: Experten erwarten einen starken Rückgang der Öl-Nachfrage
Die Internationale Energieagentur senkt wegen des Irankriegs ihre Nachfrage-Prognose für Öl deutlich – und Tuvalu ruft den Notstand aus
Durch die Auswirkungen des Irankriegs geht die internationale Energieagentur IEA für dieses Jahr mittlerweile von einer geringeren Öl-Nachfrage aus. Aufs Jahr gesehen erwartet die IEA einen Nachfragerückgang von 84.000 Barrel pro Tag, wie es in ihrem monatlichen Ölmarktbericht heißt.
Damit senkt die in Paris ansässige Agentur ihre Prognose deutlich. Im März war sie noch davon ausgegangen, dass die Nachfrage dieses Jahr um etwa 644.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag steigen werde. Allerdings liegen beiden Monatsberichten leicht unterschiedliche Werte für die Nachfrage nach Öl im vergangenen Jahr zugrunde. Insgesamt geht die Organisation von einer täglichen Rohöl-Nachfrage von gut 100 Millionen Barrel aus.
Für das zweite Quartal dieses Jahres dürfte es laut IEA einen Nachfragerückgang von 1,5 Millionen Barrel pro Tag im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geben. Einen solch rapiden Rückgang gab es dem Bericht zufolge seit der Coronapandemie nicht. Zunächst sei die Ölnutzung vor allem im Nahen und Mittleren Osten und im asiatisch-pazifischen Raum zurückgegangen. Doch bleibe das Öl knapp und der Preise hoch, werde die Nachfrage auch andernorts stärker zurückgehen.
Durch den Krieg seien die Öllieferungen im März abrupt eingebrochen, im April habe sich der Negativtrend fortgesetzt. Die IEA geht allerdings davon aus, dass sich die Lieferketten ab Mai wieder normalisieren könnten und Ölpreise wieder sinken.
Vorerst sorgt der Ölmarkt aber vielerorts noch für eine angespannte Lage. Der Inselstaat Tuvalu im Pazifik beispielsweise hat wegen Sorgen um seinen Treibstoff-Nachschub den Notstand ausgerufen. Die Maßnahme gelte für zwei Wochen und nur für die Hauptinsel Funafuti, erklärte am Montag Staatschef Tofiga Vaevalu Falani. Sie sei aufgrund der „zunehmenden Instabilität der Stromerzeugungs- und Stromverteilungssysteme sowie der realen Risiken für die Kraftstoffversorgung“ getroffen worden. Die Zuverlässigkeit der Versorgung mit grundlegenden Dienstleistungen auf Funafuti sei gefährdet.
Auf Funafuti liegt die Hauptstadt des winzigen Inselstaates, dort leben zwei Drittel der insgesamt rund 10.000 Einwohner. Tuvalu arbeitet derzeit daran, die Energieproduktion von Dieseltreibstoff auf Sonnenkraft umzustellen. 2021 musste der Staat noch rund 70 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Diesel ausgeben, aktuell sind es nur noch etwa 25 Prozent. (dpa, afp)
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