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Krieg zwischen Israel und LibanonWaffenruhe um drei Wochen verlängert

Am Sonntag sollte die Feuerpause zwischen Israel und Libanon enden. Laut US-Präsident Trump wird sie nun darüber hinausgehen. Unterdessen dauerten die gegenseitigen Angriffe an.

Angriffe trotz Waffenruhe: Zerstörtes Haus bei Beirut Foto: Hussein Malla/AP/dpa

afp/taz | Wenige Tage vor dem Auslaufen der brüchigen Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon hat US-Präsident Donald Trump ihre Verlängerung bekannt gegeben. „Die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon wird um drei Wochen verlängert werden“, erklärte Trump am Donnerstag in seinem Onlinedienst Truth Social.

Am vergangenen Freitag war eine zehntägige Waffenruhe zwischen den beiden Ländern in Kraft getreten, die am Sonntag auslaufen sollte.

Der US-Präsident hatte zuvor Vertreter Israels und des Libanon zu einer zweiten Gesprächsrunde auf Botschafterebene in Washington empfangen. Vor Journalisten kündigte Trump nun ein nächstes Treffen zwischen ihm, dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun „in den kommenden Wochen“ im Weißen Haus an. Er sehe eine „sehr gute Chance“ für ein Friedensabkommen zwischen den beiden Ländern noch in diesem Jahr, betonte er.

Libanesische Vertreter hatten vor dem Treffen am Donnerstag erklärt, sie strebten eine Verlängerung des Waffenstillstands um einen Monat an. Aoun erklärte, dies müsse auch „ein Ende der Zerstörung von Häusern und der Angriffe auf Zivilisten, Gotteshäuser, Journalisten sowie den Medizin- und Bildungssektor“ umfassen.

Israel: „bösartiger Einfluss der Hisbollah“

Nach dem Treffen sagte Israels Botschafter in den USA, sein Land wolle ein Friedensabkommen mit der libanesischen Regierung und glaube, dass die Terrororganisation Hisbollah durch die Angriffe auf den Iran geschwächt worden sei. „Wir sind mit der libanesischen Regierung darin geeint, das Land von diesem bösartigen Einfluss namens Hisbollah befreien zu wollen“, sagte Jechiel Leiter.

Israel und der Libanon unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Die direkten Gespräche in der vergangenen Woche waren die ersten dieser Art zwischen den beiden Nachbarländern seit mehr als drei Jahrzehnten.

Trotz der geltenden Waffenruhe waren zuvor bei einem israelischen Angriff im Süden des Libanon nach libanesischen Angaben drei Menschen getötet worden. Demnach wurde bei dem Angriff eine Straße in der Region Nabatäa getroffen, die mehr als 30 Kilometer nördlich der Grenze zu Israel liegt. Bei einem weiteren Angriff in Jater, gut vier Kilometer nördlich der Grenze, wurden demnach zwei Menschen verletzt, darunter ein Kind.

Während die Gespräche in Washington liefen, gab die Hisbollah außerdem bekannt, erneut Raketen auf den Norden Israels abgefeuert zu haben. „Zur Verteidigung des Libanon und seines Volkes und als Reaktion auf die Verletzung der Waffenruhe durch den israelischen Feind und seinen Angriff auf die Stadt Jater im Süden des Libanon“ sei „die Siedlung Schtula mit einer Raketen-Salve ins Visier genommen“ worden, teilte die Miliz mit.

Bisher mehr als 2.450 Tote

Die israelische Armee erklärte ihrerseits dazu, mehrere Geschosse aus dem Libanon abgefangen zu haben. Die vom Iran unterstützte schiitische Miliz lehnt direkte Gespräche mit Israel und eine Waffenruhe ab.

Der Libanon war Anfang März in den Irankrieg hineingezogen worden. Damals feuerte die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, als Reaktion auf die Tötung des iranischen Diktators Ajatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Im Libanon wurden seit Beginn der erneuten Eskalation mehr als 2.450 Menschen getötet, mehr als eine Million Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die israelische Armee will nach eigenen Angaben weiter im Süden des Libanon im Einsatz bleiben, um die Infrastruktur der Hisbollah zu zerstören und „direkte Bedrohungen für die Gemeinden im Norden Israels abzuwehren“.

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