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Transformation und WärmegewinnungReiches Heizungsgesetz ist fatal fürs Klima

Anja Krüger

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Anja Krüger

Die Wirtschaftsministerin nährt selbst das Gerücht, sie sei Agentin ihrer alten Branche. Für sie könnte beim Heizen alles so bleiben, wie es ist.

Hat nur fossile Energien im Blick: Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Foto: Michael Kappeler/dpa

E s ist nicht weniger als ein klimapolitischer Offenbarungseid und ein Verrat am Mieter:innenschutz: Der Entwurf von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für das neue Heizungsgesetz, das Gebäudemodernisierungsgesetz, ist ein fataler Rückschritt. Geht der Entwurf der Ministerin so durch den Bundestag, wird das Heizungsgesetz der Ampel komplett entkernt. Die Regel, dass neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, soll gestrichen werden.

Gas- und Ölheizungen sollen bis in alle Ewigkeit neu eingebaut und betrieben werden können. Nach jetziger Gesetzeslage müssen sie bis 2045 stillgelegt werden – bis zu dem Jahr, in dem Deutschland klimaneutral werden soll. Reiche verkauft ihre Pläne als Entscheidungsfreiheit für die Bürger:innen. Das ist absurd.

Seit ihrem Amtsantritt steht die frühere Energiemanagerin eines fossilen Konzerns unter dem Verdacht, als Ministerin ein U-Boot ihrer früheren Branche zu sein. Statt diesen Verdacht zu entkräften, nährt sie ihn auch mit diesem Gesetzentwurf. Ihre Botschaft: Eigentlich kann beim Heizen alles beim Alten bleiben. Das nützt allein der Fossile-Energien-Wirtschaft, denn sie kann ihr Geschäftsmodell länger betreiben. Bür­ge­r:in­nen und Unternehmen schadet es, weil ein Weiter-so im Heizungskeller sehr teuer für sie wird.

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Um die krasse Klimaschädlichkeit dieser Pläne zu kaschieren, plant die Regierung Vorgaben für die Beimischung grüner Brennstoffe wie Methan oder Wasserstoff bei fossilen Heizungen. Auch wenn sie oft besser als fossile Brennstoffe sind, haben diese Heizmaterialien vielfach eine schlechte Ökobilanz. Woher die nötigen Mengen kommen sollen, ist offen. Sicher ist, dass Biobrennstoffe knapp sein werden – und sehr teuer. Wenn die Industrie klimagerecht umgebaut wird, braucht sie diese Stoffe dringend.

Die aktuellen Preise sind nur der Anfang

Sie fürs Heizen zu verbrennen, so noch mehr zu verknappen und damit auch für Unternehmen zu verteuern, ist töricht. Zu glauben, dass die Vernunft von Haus­ei­gen­tü­me­r:in­nen von ganz allein für den Abschied von fossilen Heizungen sorgt, ist bestenfalls naiv. Für Ei­gen­heim­be­sit­ze­r:in­nen mögen bei der Entscheidung für eine neue Heizung die Betriebskosten eine Rolle spielen. Die Preise für Gas und Öl werden in den nächsten Jahren extrem steigen.

Katherina Reiches Weiter-so-Politik nützt allein der fossilen Energiewirtschaft

Die aktuellen Kapriolen auf den Energiemärkten aufgrund des Irankriegs sind nur ein kleiner Vorgeschmack darauf. Diese Krise zeigt, wie wichtig die rasche Abkehr von fossilen Abhängigkeiten ist, zum Beispiel durch Wärmepumpen zum Heizen. Aber es gibt Leute, die die Gefahr steigender Preise und bleibender Abhängigkeit einfach ausblenden – oder auf andere abwälzen.

Das können Vermieter:innen. Deshalb ist für Mie­te­r:in­nen das mögliche Festhalten an Gas- und Ölheizungen ein massives Problem. Der Einbau dieser Heizungen ist für Ver­mie­te­r:in­nen billiger als eine klimafreundliche Alternative. Die Kosten für das teure Gas oder Öl tragen die Mieter:innen. Auf Drängen der SPD sollen sich Vermieter:innen, die auf eine fossile Heizung setzen, an einem Teil der weiteren Kosten beteiligen. Aber von einer gerechten Aufteilung kann keine Rede sein.

Ver­mie­te­r:in­nen müssen zwar die Hälfte der Netzentgelte und des CO2-Preises zahlen. An den Ausgaben für den nach und nach steigenden Anteil an Biobrennstoffen müssen sie sich aber nicht einmal zur Hälfte beteiligen. Hier ist ihr Kostenanteil auf 30 Prozent gedeckelt. Dabei soll der Anteil der Biokraftstoffe bis 2040 bei 60 Prozent liegen – ein enormes Kostenrisiko. Ohnehin ist zu fürchten, dass Ei­gen­tü­me­r:in­nen die zusätzlichen Aufwendungen auf Mie­te­r:in­nen abwälzen. Die Regierung macht keine Anstalten, das zu verhindern.

Klimaziele als Verschiebemasse

Entlarvend ist, dass in einer irrtümlich vom Bundeswirtschaftsministerium verschickten Fassung des Entwurfs nicht 2045 als Ziel für Klimaneutralität angegeben war, sondern 2050. Ein bezeichnendes Versehen. Klimaziele sind für Ministerin Reiche Verschiebemasse. Mit dem Festhalten an Gas und Öl werden die Vorgaben für den Gebäudesektor konterkariert. Und damit auch der Plan, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral wird. Das ist angesichts des Zustands des Planeten unverantwortlich.

Trotzdem: Es wird wohl nicht mehr lange dauern, dann wird das deutsche Klimaziel von der Regierung offensiv infrage gestellt – wie es Ministerin Reiche bereits getan hat. Spannend wird, ob die SPD dem etwas entgegensetzen oder kapitulieren wird.

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Anja Krüger
Parlamentskorrespondentin
Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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1 Kommentar

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  • Die Eidesformel des deutschen Bundespräsidenten, Bundeskanzlers und der Bundesminister nach Art. 56 GG (und Art. 64 GG) lautet:



    „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde."



    Wozu ist dieser Schwur bei Amtseintritt eigentlich gut? Kann man das in einem demokratischen Staat von "seinen" Politikern eigentlich auch einfordern? Und wenn sich jemand nicht an die Verfassung und geichrangige Urteile des Bundesverfassungsgerichts hält, wie im Fall des Klimaschutzes, sollte es da nicht Konsequenzen geben?