Bürgerentscheide zu Olympia: Ja mit deutlichem Aber
Nordrhein-Westfalen spricht sich für eine Olympiabewerbung aus. In Köln, dem geplanten Zentrum der Spiele, ist die Zustimmung am geringsten.
Die Macher der Olympia-Bewerbung Nordrhein-Westfalens planten zum Abschluss ihres großen Tages etwas Besonderes – doch kaum jemand bekam es mit. 112 Strahler beleuchteten um 23 Uhr die Hohenzollernbrücke nahe dem Dom in den Olympia-Farben, weil das Land an Rhein und Ruhr mit Ja gestimmt hatte. Vorausgegangen war ein langer Tag, an dem Tausende Freiwillige in den 17 Kommunen 1,4 Millionen Wahlbriefe gezählt hatten.
Parallel dazu versammelten sich zahlreiche Prominente und Politiker feierlich im zweithöchsten Hochhaus der Stadt, in das die Auszählungen aus den Kommunen einliefen. Der geplante Ablauf mit der feierlichen Verkündung aller Ergebnisse, vor allem desjenigen aus der „Leading City“ Köln, platzte – für Köln lagen die Ergebnisse erst um 3 Uhr in der Nacht vor. Viele Interessierte zeigten sich zudem verwundert, dass der Livestream der Staatskanzlei über Stunden inaktiv geblieben war.
Insgesamt haben 1,4 Millionen Wahlberechtigte in Nordrhein-Westfalen entschieden, dass sich die Region KölnRheinRuhr für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. 68 Prozent stimmten dafür, die Wahlbeteiligung lag bei 31 Prozent. In Aachen fiel das Ergebnis am besten aus, mehr als drei Viertel stimmten dafür. Das Quorum in Herten war zu gering, die Stadt fällt daher raus. Den geringsten Zustimmungswert hatte mit 57 Prozent ausgerechnet Köln.
Ministerpräsident Wüst war seit Beginn der Kampagne im Januar durchs Land gereist, hatte Sportstätten besucht und mit Sportlerinnen und Sportlern gesprochen. Nach den ersten Auszählungen hatte Wüst von einem „beeindruckenden Ergebnis“ gesprochen. „Es ist die größte direktdemokratische Beteiligung in der olympischen Geschichte und es ist zugleich die größte Bürgerbefragung in der Geschichte unseres Landes. Dass der Rückhalt so phänomenal ist, damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte er bei der Veranstaltung auf der rechtsrheinischen Seite am Abend. Zu diesem Zeitpunkt waren die Ergebnisse aus Köln allerdings noch nicht final bekannt.
Zufriedener OB
Ob in Nordrhein-Westfalen damit wirklich die größte Sportveranstaltung der Welt stattfinden wird, ist noch unklar – bis Juni sollen beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) die Konzepte der Bewerber eingereicht werden. Im September wird dann die finale Entscheidung fallen, ob Deutschland mit Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg oder München in den Bewerbungsprozess beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einsteigen wird. Die Münchnerinnen und Münchner hatten sich im vergangenen November mit 66,4 Prozent für die Bewerbung ausgesprochen.
Im Interview mit dem Deutschlandfunk betonte Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), dass er „sehr zufrieden“ mit den Ergebnissen sei. Für ihn sei es eine Befreiung, dass Nordrhein-Westfalen ein klares Votum bekommen habe, und er sei „zuversichtlich, dass wir Schwung aufnehmen für die nächsten Schritte der Bewerbung“. Die Ausrichtung der Spiele könne ein „Booster für Infrastruktur und Teilhabe“ sein.
Den geringen Zustimmungswert in Köln bewertet der ehemalige Vorstandsvorsitzende des DOSB so: „Köln ist Hauptaustragungsort und deswegen gibt es hier eine höhere Betroffenheit und intensivere Debatten.“ In den nächsten Tagen wolle er auf Kritiker zugehen, darunter die Initiative NOlympia Köln und Jan Böhmermann, der sich kürzlich klar gegen die Bewerbung ausgesprochen und dabei auch Kritik an Burmester geäußert hatte.
Als Vertreter der Initiative zeigte sich auch Jörg Detjen (Die Linke) im Gespräch mit dem Deutschlandfunk zufrieden. NOlympia habe das Ziel erreicht, 40 Prozent Nein-Stimmen zu erzielen – ein „Arbeitssieg“. Die Abstimmung sei eine „Gefühlsentscheidung“. Detjen betonte, es fehle an finanziellen Rücklagen, es sei unklar, wie sich die Lage in den kommenden Jahrzehnten entwickeln werde.
Beide Seiten, ob dafür oder dagegen, sind also zufrieden. Und mit dem Votum beginnt jetzt erst die eigentliche Bewährungsprobe: ob auf die Zustimmung im Land auch die Akzeptanz des DOSB und vor allem des IOC folgen.
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