Pendeln mit dem Deutschlandticket: Autofahren kostet vier mal so viel
Vor der Einführung des Nahverkehrsabos fuhren deutlich mehr Menschen mit dem Auto zur Arbeit. Das war schlecht fürs Klima – und teurer.
taz/dpa | Das Deutschlandticket holt Pendler:innen aus ihren Autos raus und rein in die Öffis. 2024 sind Pendelnde mit der bundesweit gültigen Fahrkarte 9 Milliarden Kilometer weniger mit dem Auto gefahren als noch 2022, vor der Einführung des Deutschlandtickets. Dabei haben sie in Summe 3 Milliarden Euro gespart – 0,3 Milliarden Euro dadurch, dass das Ticket die Tarife im Nahverkehr vergünstigt hat. Die restlichen 2,7 Milliarden Euro wurden durch den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV gespart. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie, die das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung am Mittwoch zusammen mit dem Statistik-Unternehmen Statista vorgestellt hat.
Demnach ist Pendeln im Nahverkehr dank des Deutschlandtickets viermal günstiger als im Auto. Insgesamt gebe es in Deutschland 40,8 Millionen Menschen, die für ihren Beruf pendeln, etwa 1 Million ließ das Auto für den Weg zur Arbeit im untersuchten Jahr komplett stehen. Auch wenn das Deutschlandticket seit seiner Einführung schrittweise teurer wurde, hat es laut der Studie die Kosten im Nahverkehr deutlich gesenkt – die meisten vergleichbaren Monatsabos der lokalen Verkehrsverbünde sind noch immer deutlich teurer.
Für die Berechnungen haben die Wissenschaftler:innen eine sogenannte synthetische Bevölkerung modelliert – also gewissermaßen eine fiktive Population, die die reale deutsche Bevölkerung widerspiegeln soll. Dafür wurden amtliche Statistiken mit den Ergebnissen von Befragungen kombiniert. So repräsentiert die synthetische Bevölkerung in der Studie 5,6 Millionen Pendelnde, die ein Deutschlandticket haben und den Nahverkehr für ihren Arbeitsweg nutzen.
Obwohl die Forscher:innen eine deutliche Verlagerung der Pendelwege vom Auto in die Öffis beobachten konnten, sei das Auto noch immer das meistgenutzte Verkehrsmittel auf Pendelwegen – auch, weil die Pendler:innen dem Auto Zuverlässigkeit und Flexibilität eher zuschrieben als dem Nahverkehr. Deshalb sei der Ausbau des ÖPNV besonders drängend, sagte DZSF-Ökonomin Stefanie Gäbler.
Deutschlandticket spart CO2
Nicht nur durchs Pendeln, sondern dank aller Kund:innen habe das Deutschlandticket im Jahr 2024 außerdem rund 2,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Verkehrssektor eingespart. Das geht aus einem Zwischenbericht zur „Evaluation Deutschlandticket“ hervor, den Forschungsinstitute im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellt haben. Etwa 12 bis 20 Prozent der mit dem Deutschlandabo gemachten Fahrten wären demnach ohne das Ticket mit dem Auto zurückgelegt worden.
Dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen zufolge gab es Anfang 2026 rund 14,6 Millionen Abonnent:innen. Das Deutschlandticket wurde im Mai 2024 eingeführt, nach mehreren Preiserhöhungen kostet es inzwischen 63 Euro pro Monat. Der Preis für 2027 wird im September bekannt gegeben.
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