Pakistans erstaunliche Vermittlungsrolle: 1:0 für Islamabad
Im Streit um die Gunst von US-Präsident Donald Trump liegt Pakistan aktuell klar vor Indien. Die Rolle als Friedensstifter macht sich auf internationaler Bühne gut.
W er hätte gedacht, dass ausgerechnet die Atommacht Pakistan, die fast schon als „failed state“ galt und im Afghanistankonflikt jahrelang als Terrorunterstützer ein doppeltes Spiel spielte, plötzlich eine Schlüsselrolle einnimmt beim Versuch, den Krieg zwischen den USA und Iran zu beenden. Zwar handelt Pakistan jetzt nicht allein, sondern wird von China, der Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten unterstützt. Doch Pakistan hat klar die wichtigste Rolle und trägt das größte diplomatische wie auch innenpolitische Risiko.
Auffällig ist, wie in Pakistan derzeit die beiden politischen Hauptakteure an einem Strang ziehen. Haben Staaten normalerweise ein Militär, so gilt in Pakistan das Bonmot, dass dort das Militär einen Staat hat. Aktuell aber arbeiten Premierminister Shehbaz Sharif und Militärchef Asim Munir Hand in Hand. Insbesondere Munir, der seit dem kurzen Krieg gegen Indien vor gut einem Jahr zum Feldmarschall aufgestiegen ist, unterhält beste Beziehungen zu Donald Trump wie zur Führung Irans.
So gilt er erklärtermaßen als „Lieblingsfeldmarschall“ des US-Präsidenten. Pakistan lobte Trumps Rolle als Vermittler im Konflikt mit Indien. Munir war wiederholt zu Gast im Weißen Haus, wo es unter anderem um Kryptogeschäfte gegangen sein soll. Sehr zum Ärger Delhis hat Pakistan an diplomatischem Gewicht gewonnen, hatte sich doch vorher Indiens Premierminister Narendra Modi noch selbst in der Rolle von Trumps best Buddy gesehen.
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Pakistans jetzt international wichtige Rolle ist auch der Innenpolitik geschuldet. Dort erlebt der Antiamerikanismus aktuell einen Aufschwung. Nach der Tötung von Irans Machthaber Ali Chamenei kam es zu tödlichen Unruhen in Pakistan, wo bis zu 40 Millionen Schiiten leben. Ein Vermittlungserfolg ist in Pakistans ureigenem Interesse, abgesehen davon, dass die angedrohte Zerstörung Irans durch das US-Militär auch das direkte Nachbarland Pakistan schwer treffen würde.
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