Blockade der Straße von Hormus: „Vollständig zum Erliegen gebracht“
Ein erstes Frachtschiff scheint aufgrund der US-Blockade seinen Kurs zu ändern. Was bedeutet das für Iran? Und wie könnte das Regime nun reagieren?
Der Tanker „Rich Starry“, wohl Teil der iranischen Schattenflotte, ist wohl das erste Schiff, das im Rahmen der US-Blockade der Straße von Hormus seinen Kurs ändert. Am Dienstag war das Schiff laut Trackingdaten zunächst aus der Straße von Hormus in den Golf von Oman eingefahren. Dann änderte es seinen Kurs, drehte um. Laut VesselFinder und MarineTraffic, die beide Echtzeitpositionen von Schiffen wiedergeben, befand sich der Tanker am frühen Mittwochmorgen wieder in der Straße von Hormus, südlich der iranischen Insel Larak.
Admiral Brad Cooper, Kommandeur des zuständigen US-Kommandos im Nahen Osten (Centcom), erklärte, die Blockade der iranischen Häfen sei „vollständig umgesetzt worden“. In weniger als 36 Stunden hätten die US-Streitkräfte den „wirtschaftlichen Handel auf dem Seeweg in den und aus dem Iran vollständig zum Erliegen gebracht“. Die Blockadelinie verläuft Berichten zufolge zwischen Ras Al-Haddad an der omanischen Küste und Gwadar Bay in Pakistan, ganz nah an der Grenze zu Iran.
Am Dienstag hatte es zunächst so ausgesehen, als würde die „Rich Starry“ einfach aus der Straße von Hormus ausfahren können. Verschiedene Medien meldeten bereits einen möglichen Durchbruch der Blockade. Der Tanker fährt unter der Flagge von Malawai, ohne wohl tatsächlich dort registriert zu sein. Er ist im Besitz der Shanghai Xuanrun Shipping Company und derzeit mit etwa 250.000 Fässern Methanol beladen. Laut MarineTraffic hatte das Schiff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten abgelegt, Ziel war China. Die „Rich Starry“ ist seit 2023 wegen des Transports iranischer Öl- und Chemieprodukte mit Sanktionen des US-Finanzministeriums belegt.
Der Fall der „Rich Starry“ bestätigt wohl auch, wie die US-Blockade funktioniert: So werden nicht etwa iranische Häfen belagert. Stattdessen warten US-Kriegsschiffe im Golf von Oman auf die ein- und ausfahrenden Tanker. Darüber hinaus könnte nach Angaben des Institute for the Study of War das US-Militär betroffene Schiffe in internationalen Gewässern weltweit abfangen.
Während die USA es sich diplomatisch mit allen verscherzen, tritt China als ruhiger Vermittler auf. Was verspricht sich das Land davon? ➝ Hier geht's zur neuen Folge
Die Schattenflotte operiert im Schatten
Eine Schwierigkeit dabei: falsche Datenangaben. Zuletzt hatten nach Angaben des Marineinformationsportals Lloyd’s List zwei Containerschiffe ihre Zielangabe bei der Einfahrt in die Straße von Hormus verändert: Statt dem iranischen Hafen Bandar Abbas tauchte dann „PG Ports“, also Häfen im Persischen Golf, als Angabe auf. Es ist heutzutage Standard, dass Schiffe mit einem sogenannten Automatischen Identifikationssystem (AIS) ausgestattet sind. Das zeigt unter anderem das Land der Registrierung an, aber auch den Zielhafen des Schiffs.
Es ist quasi normal, dass die iranische Schattenflotte AIS-Daten manipuliert oder das System zeitweise abstellt. LLoyd’s List listet weitere Beispiele auf. So hatte ein weiterer US-sanktionierter Tanker die Straße von Hormus durchfahren – und zwar nach Beginn der US-Blockade. Die Elpis, die wohl unter falscher Flagge der Komoren fährt, gehört einer sanktionierten malaysischen Firma. Sie hatte vom iranischen Hafen von Buschehr abgelegt, aber wohl nicht angegeben, ob sie dort Fracht geladen hatte.
Das Schiff wartet nun vor der Küste Irans, außerhalb der Straße von Hormus. Seine Reise durch den Golf von Oman hat es bisher nicht fortgesetzt. Ob die US-Marine das Schiff dort festgesetzt hat, ist bisher nicht klar. Analysten berichten: Die USA überwachen sämtliche Schiffsbewegungen in der Straße von Hormus, das erfolgt unter anderem mit Drohnen. Die AIS-Daten sind also wohl nicht entscheidend.
Auswirkungen auf Irans Wirtschaft wohl massiv
Die Blockade, wenn sie tatsächlich so durchgezogen wird, hätte deutliche Auswirkungen auf die iranische Wirtschaft. Iran hatte nach Angaben der Agentur Tasnim, die den Revolutionsgarden nahe steht, jüngst 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag exportiert, eine Steigerung von 50 Prozent.
Nach Angaben der Foundation for Defense of Democracy (FDD) könnten Iran durch die Blockade monatliche Verluste in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar entstehen. Öl und Gas machten 80 Prozent der Exporteinnahmen der iranischen Regierung und fast 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, so FDD.
Zudem hatte die Islamische Republik mit dem exportierten Öl mehr eingenommen also zuvor: Wegen der iranischen De-facto-Blockade der Straße von Hormus waren die Ölexporte aus den arabischen Golfstaaten deutlich eingebrochen. Iran konnte sein eigentlich sanktioniertes Öl damit näher am Marktpreis verkaufen. Dazu trägt auch ein sogenannter Sanctions Waiver der USA bei. Mitte März hatten die USA für einen Monat die Sanktionen auf iranisches Öl temporär aufgehoben. Zusätzlich zur US-Blockade wird dieser Waiver nun nicht verlängert.
Hinzu kamen die berichteten Zahlungen von Schiffen für die Straße von Hormus. Iran hatte eine sogenannte Zollstelle errichtet. Schiffe, die aus dem Persischen Golf in den Golf von Oman ausfahren wollten, mussten sich bei den Revolutionsgarden melden, Details zu Herkunft und Ladung offenlegen. Iran ließ dann Schiffe, die mit genehmen Staaten verbunden sind, passieren – teils gegen Zahlung von Millionengebühren, wohl in Cryptowährung oder in chinesischen Yuan. Auch diese Einnahmequelle dürfte nun wieder versiegen.
Iran braucht derweil dringend Geld: Dass die Währung auf 1,5 Millionen Rial pro US-Dollar fiel, trug zu den brutal niedergeschlagenen Protesten im Januar 2026 bei. Hinzu kämen die Schäden im Rahmen des Kriegs: 270 Milliarden US-Dollar habe Iran der Krieg laut dem Sender Iran International bisher gekostet. Um seine eigene Währung zu stabilisieren, braucht das iranische Regime ausländische Devisen, vor allem US-Dollar.
Auch dagegen scheinen die USA weiter vorzugehen: Die USA haben Banken im Nahen Osten und Asien aufgefordert, Transaktionen in Verbindung mit Iran zu stoppen. Das Medium Al-Monitor konnte nach eigenen Angaben einen Brief des US-Finanzministeriums dazu einsehen. Demnach stünden Banken aus den Emiraten, Oman, Hongkong und China im Verdacht, iranische Gelder weiterzuleiten. Die USA zielen also nicht nur auf Irans Möglichkeit, Öl zu exportieren, sondern auch darauf, an die Gelder aus diesen Verkäufen zu kommen. Diese finanzielle Blockade könnte noch weiter reichende Folgen haben, als die physische Blockade der Straße von Hormus.
Welche Möglichkeiten hat Iran nun?
Das Regime hatte bereits angedroht, die nächste Meerenge zu blockieren. So kontrolliert die von der Islamischen Republik unterstützte Miliz Ansar Allah (oft „Huthis“ genannt) den Westen Jemens. Daran grenzt die Meerenge Bab al-Mandab, die den Zugang zum Roten Meer und dem Suezkanal aus dem Golf von Aden bildet. Ansar Allah hatte dort schon mehrfach – im Rahmen des Kriegs in Gaza nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 – den Schiffsverkehr durch Beschuss bis fast zum Erliegen gebracht. Handelsschiffe nahmen dann, teils bis heute, den Umweg über das Kap der Guten Hoffnung, also um Afrika herum. Diese längere Route ist mit deutlich mehr Zeit und Kosten verbunden. Im Gegensatz zur Straße von Hormus gibt es aber immerhin eine Alternative.
Teheran hatte außerdem gedroht, die Häfen der arabischen Golfstaaten anzugreifen. Das hatte das Regime bereits vor der Waffenruhe getan: So ist beispielsweise der Hafen von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten bis heute nur in Teilen operabel. Bislang beträgt die Abfangquote für iranische Raketen und Drohnen in den Golfstaaten nach Medienberichten über 90 Prozent.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!