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Indiens Energieversorgung im StresstestKohle für kühle Wohnungen

In Indien steigen die Temperaturen schon jetzt auf 40 Grad, wegen des Irankriegs fehlen Öl und Gas. Um die Energielücke zu schließen, muss das Land weiter auf Kohle setzen.

Am Ganges steht noch mehr als ein Kohlekraftwerk Foto: Mayank Makhija/imago
Natalie Mayroth

Aus Mumbai

Natalie Mayroth

Die Blockade der Straße von Hormus trifft Länder wie Indien hart. Die Versorgung mit Gas, Öl und Dünger wird knapp und so die Sicherung der Stromversorgung im heißen Sommer zur Herausforderung. Temperaturen steigen bereits teils über 40 Grad, der Kühlbedarf wächst.

Dass Klimaanlagen seit September nicht mehr dem Luxussteuersatz unterliegen, hilft nur bedingt: Den Betrieb muss man sich leisten können, und die Stromversorgung muss gewährleistet sein.

Weiterhin erzeugt Indien rund 79 Prozent seiner inländischen Energie aus Kohle. Dennoch war es überraschend, dass Anfang des Monats das drittgrößte Kohlekraftwerk Mundra wieder in Betrieb genommen wurde. Die Anlage, die einst 16 Millionen Haushalte mit Strom versorgte, stand zuvor still. Für den Betreiber Tata Power rechnete sich der Betrieb wegen hoher Importkohlepreise und niedriger Stromtarife nicht mehr. Doch wenn Gas knapp oder teuer wird, soll Kohle die Lücke schließen.

Die Wiederinbetriebnahme ist Teil eines Regierungspakets zur Stabilisierung der Versorgung. Gleichzeitig treibt Indien den Ausbau erneuerbarer Energien voran. Wartungen werden nun verschoben, zusätzliche Kapazitäten bei Wasser- und Wärmekraft aktiviert.

Indien baut mehr erneuerbare als fossile Kraftwerke

„Indien steht vor einer dreifachen Belastungsprobe: Wirtschaftswachstum, Energiesicherheit und Dekarbonisierung bis hin zu Netto-Null-Emissionen“, sagt Ulka Kelkar vom Klimaprogramm des Thinktanks World Resources Institute in Indien. Das Land verfüge nur über begrenzte heimische Öl- und Gasvorkommen. Besonders Haushalte, kleine Unternehmen und Landwirte litten unter Engpässen bei Kochgas und Düngemitteln.

Kelkar warnt vor zusätzlichem Druck durch Hitze und einem möglichen schwachen Monsun infolge des El-Niño-Phänomens, der die Stromerzeugung aus Wasser- und Windkraft dämpfen könnte. Die Regierung hält zwar Benzinpreise stabil, doch Gas wird teurer. „Haushalte mit geringem Einkommen müssen vor höheren Energiekosten und Hitzestress geschützt werden“, sagt sie. Eine Entspannung ist bislang nicht in Sicht.

Unterdessen hat Indien sich das Ziel gesetzt, bis 2030 500 Gigawatt nicht-fossile Stromerzeugungskapazität zu erreichen. „Indien setzt sowohl kurzfristig als auch langfristig auf erneuerbare Energien“, sagt Kelkar der taz.

2025 schuf Indien mehr Kapazitäten für erneuerbare als für fossile Energien und verdoppelte die Solarstromkapazitäten. „Die zentrale Elektrizitätsbehörde plant, den Anteil fossiler Stromerzeugung in zehn Jahren von 75 auf 50 Prozent zu senken“, erklärt sie.

Ein Bericht des Regierungsthinktanks NITI Aayog geht davon aus, dass der Anteil erneuerbarer Energien bis 2070 von 20 auf 80 Prozent steigen könnte. Doch dafür sind massive Investitionen in Netze, Speicher und günstige Finanzierung nötig, sagt Kelkar.

Indien steckt in einem strukturellen Dilemma

Parallel setzt Indien auf Kernenergie. Anfang April erreichte der Brutreaktor in Kalpakkam erstmals Kritikalität, eine Voraussetzung für spätere Stromproduktion. Premierminister Narendra Modi sprach von einem „entscheidenden Schritt in der zivilen Nuklearentwicklung“. Indien produziert bereits rund drei Prozent seines Strommixes mit Kernenergie. Der neue Reaktor soll künftig zusätzlichen Brennstoff erzeugen und die Kernenergie unabhängiger machen.

Doch kurzfristig bleibt Kohle oben auf der Agenda, um die steigende Nachfrage zu decken. Langfristig könnten erneuerbare Energien und Kernkraft an Bedeutung gewinnen. Die Ökonomin Nandini Das von Climate Analytics sieht im aktuellen Trend, Kohle als „Stoßdämpfer“ zu nutzen, ein strukturelles Dilemma. Fossile Energien dominierten weiterhin – und machten das Land anfällig. „Nicht erneuerbare Energien sind die Quelle der Verwundbarkeit Indiens, sondern die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen“, sagt Das.

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5 Kommentare

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  • Die ärmere Bevölkerung in Indien muss ihr Essen nun wieder mit Holzfeuer zubereiten, weil kein Gas zu bekommen ist, hat mir mein Tuktuk-Fahrer in den letzten Wochen via WhatsApp berichtet…

    Und hierzulande regen wir uns über 30 € mehr für 'ne Tankfüllung auf.

    • @EDL:

      Und auch deswegen sollten wir wohl den anderen nicht Öl und Gas wegschlürfen, sondern von unserem da argen Ross endlich auf Wärmepumpe, Dämmung, Radeln, Bus und Bahn, Sparen umsatteln.

  • Klimaerhitzung ist teuer, wie einmal mehr zu sehen.







    Die Klimaanlage ist dabei eine Lösung auf Kosten Dritter: Insgesamt kommt mehr Hitze raus, die bekommt der Nachbar vorgepustet. Strom ist auch nicht im Übermaß da. Daher sollten sie so wenig wie möglich eingesetzt werden.



    In den inzwischen häufigeren Extremsommern in Indien natürlich ein frommer Wunsch, doch vergessen wir nicht etwa eine Architektur der Verschattung, Wasserkühlung, wo möglich, ...

    • @Janix:

      Eine Klimaanlage transportiert 80% Raumwärme nach draußen und erzeugt 20% zusätzliche Abwärme aus Strom.

      Ein Verbrennungsmotor erzeugt pro nutzbarer Energieeinheit deutlich mehr Abwärme als eine Klimaanlage.

      Das Problem der Klimanalgen ist nicht die Kühlung/Aufwärmung draußen, sondern deren hoher Stromverbrauch (10% des weltweiten Stromverbrauchs).

      • @EDL:

        Wenn sie technisch mit modernen Wärmepumpen vergleichbar auf Strombasis arbeitet, ja. Wenn sie dieselverbrennungsgetrieben knattert, dann vielleicht nicht.



        Wir sind nicht wirklich auseinander.



        Die Hitzee ist aber wirklich leider nicht "weg", sie bleibt - verstärkt - im Ort und auf der Straße davor.



        Besser kluges Verschatten etc., so weit möglich.