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Demos für die Energiewende„Sie sind gekauft, treten Sie zurück!“

Tausende Menschen demonstrieren in Berlin gegen die Abwicklung der Energiewende. Im Fokus: die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).

Am Invalidenpark warnte Luisa Neubauer vor einer „Unterwanderung der Energiewende“ Foto: Michael Ukas/dpa

Aus Berlin

Mila Kassem

Luisa Neubauers Stimme hallt über den sonnigen Platz. Die bunte Menge an Leuten, die hier am Samstagmittag im Invalidenpark unter dem Motto „Erneuerbare Energien verteidigen!“ demonstrieren, hören gebannt zu, wie sie vor einer „Unterwanderung der Energiewende“ warnt. Während sie spricht, herrscht nahezu Stille, macht sie eine Pause, erfüllt Jubel die Luft. Auf Schildern steht etwa „Es Reiche(t)!“. Einer der Demonstrierenden hat sich als Windrad verkleidet.

Von Eltern, die ihre Kinder auf den Schultern tragen, über jugendliche Freundesgruppen bis zu älteren Menschen – auf der Demo sind alle Altersgruppen vertreten. Viele der üblichen Verdächtigen sind hier, wie die Omas Gegen Rechts oder Ak­ti­vis­t:in­nen von Greenpeace und Fridays for Future. Immer wieder aber sind auch Menschen zu sehen, die äußerlich nicht das typische Klimademo-Publikum darstellen. Erklärtes Ziel der Proteste war es, auch etwa Be­sit­ze­r:in­nen von Solardächern oder In­stal­la­teu­r:in­nen und In­ves­to­r:in­nen im Bereich der erneuerbaren Energien anzusprechen – also alle, die ein Interesse daran haben, dass die Energiewende nicht einfach so den Bach heruntergeht.

Dieses Ziel zu verfolgen, wird in Reden vielfach der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgeworfen. Deren Ressort hatte zuletzt mit einem umstritten „Netzpaket“, der Neufassung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes und des Heizungsgesetzes immer wieder Klimaziele erheblich aufgeweicht. Für den Samstag hatten Umweltorganisationen deshalb bundesweit auf die Straße gerufen. Allein in Berlin sprachen die Ver­an­stal­te­r:in­nen von 24.000 und die Polizei von 9.000 Demonstrierenden. Bundesweit sollen laut Or­ga­ni­sa­to­r:in­nen 80.000 Menschen auf die Straße gegangen sein.

Wer so etwas in die Wege leitet, kann nicht länger in Verantwortung bleiben

SPD-Umweltpolitikerin Nina Scheer über die Lobbynähe von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)

Gegen das fossile Rollback forderte Greenpeace mehr soziale Förderungen für Mieter:innen, einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und insgesamt mehr „Energiewende für alle anstatt der Lobbypolitik von Katherina Reiche.“ Im Aufruf zur Demonstration hieß es zudem, Öl und Gas machten Deutschland erpressbar gegenüber Au­to­kra­t:in­nen wie Trump oder Putin. Die Energiepreise würden so in die Höhe getrieben. Auch von Extremwetterereignissen aufgrund der Klimakrise seien besonders die ökonomisch schwächeren Teile der Gesellschaft betroffen.

Po­li­ti­ke­r:in­nen fordern Rücktritt

Einer der Demonstrierenden stellt sich der taz als Christian vor. Der 49-Jährige gehe sonst nicht auf Klimademos, sagt er. Aber momentan entwickle sich die Politik der Bundesregierung „in eine ganz falsche Richtung“. Er habe eine kleine Tochter, auch für ihre Zukunft sei er heute hier. Der 19-jährige Nika – nach eigenen Angaben ebenfalls kein regulärer Klimademo-Gänger – sagt der taz, immerhin sei dies ja vielleicht etwas Positives der gegenwärtigen Entwicklung: „Dass mal mehr Leute checken, wie scheiße das alles ist und was wirklich abgeht“.

Anders als bei vielen Klimademonstrationen kommen auch Po­li­ti­ke­r:in­nen zu Wort. So etwa Luigi Pantisano von den Linken, der aktuell für den Vorsitz seiner Partei kandidiert und sich auf der Demo dann auch nicht zurückhält. „Frau Reiche, Sie sind gekauft, treten Sie zurück“, forderte er. Zuletzt hatten Medienberichte nahegelegt, dass die Wirtschaftsministerin und ehemalige Managerin einer Eon-Tochter beim Energiekonzern EnBW um Argumentationshilfen für den Bau neuer Gaskraftwerke nachgefragt haben soll.

Auch der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak ließ die Menge auf der Demo „Reiche, weiche!“ skandieren. Etwas vorsichtiger äußerte sich dagegen die SPDlerin Nina Scheer, deren Partei in einer Regierung mit der CDU sitzt. Dennoch, sagte Scheer, sollten sich Vorwürfe wie die angefragte Formulierungshilfe bewahrheiten, sei das eine „Obstruktion vonseiten des Ministeriums und gegen das Gemeinwohl“. Wer so etwas in die Wege leite, könne „nicht länger in Verantwortung bleiben.“

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6 Kommentare

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  • Wenn die Deutsche Energiewende bis zur Merz Regierung ein solches Erfolgsmodell war, WARUM geht dann keine einzige andere Wirtschaftsnation diesen Weg ?? Sind wie Deutschen zu klug für den Rest der Welt, oder halten wir uns nur dafür ??

  • Wir sollten in dieser Situation auch mal würdigen was Robert Habeck geleistet hat. Die von ihm voran gebrachte Energiewende ist ein echtes Erfolgsmodell und hilft gerade sehr die Krisenbedingten Probleme zu verringern.



    Diesen Weg weiter voran zu bringen, ist geradezu Pflicht für jede(n) Wirtschaftsminister(in). Die Argumente dafür sind vielfältig und mittelfristig alternativlos.



    Was Fr. Reiche so treibt, ist dagegen nicht im Interesse des Landes, sonder in erster Linie im Sinne ihrer alten Arbeitgeber.



    Ob sie nun fachlich überfordert, ideologisiert oder einfach nur korrupt ist..egal..diese Frau schadet dem Land und hat ihre Berechtigung ein Ministeramt zu bekleiden in jedem Fall verloren.!!

    • @Wunderwelt:

      Die Energiewende ist richtig, aber technologieoffen sollte sie sein. Die 3 letzten Atomkraftwerke in so einer Lage abzuschalten war ein großer Fehler. Trotz Anteil von erneuerbaren Strom ü. 50 % ist Deutschland ein Nettoimporteur, was Strom betrifft und die Strompreise sind europaweit mit die höchsten, auch durch die Subventionen und garantierte Vergütung von Solar und Windkraft. Die 65% Prozent Regel beim Heizungstausch läuft, Stand jetzt, auf eine Wärmepumpe hinaus, die zwar sehr effizient und ökologisch sinnvoll ist, aber nicht bei jedem Gebäude umsetzbar ist. Daher ist das Aufweichen hier richtig.

  • Demo richtig, Reiche weg! Und Donald vielen Dank, denn durch ihn wird weniger Öl verbrannt und mehr nachgedacht.

  • Es ist wohl unumstritten, dass EEG-Einspeisevergütungen für nicht benutzte Energie und gewisse Photovoltaik Subventionen Fehlinvestitionen zu Ungunsten der Steuerzahler sind. Wenn die Erneuerbaren so gut sind, dann müssen sie sich nach der vernünftigen Anschubfinanzierung selbst tragen mit den damit einhergehenden Risiken. Dauersubvention ist nirgendwo gut und macht süchtig.

    • @Eckhard Hanseat52:

      Es ist umstritten.



      Dir is schon klar, dass negative Preise dem Verbraucher im selbem Maß zugute kommen? Der einzige dem das so richtig schadet ist die Fossilindustrie, weil die wieder willen und ohne Vergütung wegen der Trägkeit ihres Schrotts weiter einspeisen muss.



      Jeder Tag mit negativen Preisen ist ein Millionenverlust für Eon, RWE etc.



      Deswegen wollen sie mit dem Solarspitzengesetz und dessen Verschärfung ja erreichen dass weniger PV eingespeist wird, es daher weniher negative Preise gibt, es daher weniger Netzspeicher gibt die diesen kostenlosen Strom auffuttern, und es daher dann schön weiter die Abendlichen Peaks von Gaskraft gedeckt werden können.



      Negative Preise sind überproportional schlecht für die Fossilindustrie. Deswegen sollten wir uns drüber freuen. Unabhängig davon ob dann Unternehmer und Hausbesitzer mal bischen Geld verdienen dass ihnen nach Marktlogik nicht zusteht. Investieren die sicher in noch mehr EE, was uns ja allem gefallen sollte.