Zerwürfnis zwischen Meloni und Trump: Frontfrau der Rechten auch weiter rechts
Der US-Präsident und Italiens Regierungschefin haben sich nicht mehr lieb. Doch an der ideologischen Nähe zwischen den beiden ändert sich nichts.
W as ist in Giorgia Meloni gefahren? Erst erlaubt sie es sich, den US-Präsidenten Donald Trump offen zu kritisieren und dessen Verbalattacken gegen Papst Leo einfach „inakzeptabel“ zu nennen. Und als Trump dann zurückgibt, „inakzeptabel“ sei doch Meloni selbst, rudert die italienische Ministerpräsidentin nicht etwa zurück, sondern legt nach, „verbündet zu sein heißt nicht, dass es keine roten Linien gibt, sicher heißt es nicht, Vasallen oder Untertanen zu sein“.
Genau so allerdings war Meloni in der Vergangenheit erschienen – als neben Viktor Orbán Trumps treueste Bündnispartnerin in Europa. Ob beim Kampf gegen die „Wokeness“, bei der Abschottung gegen unerwünschte Migrant*innen, beim Feldzug gegen „Gender-Wahnsinn“ ebenso wie den genauso beklagenswerten „Wahnsinn des Green Deal“ – nie passte ein Blatt zwischen Donald und Giorgia.
Dennoch konnte sich Meloni in Europa den Ruf erarbeiten, sie sei doch eigentlich recht gemäßigt. In der Tat, anders als Orbán torpedierte sie die EU nicht. Doch mit Kritik an Trumps internationalem Wirken fiel sie nicht auf – egal ob bei Grönland, den Zöllen, Venezuela oder auch dem Irankrieg, zu dem ihr nur einfiel, sie könne diesen Krieg „weder teilen noch verdammen“. Schließlich theoretisierte Meloni für sich selbst die Rolle der Brückenbauerin zwischen den USA und Europa herbei.
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So fiktiv diese Brücke immer war, so ist mit Trumps Wutausbruch gegen die italienische „Freundin“ dieses Scheingebilde mit einem lauten Knall eingestürzt. Verbündete wie Meloni, die seine Kriege „nicht teilen“, die dazu noch an seinen Papstattacken rummäkeln, braucht der US-Präsident nicht.
An der ideologischen Nähe zwischen den beiden ändert dies jedoch nichts. Wer glaubt, Meloni könne sich jetzt mäßigen, dürfte sich getäuscht haben. Auch in ihren nächsten Wahlkampf wird die Frontfrau der italienischen Rechten mit der alten „Gott, Vaterland, Familie“-Rhetorik ziehen, mit den immergleichen Versprechen, sie werde der „illegalen Immigration“ ein Ende bereiten.
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