Meta und die künstliche Intelligenz: Und immer grüßt der Chef vom Bildschirm
Meta-Chef Zuckerberg arbeitet an einem KI-Agenten, mit dem er immer ansprechbar ist für Mitarbeiter:innen. CEO-Traum – oder Überwachungs-Albtraum?
Immer ansprechbar für die Belegschaft, immer Ratgeber bei kleinen und großen Entscheidungen – das wollen eigentlich die wenigsten Arbeitgeber*innen sein. Ist ja auch stressig. Gerade bei einem Betrieb mit knapp 79.000 Mitarbeiter*innen. Die braucht Meta aber auch. Immerhin gehören zum Konzern große Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und Threads, der Messenger Whatsapp und auch Meta Quest, das Virtual-Reality-Geräte herstellt.
Außerdem arbeitet Meta an einem eigenen KI-Agenten. CEO ist der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Und bald ist er laut Recherchen der Financial Times noch mehr als das. Er wird KI. Beziehungsweise eine Vorlage für eine KI.
Die Financial Times zitiert Insider, die davon berichten, dass Mark Zuckerberg bei der Entwicklung seines eigenen KI-Abbildes mitarbeitet. Demnach soll es nicht nur aussehen wie Zuckerberg, sondern sich auch so verhalten, den gleichen Tonfall anschlagen, die gleichen Argumentationsmuster anwenden. Später sollen die Angestellten mit diesem Avatar interagieren können, ihn um Rat oder Feedback bitten, und sich Zuckerberg so verbundener fühlen können – rund um die Uhr.
Generell will sich das Unternehmen in Zukunft – nachdem seine Vision des Metaverse gescheitert ist – auf die sogenannte künstliche Intelligenz fokussieren. Aktuell liegt es da aber noch weit hinter der Konkurrenz von Google und OpenAI.
Wie könnte der KI-Zuckerberg aussehen?
Wie eine Zuckerberg-KI genau aussehen könnte, ist nicht bekannt. Direkt entstehen jedoch Bilder, die den Albträumen von Gewerkschaftler*innen entsprungen sein könnten: Der Chef, vielleicht nicht wachend, doch immer ansprechbar auf dem Rechner. Zuckerbergs Antlitz auf dem Bildschirm, um Aufmerksamkeit bettelnd wie Karl Klammer, die alte Word-Büroklammer, die aufdringlich Formatierungstipps geben will. Der CEO, also die personifizierte Firmenphilosophie, in jedem Büro, wie ein Herrscherbild in der Amtsstube, nur eben sprechend. Und wenn Zuckerberg das kann: Wer will es dann als Nächstes tun?
Tatsächlich könnte eine solche Zuckerberg-KI allerdings, trotz der vorauseilenden Kritik, dem Unternehmen nutzen, würde sie wirklich die Identifikation mit Zuckerberg und damit auch Meta als Arbeitgeber stärken. Denn wenn ein Mensch mit einem KI-Chatbot kommuniziert, passiert etwas Emotionales. Natürlich nur einseitig: Manche verlieben sich in die KI und führen eine Beziehung mit ihr. Andere lassen sich von KI durch schwere psychische Krisen begleiten oder versuchen, mit ihr gegen Einsamkeit anzugehen.
Emotionale Nähe wie zu einem Menschen
Laut Untersuchungen der Universität Heidelberg können Menschen unter bestimmten Bedingungen sogar zu einer KI eine stärkere emotionale Nähe aufbauen als zu einem anderen Menschen – besonders, wenn sie nicht wissen, dass sie es mit einer KI zu tun haben. Gerade um möglichst menschenähnlich zu wirken, könnte es daher wichtig sein, eine CEO-KI fotorealistisch zu gestalten und ihr die Stimme des Vorbilds zu leihen.
Meta hatte das bereits 2023 ausprobiert und KI-Figuren vorgestellt, die – mit Erlaubnis – Prominente darstellen sollten. So hatte etwa der Rapper Snoop Dogg sowohl sein Aussehen als auch seine Stimme dafür hergegeben. Trotzdem waren die Meta-Erfahrungen mit KI nicht nur positiv. Denn wenig später veröffentlichte das Unternehmen ein Tool, mit dem Nutzer*innen KI-Charaktere erstellen konnten. Aber weil diese die Persona teilweise auch sexualisiert gestalteten, schränkte das Unternehmen die Funktion im Januar 2026 für Teenager ein.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!