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+++ Nachrichten im Irankrieg +++Rätselraten um den Fortgang der Gespräche in Pakistan

Irans Außenminister ist gerade in Islamabad und auch eine US-Delegation wird dort erwartet. Unklar bleibt, wie es weitergeht. Ein US-kuwaitischer Kriegsberichterstatter ist nach wochenlanger Haft wieder frei.

Vorglühen für einen Talk mit US-Delegierten? Der iranische Außenminister Abbas Araktschi (l.) trifft auf Pakistans Armeechef, Feldmarschall Asim Munir Foto: Seyed Abbas Araghchi/reuters

Wieder kommerzielle Flüge vom Flughafen Teheran

Zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Krieges vor rund zwei Monaten sind vom Flughafen Teheran wieder kommerzielle Flüge gestartet. Das staatliche iranische Fernsehen berichtete, die Maschinen seien vom internationalen Flughafen Imam Chomeini in Richtung Istanbul, Omans Hauptstadt Maskat sowie in die saudi-arabische Stadt Medina gestartet.

Flightradar24, eine Plattform zur Flugverfolgung, zeigte an, dass am Samstagmorgen mindestens drei Flüge mit Ziel Istanbul abhoben. Der Iran hatte im Zuge einer Waffenruhe mit den USA seinen Luftraum bereits teilweise wieder geöffnet. (ap)

Irans Außenminister derzeit in Pakistan, US-Sondergesandte bald auch

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hat in Pakistan Gespräche für eine Beilegung des Konflikts mit den USA aufgenommen. Laut Angaben des Staatssenders Irib traf sich Araghtschi in Islamabad mit dem pakistanischen Verteidigungsminister, Feldmarschall Asim Munir, der eine Schlüsselrolle in den Vermittlungen spielt.

Im weiteren Verlauf werden die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner ebenfalls zu Gesprächen in Pakistan erwartet. Laut dem iranischen Außenamtssprecher Ismail Baghaei ist bislang jedoch kein Treffen mit der amerikanischen Seite geplant.

Wegen der abweichenden Darstellungen beider Seiten im Vorfeld der Treffen ist letztlich nicht klar, ob die Konfliktparteien bloß Botschaften über pakistanische Vermittler austauschen oder vielleicht doch direkte Verhandlungen führen werden.

Eine angebliche Bitte des Irans um ein persönliches Treffen, von der US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt sprach, bezeichnete die Nachrichtenagentur Tasnim als falsch. Sie gilt als Sprachrohr der Revolutionsgarden, der iranischen Elitestreitmacht.

Außenminister Araghtschi betonte auf der Plattform X, er wolle sich lediglich mit den pakistanischen Partnern abstimmen. Aus pakistanischen Sicherheitskreisen verlautete, der iranische Chefdiplomat plane, einen Gegenvorschlag für die Verhandlungen mit den USA zu erörtern. Laut Tasnim will der Außenminister die Standpunkte des Irans für ein Kriegsende darlegen.

Experten argwöhnen jedoch, dass der Minister gar nicht den nötigen Handlungsspielraum habe. Es wird vermutet, dass die einflussreichen Revolutionsgarden die Verhandlungslinie in Teheran maßgeblich bestimmen. Sie haben nach Einschätzung vieler Iran-Kenner derzeit das Sagen in Teheran. (dpa)

US-kuwaitischer Journalist nach wochenlanger Haft wieder frei

Nach wochenlanger Haft wegen seiner Berichterstattung über den Iran-Krieg ist ein US-kuwaitischer Journalist freigelassen worden. Ahmed Shihab-Eldin, der unter anderem für die New York Times, die US-Sendergruppe PBS und das englischsprachige Programm des katarischen Nachrichtensenders Al-Dschasira berichtet, sei „sicher aus Kuwait abgereist“, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums, der nicht namentlich genannt werden wollte, am Freitag (Ortszeit) der Nachrichtenagentur AFP.

Ahmed Shihab-Eldin ist wieder in Freiheit Foto: Mohamed Nanabhay via Wikimedia Commons

Shibab-Eldin war während eines Besuchs bei seiner Familie in Kuwait am 3. März wegen angeblicher Verbreitung von Falschinformationen und Gefährdung der nationalen Sicherheit festgenommen worden. Während seiner Haft habe das State Department zu ihm Kontakt gehalten und ihm konsularische Unterstützung geleistet, erklärte der US-Beamte. Die Organisation Committee to Protect Journalists hatte am Donnerstag erklärt, nach 52 Tagen Haft seien alle Anklagepunkte gegen Shibab-Eldin fallengelassen worden.

Eine der letzten Online-Posts von Shibab-Eldin vor seiner Festnahme hatte ein Video mit Ortungsdaten von einem US-Kampfjet gezeigt, der in der Nähe eines US-Stützpunktes in Kuwait abgestürzt war. Wegen der Veröffentlichung von Bildern von Angriffen im Zuge des Iran-Kriegs waren in der Golfregion hunderte Menschen festgenommen worden. (afp)

Hinrichtung eines angeblichen Spions in Iran

Im Iran ist ein Mann wegen angeblicher Spionage für den israelischen Geheimdienst Mossad und ‌Gewalt bei landesweiten Protesten hingerichtet worden. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Tasnim meldet, der Iraner Erfan Kiani sei am frühen Morgen gehängt worden, nachdem der Oberste Gerichtshof das Todesurteil bestätigt habe. Kiani wurde den Angaben zufolge vorgeworfen, als „angeheuerter Schläger des Mossad“ in der zentraliranischen Stadt Isfahan öffentliches ‌und privates Eigentum zerstört und in Brand gesetzt zu haben. Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit ⁠den landesweiten Protesten in diesem Jahr. In den vergangenen Wochen wurden im Iran immer wieder Menschen unter ähnlichen ‌Vorwürfen exekutiert. (rtr)

Pistorius: Bedarf an Luftabwehrsystemen steigt weltweit

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ‌hat vor einem massiv gestiegenen Bedarf an Luftabwehrsystemen infolge des Iran-Kriegs gewarnt. „Der Bedarf an Luftverteidigungssystemen ist durch den Iran-Krieg weltweit noch einmal weiter gestiegen“, sagte der SPD-Politiker der Rheinischen Post. Die Industrie benötige Jahre ‌für die Herstellung der weltweit begehrten Patriot-Systeme. Auch bei den Lenkflugkörpern stünden die Staaten Schlange, da die derzeitigen Produktionskapazitäten nicht ausreichten, um die globale Nachfrage schnell zu decken.

Die deutsche Industrie habe die Lage erkannt, erklärte der Minister weiter. Im Herbst beginne das Unternehmen MBDA, das auch den Taurus herstellt, ‌gemeinsam mit dem US-Konzern Raytheon die Produktion von Patriot-Lenkflugkörpern in Deutschland. Zudem fertige Diehl Defence die bodengestützten Iris-T-Systeme, ⁠die sich bei der Abwehr von Angriffen in der Ukraine sehr erfolgreich bewährt hätten. Mit Blick auf bestehende Lieferzusagen der US-Hersteller ‌an die ‌Bundesrepublik pochte Pistorius auf deren ⁠Einhaltung. Ausschließen lasse sich angesichts der extrem dynamischen Lage jedoch nichts, weshalb die Bundesregierung ‌mit den USA ‌fortlaufend im Gespräch sei, sagte der Minister weiter. (rtr)

USA friert Kryptowährungsguthaben in Verbindung zu Iran ein

Die USA haben wegen Verbindungen zum Iran Kryptowährungsguthaben in Höhe von 344 Millionen Dollar (294 Millionen Euro) eingefroren. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte dazu am Freitag im Onlinedienst X, sein Ministerium werde weiter „systematisch Teherans Fähigkeit verringern, Guthaben zu generieren, zu transferieren und zurückzuholen“. Es würden Sanktionen gegen „diverse Guthaben mit Verbindungen zum Iran“ verhängt, was zu einem Einfrieren dieser Gelder führe. (rtr)

Pistorius will deutsche Marineeinheiten ins Mittelmeer verlegen

Zur Vorbereitung eines möglichen Einsatzes in der Straße von Hormus hat Verteidigungsminister Boris Pistorius angekündigt, deutsche Marineeinheiten ins Mittelmeer zu verlegen. „Wir werden einen Minensucher ins Mittelmeer verlegen und ihm ein Führungs- und Versorgungsschiff zur Seite stellen“, sagte der SPD-Politiker der Rheinischen Post. Wann genau sie aufbrechen sollen, sagte er nicht.

Infolge des Iran-Kriegs ist die Straße von Hormus derzeit blockiert. Die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman ist eine wichtige Schifffahrtsroute für den Ölhandel – die Blockade belastet daher die Weltwirtschaft.

Pistorius betonte, Voraussetzung für einen Einsatz sei zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen im Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Zudem erinnerte er daran, dass ein solcher Einsatz nur mit einem Mandat des Bundestags möglich ist. „Um Zeit zu sparen, haben wir uns entschieden, einen Teil der deutschen Einheiten frühzeitig ins Mittelmeer zu verlegen, um dann – nach Mandatsbeschluss – keine weitere Zeit zu verlieren.“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte angeboten, dass Deutschland sich an einem internationalen Militäreinsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus beteiligen könnte. Vor gut einer Woche hieß es aus Regierungskreisen, dass die Bundeswehr Minenjagdboote, ein Begleitschiff und Luftaufklärung bereitstellen könnte.

„Unsere Marine ist richtig gut darin, Minen aufzuspüren und zu räumen“, sagte Pistorius. „Das könnten wir leisten, um in der Meerenge von Hormus zu einer freien und sicheren Schifffahrt und Navigation beizutragen.“ Damit man dort unterstützen könne, „werden wir das Engagement an anderer Stelle temporär sinnvoll und mit den Partnern abgestimmt reduzieren“.

Mit Blick auf die Rechtsgrundlage für einen solchen Einsatz nannte Pistorius es eine „angemessene und denkbare Option“, das EU-Mandat für die Marinemission „Aspides“ im Roten Meer zu erweitern. „Ein UN-Mandat wäre sicher besser, ist aber im Augenblick nicht wahrscheinlich.“

Unter Führung Frankreichs und Großbritanniens bereitet ein internationales Bündnis einen möglichen Marineeinsatz nach einem Ende der Kampfhandlungen vor. Derzeit laufen diplomatische Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts – für den Fall eines Scheiterns haben die USA und Israel weitere Angriffe auf den Iran angedroht.

Die Deutsche Marine verfügt über zehn Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse, die in Kiel stationiert sind. Die Boote sind mit Drohnen ausgerüstet, die auf verschiedene Arten Gegenstände wie Minen orten können. Anschließend können Minentaucher die Sprengkörper unschädlich machen. (dpa)

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