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Autonomes Fahren in EuropaDas 179-Millionen-Euro-Robotaxi des Kroaten Mate Rimac

In der kroatischen Hauptstadt Zagreb sind seit Kurzem autonome Fahrzeuge unterwegs. Allerdings läuft nicht alles so, wie Gründer Rimac versprochen hatte.

Mate Rimac bei der Vorstellung des neuen Robotaxis Foto: Goran Mehkek/imago
Erich Rathfelder

Aus Sarajevo

Erich Rathfelder

Eigentlich sind es das kalifornische Silicon Valley, die Garagen der Erfinder von Facebook und Apple, die den Stoff für Legenden der Moderne liefern. Dass sich ein aus Bosnien stammender Junge wie die jungen US-Amerikaner damals in der Garage seines Vaters in der kroatischen Hauptstadt Zagreb verkroch und sich vor wenigen Jahren vornahm, die Autowelt zu revolutionieren, ist also bemerkenswert. Und das in einem Land, in dem es weder eine Tradition der Autoproduktion gibt, noch ein auf die Entwicklung von Autos fixiertes Ingenieurwesen. Ob ihm das gelingt?

Mate Rimac, inzwischen 38 Jahre alt, arbeitet an einem Robotaxi-Projekt, das mit 179 Millionen Euro aus Töpfen der Europäischen Union gefördert wird. Seine Geschichte begann nicht unter dem blankpolierten Glanz der Automessen der Welt. 1988 wurde er in der bosnisch-herzegowinischen Stadt Livno geboren, als Dreijähriger zog er mit seiner Familie nach Deutschland.

Zehn Jahre später zog er mit seiner Familie nach Kroatien, nach Samobor. Wegen seines bosnischen Akzents war er das Ziel von allerlei Diskriminierungen durch seine Mitschüler, weshalb er nicht gerne zur Schule ging. Lieber verbrachte er Stunden in der Garage seiner Eltern. Und arbeitete sich in die Technik von Autos ein. Im Alter von 17 Jahren hatte Rimac schon zwei Patente angemeldet.

Nur: Es gibt in Kroatien nur wenige Projekte, die den Weg von großen Ankündigungen zu sehr ernsten Problemen so schnell und so öffentlich durchlaufen haben wie das Robotaxi-Projekt von Mate Rimac. Das Projekt geriet in Verzug, Fristen verschoben sich ständig und die entscheidende technologische Bedingung – ein autonomes Fahrzeug der Stufe 5 – ist derzeit nicht realisierbar. Rimac und sein Team hatten viel versprochen, was sie bislang nicht halten konnten.

Millionenförderung für Rimacs Robotaxis

Laut investigativen Journalisten ist der strittigste Punkt der Robotaxi-Geschichte das, was ehemals als Grundvoraussetzung des Projekts galt: die Entwicklung eines vollautonomen Elektrofahrzeugs der Stufe 5. Diese Stufe bedeutet, dass das Fahrzeug unter allen Bedingungen, bei jedem Wetter und überall ohne menschliches Eingreifen fährt. Das Fahrzeug hat weder Lenkrad noch Pedale.

Rimac Unternehmen wurde Teil des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans (NPOO) in Kroatien und sicherte sich 179 Millionen Euro an nicht rückzahlbaren Zuschüssen für das Robotaxi-Projekt. Dies ist der höchste Einzelbetrag, der jemals einem privaten Unternehmen im Rahmen dieses Programms zugesprochen wurde.

Obwohl Rimac öffentlich Distanz zu staatlichen Geldern wahrte, konnte er bereits Mitte 2022 nicht mehr ohne sie auskommen: Er beantragte und erhielt vom Staat Kroatien ein weiteres Darlehen in Höhe von 20 Millionen Euro, bis die erste Tranche der Europäischen Kommission für das Projekt eintraf.

Nun vermeldete das Unternehmen Verne, das ehemals Project 3 Mobility hieß, vor Kurzem: In einigen Stadtteilen Zagrebs können Robotaxis über die Verne-App gebucht werden. Es sind die ersten kommerziellen Robotaxis in ganz Europa. Kroatische Quellen berichteten hingegen von Problemen bei der Buchung, es gebe nur eine Warteliste auf der offiziellen Website des Unternehmens.

Robotaxis mit Sicherheitsfahrer

Und: Noch bietet Verne nicht die Robotaxis an, die Rimac in den letzten fünf Jahren entwickelt haben will, sondern eine fertige Zukauf-Lösung vom Typ Arcfox Alpha T5. Der fährt mit dem autonomen System von Pony.ai, das schon teilautomatisierte Taxis in China anbietet. Außerdem will Verne für die Buchung bald mit der Plattform Uber kooperieren.

Auf jeden Fall sitzen hinter dem Lenkrad der Robotaxis in Zagreb noch Menschen – sogenannte Sicherheitsfahrer. Verne will „so bald wie möglich“ auf fahrerlosen Betrieb umstellen, teilte das Unternehmen mit. Abzuwarten bleibt, wie weit Versprechen und Realität in Zukunft noch auseinanderklaffen.

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9 Kommentare

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  • Merkwürdiger und schwer zu verstehender Artikel, worin besteht der Zusammenhang von Rimac und Verne? Ist Rimac Konstrukteur, der falls erfolgreich, durch Verkauf Geld verdienen will oder will er ein Taxiunternehmen begründen?

  • Wenn so ein autonomes Auto dann fertig ist, wäre ich neugierig, wie die darin verwendete Software entscheidet, wenn plötzlich ein Kind auf die Straße springt. Entscheidet sich dann der Computer dafür, auf jeden Fall das Kind zu schonen und fährt unter Umständen in den Graben, an irgendeine Hauswand oder gegen ein entgegenkommendes Auto oder wird das Kind "umgefahren"?

  • Was weder Tesla noch sonst einem Großunternehmen der Auto- oder IT-Industrie bislang trotz jahrelangem Einsatz von hunderten Mitarbeitenden gelang, schafft dieser Mann natürlich im Alleingang. Die 179 Millionen Euro hat er sich redlich verdient, denn die schier unglaubliche Naivität der EU-Beamten muss bestraft werden! Glückwunsch.

  • Das riecht sehr stark nach sorgfältig geplantem Betrug. Mit nur 179 Millionen Euro an verfügbaren Mitteln ist es völlig ausgeschlossen, eine eigene autonome Taxiplattform zu entwickeln. Das US-Unternehmen Waymo, wohl die Firma mit dem am weitesten entwickelten System, hat bislang knapp 27 Milliarden USD in die Entwicklung investiert - und das waren praktisch alles Investorengelder, keine öffentlichen Zuschüsse. Dass bei diesem Unternehmen anscheinend keinerlei externe Investoren eingestiegen sind, ist die sprichwörtliche Red Flag - niemand mit Branchenkenntnissen glaubt an den Erfolg.

    • @TheBox:

      >Das riecht sehr stark nach sorgfältig geplantem Betrug.<

      Das riecht stark danach, dass versucht wurde, eine software zu entwickeln und irgendwann festgestellt wurde, dass der Zukauf besser und billiger ist.

    • @TheBox:

      Verne entwickelt die Technik für autonomes Fahren nicht vollständig selbst, sondern nutzt die Platform von Mobileye. Genauso wie Volkswagen. Was vermutlich nicht die beste Entscheidung war, weil Mobileye bis jetzt nicht das liefern kann, was versprochen wurde.

      • @gyakusou:

        Verne entwickelt gar nichts. Mittlerweile ist man auch weg von Mobileye. Die Technik kommt komplett aus China, die Autos werden z.B. beim chinesischen Staatskonzern BAIC eingekauft. Verne übernimmt nur den Betrieb.



        Man kann nur hoffen dass es einen deutlichen Technologietransfer gibt, denn sonst ist das nicht mehr als eine Subvention für Wertschöpfung in China.

  • Das wäre zwar schön, wenn so etwas klappt. Allerdings sind das keine Projekte, die man aus der Garage startet und mit Geld aus einem EU-Projekt zum Laufen bringt (selbst, wenn es für ein EU-Projekt irrsinnig viel ist). Da sind milliardenschwere Investitionen, ein langer Atem und etliche wissenschaftliche Durchbrüche notwendig. Insofern: Hoffentlich kommt ein wenig vom Geld in Form von Wissen und Technologie zurück.

  • Find ich toll. Ich drücke alle Daumen, dass er es bald packt!