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Antisemitische Attacke in MünchenProiranische Terrorgruppe bekennt sich zu Pyroanschlag

Nach dem Angriff auf ein israelisches Restaurant in München prüft die Polizei ein Bekennervideo einer Gruppe mit Verbindungen zum iranischen Regime.

Ziel von wahnhaftem Israelhass: Restaurant „Eclipse“ in München nach dem Anschlag Foto: Felix Hörhager/dpa

dpa/taz | Nach dem Angriff auf ein israelisches Restaurant in München vor einer Woche prüfen die Ermittler das Bekennervideo einer proiranischen Terrorgruppe. „Das Video liegt uns vor“, sagte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft München. Es sei Gegenstand der Ermittlungen. Das Video war den Angaben zufolge auf Social-Media-Kanälen verbreitet worden. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Sicherheitskreise bestätigten, dass man davon ausgehe, dass das Video auf die mutmaßlich in enger Verbindung zu Teheran stehende Terrorgruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia („Islamische Rechtschaffenheitsbewegung“, kurz: Hayi) zurückgehe. Es wurde dem Vernehmen nach unter diesem Namen veröffentlicht. Damit sei aber noch nicht gesagt, dass die Gruppierung tatsächlich hinter dem Anschlag stehe, hieß es.

In dem Video heißt es den Berichten zufolge, der Angriff habe sich nach der Schließung des Restaurants ereignet und keine Todesopfer gefordert – „aber es hätte am Tag passieren können und die Zionisten wären dabei getötet worden“. Der Text wurde demnach auch ins Arabische und Hebräische übersetzt.

Knallgeräusche und zerstörte Scheiben

Unbekannte hatten in der Nacht auf den Freitag vergangener Woche das israelische Restaurant in München angegriffen, Fensterscheiben zerstört und einen Schaden von mehreren Tausend Euro verursacht. Polizei, Justiz und Betreiber gingen von Anfang an von einem antisemitischen Motiv aus.

Die Einsatzzentrale der Polizei hatte gegen 00.45 Uhr einen Anruf erhalten, weil es an dem Lokal „Eclipse“ drei Knallgeräusche gegeben hatte. Eine Streife stellte laut Polizei vor Ort fest, dass Fensterscheiben des Lokals an drei Stellen defekt waren. Pyrotechnische Gegenstände seien in das Restaurant geworfen worden, hieß es. Es werde geprüft, welche Art von Sprengsatz verwendet worden sein könnte.

Die Terrorgruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia bekannte sich zuletzt zu mehreren Anschlägen in Europa, darunter den Brandanschlag auf einen jüdischen Rettungsdienst in London Ende März. Die vermeintliche „Widerstandsgruppe“ wird allein im März zudem in Zusammenhang gebracht mit einem Sprengsatz vor einer Synagoge im belgischen Lüttich, einer Explosion an einer jüdischen Schule in Amsterdam und einem Anschlag auf ein Auto vor einem jüdischen Restaurant in Antwerpen.

Sicherheitsexperten halten es für sehr wahrscheinlich, dass das iranische Mullahregime die Angriffe von Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia koordiniert. „Es handelt sich um eine Tarnorganisation, die verstreute Zellen in ganz Europa nutzt, um die Anschläge zu organisieren und durchzuführen“, sagte Phillip Smyth jüngst zur taz. Der Berater für Terrorismusbekämpfung aus Washington beschäftigt sich seit Jahren mit proiranischen, schiitischen Milizen.

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