Schüsse bei Dinner des US-Präsidenten: Präsident Trump unverletzt
Ein Schütze durchbricht die Sicherheitsschleuse zum Correspondents' Dinner, Schüsse fallen. Wie er sich Zutritt verschaffte und wieso, ist bisher ungeklärt.
dpa/afp | Es hätte ein festlicher Abend in der US-Hauptstadt Washington werden sollen – und endete in einer Schießerei. Ein schwer bewaffneter Mann will sich Zutritt zum White House Correspondents' Dinner in Washington verschaffen, rennt durch die Sicherheitsschleuse – und wird gerade noch von Einsatzkräften gestoppt. Neben US-Präsident Donald Trump waren auch First Lady Melania und etliche Kabinettsmitglieder anwesend. Von den Gästen wird niemand verletzt, ein Sicherheitsbeamter wird angeschossen.
Der US-Präsident und seine Frau Melania wurden rasch von Sicherheitskräften abgeschirmt und aus dem Hilton-Hotel in Sicherheit gebracht. Auch Vize-Präsident JD Vance und alle anderen beteiligten Kabinettsmitglieder überstanden den Vorfall nach Trumps Angaben unversehrt. An Trumps Tisch hatte auch seine hochschwangere Pressesprecherin Karoline Leavitt gesessen, die sich am Freitag in den Mutterschutz verabschiedet hatte.
Was über die Tat bekannt ist
Nach bisherigen Erkenntnissen stürmte der Angreifer gegen halb neun am Abend durch eine Zugangsschleuse des Secret Service und lieferte sich einen Schusswechsel mit Sicherheitsbeamten. Trump postete ein Video in den sozialen Medien, das den mutmaßlichen Täter zeigt, wie er im Vollsprint an den Beamten vorbeirennt, ehe diese das Feuer eröffnen.
Bewaffnet war der Mann mit Schrotflinte, Handfeuerwaffe und mehreren Messern. Ein Beamter des Secret Service wurde Trump zufolge von mindestens einer Kugel getroffen und durch seine Schutzweste gerettet. „Ich habe gerade mit dem Beamten gesprochen, und es geht ihm gut“, sagte Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus.
In der Pressekonferenz kurz nach dem Vorfall sagte Trump, der Schütze habe „mehrere Waffen“ bei sich gehabt und sei ein „Möchtegern-Mörder“. Der US-Präsident fügte hinzu, nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden und seiner Ansicht nach sei der Schütze ein „einsamer Wolf“, also ein Einzeltäter.
Der Hintergrund der Tat war zunächst unbekannt. Trump sagte, der Vorfall werde ihn nicht davon abhalten, „den Krieg im Iran zu gewinnen“. „Ich weiße nicht, ob das irgendetwas damit zu tun hatte, ich denke wirklich, dass es nicht so ist, auf Grundlage dessen was wir wissen“, fügte der Präsident hinzu. Wenige Minuten zuvor hatte er allerdings gesagt, man könne „nie wissen“, ob die Tat nicht mit dem Krieg der USA gegen Iran zusammenhänge.
Angreifer festgenommen
Der Angreifer wurde festgenommen, ohne von Kugeln getroffen worden zu sein. Auf einem Foto war zu sehen, wie bewaffnete Einsatzkräfte eine am Boden liegende Person umringen. Trump zufolge kommt der Mann aus Kalifornien. „Und er ist ein kranker Mensch, ein sehr kranker Mensch.“ Mehreren Medienberichten zufolge ist der mutmaßliche Täter 31 Jahre alt. Offizielle Angaben zur Identität des Täters gab es zunächst nicht.
Sowohl Trump als auch die Sicherheitsbehörden gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Das Motiv der Tat bleibt indes völlig unklar. Danach gefragt, ob er einen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg sehe, sagte Trump: „Ich glaube es nicht. Aber man kann es nie wissen.“
Der Angreifer, der zur Untersuchung ins Krankenhaus kam, wurde inzwischen verhört. Am Montag soll er einem Richter vorgeführt werden.
„Wir müssen unsere Differenzen beilegen“
Unter dem Eindruck des Geschehens war Trump sichtlich gezeichnet vor die Presse getreten. „Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen“, sagte er. „Wir müssen… wir müssen unsere Differenzen beilegen.“
Das traditionsreiche White House Correspondents' Dinner hatte gerade erst begonnen, die Gäste waren bei ihrer Vorspeise, als auf einmal Tumult ausbrach im Saal. „Runter, runter“, tönte es durch den Raum. Minutenlang verharrten die Gäste auf dem Boden, duckten sich unter die Tische – einige sichtlich unter Schock.
Als sie sich wieder aufrichteten, war der Ehrentisch, an dem kurz zuvor unter anderem Donald und Melania Trump, Vizepräsident JD Vance und Regierungssprecherin Karoline Leavitt Platz genommen hatten, bereits leer. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte standen im Raum, in dem zunächst von einem nicht näher definierten Schusswaffenvorfall die Rede war. Reporter, die nah an den Saaltüren platziert waren, berichteten von mehreren lauten Geräuschen.
Trump und Veranstalter fordern Neuauflage der Gala
Mehrmals wird angekündigt, dass das Gala-Programm gleich weitergehen soll, auch Trump fordert dies in einem Post direkt nach dem Angriff. Doch dazu kommt es nicht. Stattdessen verkündet die Vorsitzende der Journalisten-Vereinigung, Weijia Jiang, dass Trump in 30 Minuten im Weißen Haus eine Pressekonferenz geben werde. „Das ist kein Scherz“, sagt sie unter ausbrechendem Gelächter. Wenig später kommen dann Trump und mehrere Kabinettsmitglieder mit vielen der anwesenden Journalisten im Briefing-Raum des Weißen Hauses zusammen – alle noch in Abendgarderobe.
Laut Angaben der Sicherheitsbehörden war der Täter Gast im Hilton Hotel, in dem das Dinner stattfand. Um ins Hotel zu kommen, mussten Gäste noch keine Sicherheitsschleuse passieren. Erst wenn sie in den Ballsaal wollten, wo das Dinner stattfand, wurden ihre Taschen gecheckt und alle durch eine Schleuse geführt.
Nicht der erste Vorfall im Hilton-Hotel
Der Vorfall im Hilton Hotel weckt düstere Erinnerungen an einen blutigen Vorfall vor 45 Jahren. Seinerzeit wurde dort ein Attentat auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan verübt, das er schwer verletzt überlebte.
Trump selbst war im Juli 2024 während des Wahlkampfes für seine zweite Amtszeit knapp einem Attentat entgangen, als ihn im Bundesstaat Pennsylvania ein 20 Jahre alter Schütze äußerst knapp verfehlte. Die Kugel verletzte Trump damals nur leicht am Ohr. Ein Zuschauer starb, der Schütze wurde vom Secret Service erschossen.
Mitte September 2024 ereignete sich ein weiterer Zwischenfall, als sich am Rand von Trumps Golfplatz ein Mann mit einem Gewehr im Gebüsch versteckte. Der 58-Jährige wurde festgenommen und später wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Nach eigenen Angaben will Trump sein Dinner in einem Monat nachholen. Die Organisatoren hatten zunächst ihre Absicht erklärt, die Veranstaltung fortzusetzen, dann jedoch über ihre Verschiebung informiert.
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