslöcher zu stopfen. Unglaublich, aber tägliche Praxis. Mit der Rentenreformen 2026 müssen daher alle Erwerbstätigen, also auch Politiker, neue Beamte und Selbstständige in die Rentenversicherung einzahlen. Ein System für alle und Verbot der Zweckentfremdung von Beitragsgeldern für Menschen, die nie in Sozialkassen eingezahlt haben. Die Rentenkommisssion der Bundesregierung muß hier gute und praktische Vorschläge liefern. Der Griff der Politiker in die Krankenkasse und Rentenkasse muß verboten werden.

  • Links der Mitte gäbe es Mehrheiten, so die Autorin. Nach meinen rudimentären Mathekenntnissen aus den 60erJahren haben Union und AFD über 50% + einige Prozentpunkte für FDP und BSW. Der R2G Block kommt man gerade auf so 40%. Daran wird die ganze Umverteilungsarie scheitern.

  • Die angebliche „Gesundheitsreform“ der Koalition ist überhaupt keine Reform, denn dazu müssten die Vorschläge systematische und strukturelle Veränderungen ausweisen, wie zB. eine Veränderung der



    Finanzierung der Krankheitskosten von Grundsicherungsempfänger



    auf den Steuerzahler. Aber die „Gerechtigkeitspartei“ SPD und



    der selbst ernannte Anwalt der alleinerziehenden Krankenschwester,



    Verkäuferinen und Dachdecker, allesamt Einzahler in die GKV, waren



    dagegen, insbesondere der Vorsitzende Klingbeil. Seine Argumentation „linke Tasche, rechte Tasche“ dabei ist so offensichtlich falsch u. dumm, denn die GKV-Versicherten sind eben nicht identisch mit dem Steuerzahler.

  • Liebe Frau Lehmann, die Mehrheiten links der Mitte existieren nicht mehr. Sonst hätte es ja nach der letzten Bundestagswahl eine entsprechende Regierung gegeben, oder nicht?

  • "....säße Merz erst einmal im Kanzleramt, dann würde er auf den wirtschaftsliberalen Resetknopf drücken und schon spränge die Wirtschaft an. Hat so nicht geklappt."

    "An Fleiß mangelte es nicht. 175 Gesetze und Maßnahmen hat man in den vergangenen zwölf Monaten nach eigenen Angaben beschlossen, doppelt so viele wie die Ampel."

    Doppelt so viel, wirklich beeindruckend.

    Warum hört man nichts von diesen 175 Gesetzen? Werden die überhaupt etwas bewirken?



    Wird da nur herumgedoktert, um politische Arbeit vorzutäuschen, Zeit zu schinden und abzulenken? Gibt es überhaupt einen Plan?

    Der Plan ist wohl eindeutig:

    "Für die Alternative, nämlich Leistungskürzungen, stimmten Wäh­le­r:in­nen der Unionsparteien und der AfD ab."