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Versuchter Amoklauf in den USASchüsse beim Korrespondenten-Dinner

Bei einem Dinner mit US-Präsident und Pressevertretern dringt ein Bewaffneter in das Hotel ein. Trump nutzt den Vorfall umgehend für Propaganda.

Aufgehalten: Sicherheitsbeamte beim Medien-Dinner in Washington Foto: Tom Brenner/ap/dpa

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Gäste, die unter Tischen Schutz suchten und Politiker:innen, die von ihren Leib­wäch­te­r:in­nen Hals über Kopf in Sicherheit gebracht wurden. Es waren Szenen des Chaos, die sich am Samstagabend in einem Hotel in der US-Hauptstadt Washington abspielten. Mittendrin war auch US-Präsident Donald Trump.

Dieser sollte bei der alljährlichen Dinner-Veranstaltung der White House Correspondents’ Association (WHCA) eine Rede geben. Es war Trumps erster Besuch der Veranstaltung als amtierender Präsident und sein erster überhaupt seit 2011. Doch nur kurze Zeit nach Ankunft von Trump und First Lady Melania Trump sorgte ein Vorfall für ein jähes Ende des Abends.

Wenn man etwas bewirkt hat, dann haben sie es auf einen abgesehen. Wenn man nichts bewirkt hat, dann lassen sie einen in Ruhe

Trump nach dem Attentatsversuch

Doch der Reihe nach. Die Gala-Veranstaltung der Korrespondenten-Vereinigung ist der krönende Abschluss einer Woche, in der sich Washingtons Politiker:innen, Me­di­en­ver­tre­te­r:in­nen und Lob­by­is­t:in­nen selbst feiern. Es gibt unzählige Veranstaltungen auf denen getanzt, getrunken und genetworkt wird.

Den Gästen des diesjährigen Korrespondenten-Dinners wurde gerade eine Vorspeise serviert, als mehrere laute Knallgeräusche zu hören waren. Diese waren auch den Videoaufnahmen der Veranstaltung zu entnehmen. Sekunden später riefen Mitglieder des amerikanischen Secret Service: „Shots fired, heads down“. Den Gästen sollten sich ducken. Trump, First Lady Melania und Vizepräsident J. D. Vance sowie andere Vertreter der US-Regierung wurden gleichzeitig in Sicherheit gebracht.

Kein Mord in der Lobby

„Wenn man etwas bewirkt hat, dann haben sie es auf einen abgesehen. Wenn man nichts bewirkt hat, dann lassen sie einen in Ruhe“, sagte Trump zwei Stunden später im Weißen Haus. Trump, wie auch alle anderen Besucher der Veranstaltung, blieben unverletzt. Obwohl der Saal des Washington Hilton Hotels mit unzähligen hochkarätigen Jour­na­lis­t:in­nen besetzt war, blieb die Nachrichtenlage zunächst unübersichtlich.

Die Presse war schon vor Ort: Das White House Correspondents Dinner Im Ballsaal Foto: Alex Brandon/ap/dpa

Der mutmaßliche Amokläufer, der von mehreren US-Medien als 31-jähriger Cole Tomas Allen identifiziert wurde, stürmte die Hotel-Lobby um kurz nach 20:30 Uhr Ortszeit. Bewaffnet war er mit mehreren Schusswaffen sowie Messern. Sicherheitskräfte zogen daraufhin ihre Dienstwaffen und ein Schusswechsel folgte.

„Ein Beamter wurde angeschossen, überlebt aber – offensichtlich dank der sehr guten schusssicheren Weste, die er trug. Er wurde aus nächster Nähe mit einer sehr leistungsstarken Waffe angeschossen, und die Weste erfüllte ihren Zweck. Ich habe gerade mit dem Beamten gesprochen, und es geht ihm hervorragend“, sagte Trump später.

Der US-Präsident teilte auf der Social-Media-Plattform Truth Social auch ein Foto des angeblichen Schützen. Darauf zu sehen ist ein Mann, der gefesselt mit dem Bauch auf dem Boden liegt.

Trump spricht von Einigkeit

„Heute Abend versuchte ein Feigling, eine nationale Tragödie herbeizuführen. Er unterschätzte jedoch die Fähigkeiten des US-Secret Service und wurde beim ersten Kontakt gestoppt“, sagte der stellvertretende Secret Service Direktor Matthew Quinn in einer Erklärung.

Über das Motiv des Schützen war bis Redaktionsschluss noch nichts bekannt. Sowohl die Bundesbehörden als auch die lokale Polizeibehörde in Washington gehen davon aus, dass es sich bei dem angeblichen Schützen, Cole Tomas Allen, um einen Einzeltäter gehandelt habe. Er soll ein Gast des Hotels gewesen sein. Allen soll aus Kalifornien stammen und einen Ingenieursabschluss von der renommierten California Institute of Technology, auch bekannt als Caltech, besitzen.

Zuletzt soll er als Lehrer und Videospiel-Entwickler tätig gewesen sein. Ob er vorbestraft ist, war zuletzt ungewiss. Laut der Bundesstaatsanwältin der US-Hauptstadt, Jeanine Pierro, wird sich der Verdächtige zu zwei Anklagepunkten verantworten müssen, darunter wegen Angriffs auf einen Polizeibeamten mit einer tödlichen Waffe. Am Montag soll er zur Anklageverlesung vor Gericht erscheinen. „Er ist ein kranker Mensch – ein sehr kranker Mensch“, sagte Trump über den Schützen.

Sollte sich herausstellen, dass der US-Präsident das Ziel des versuchten Anschlags gewesen sei, dann wäre dies bereits der dritte Attentatsversuch gegen Trump. Vor etwas weniger als zwei Jahren entkam er nur knapp mit dem Leben, als die Kugel eines Attentäters ihm während einer Wahlkampfveranstaltung knapp seinen Kopf verfehlte und sein Ohr touchierte.

Angriff kam Trumps Angriff zuvor

„Dies war eine Veranstaltung, die der Meinungsfreiheit gewidmet war und Mitglieder beider Parteien mit Vertretern der Presse zusammenbringen sollte – und in gewisser Weise ist ihr das auch gelungen, denn sie haben sich schlichtweg zusammengeschlossen. Ich sah einen Raum, der vollkommen geeint war“, behauptete Trump.

Nicht jeder teilt diese Meinung. Dutzende Journalisten und Medienvertreter hatten die Einladung zum diesjährigen Korrespondenten-Dinner ausgeschlagen, da sie Trumps anhaltende Attacken gegen Journalisten und die Pressefreiheit nicht verharmlosen wollten.

Laut Medienberichten hatte Trump geplant, die versammelte Medienprominenz während der Veranstaltung anzugreifen. Besonders im Visier hatte er die Medien, die negativ über seine Regierung und seinen Krieg mit dem Iran zu berichten. Trump selbst bezeichnete seine geplante Rede als die „unangemessenste Rede“, die er jemals gehalten hätte.

Die Veranstaltung soll laut Trump innerhalb der nächsten 30 Tage neu angesetzt werden. Er habe jedoch vor, beim nächsten Mal „sehr nett“ und „sehr langweilig“ zu sein.

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