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Nachfolge für Jan van AkenLinksfraktionsvize Pantisano kandidiert für Parteivorsitz

Linken-Chef van Aken zieht sich aus der Doppelspitze aus gesundheitlichen Gründen zurück. Ein möglicher Nachfolger bringt sich bereits in Stellung.

Luigi Pantisano (Die Linke) kandidiert für den Parteivorsitz Foto: Helena Dolderer/dpa

dpa | Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano will Vorsitzender der Linken werden. Der 46-Jährige hat seine Kandidatur als Nachfolger des scheidenden Co-Vorsitzenden Jan van Aken angekündigt. Die Wahl findet im Juni auf einem Parteitag in Potsdam statt. Van Aken, der seit Ende 2024 gemeinsam mit Ines Schwerdtner an der Spitze steht, hatte seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen erklärt.

„Ich gehe diesen Schritt in großer Demut“, erklärte Pantisano auf seiner Website. „Die Linke hat sich mit Jan und Ines erneuert und stabilisiert.“ Mehr als 70.000 Menschen seien neu in die Partei eingetreten. „Gemeinsam haben wir uns vorgenommen, die Linke zur organisierenden Klassenpartei zu machen.“ Die Partei wolle jene zurückgewinnen, die von der Politik enttäuscht und wütend seien. „Hier möchte ich anschließen und den nächsten Schritt gehen“, erklärte Pantisano.

Er ist stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag und vertritt als Abgeordneter die Region Stuttgart und Konstanz. Seine Eltern seien 1979 aus Italien nach Deutschland gekommen, um ihren vier Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, schreibt er über sich. Sie hätten in Fabriken gearbeitet und „die Bücher hergestellt, die sie selbst nie lesen durften“. So hätten sie ihren Kindern ein Studium ermöglicht. „Ich bin stolz darauf, als Kind aus einem Arbeiterhaushalt mit Migrationsgeschichte studiert zu haben.“

Über van Akten sagte Pantisano der ARD: „Jan war ein großartiger Vorsitzender.“ Seine gemeinsame Linie mit Schwerdtner sei richtig und erfolgreich. „Diesen Weg, den sie begonnen haben, möchte ich jetzt weitergehen und weiterentwickeln.“

Schwerdtner begrüßt die Kandidatur: „Ich freue mich sehr, dass Luigi Pantisano sich bereit erklärt, für die Partei Verantwortung zu übernehmen“, sagte sie. Als wachsende Partei brauche die Linke jede Kraft. „Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Partei, im Bundestag und in der Kommunalpolitik bringt er wichtige Fähigkeiten mit, um die Partei weiter gut aufzustellen.“

Fraktionschefin Reichinnek schließt Kandidatur aus

Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek schließt eine eigene Kandidatur für den Parteivorsitz aus. Im ZDF-„Morgenmagazin“ sagte sie, sie sei ausgelastet. „Wenn man Fraktions- und Parteivorsitz wirklich vernünftig ausführen will, dann kann man nicht beides machen, davon bin ich überzeugt. Also ich bleibe Fraktionsvorsitzende.“

Ursprünglich hatte van Aken angekündigt, erneut mit Schwerdtner zu kandidieren. Beide waren im Oktober 2024 als Doppelspitze gewählt worden. Damals steckte die Partei mit Umfragewerten von nur noch 2 bis 3 Prozent in einer tiefen Krise. Dem Duo gelang jedoch für die Partei die Wende. Bei der Bundestagswahl 2025 zog die Linke mit 8,8 Prozent wieder ins Parlament ein. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz scheiterte die Linke zuletzt aber an der 5-Prozent-Hürde.

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