Bergbaureformen in der DR Kongo: Eine neue Miliz für ein „sicheres Umfeld“ in Kongos Bergbau
Die DR Kongo gründet eine „Minengarde“, um Kongos Armee aus dem Bergbau zu entfernen. Finanziert wird das von den USA und den Arabischen Emiraten.
Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo stellt eine paramilitärische Bergbaumiliz auf. Wie die staatliche Bergbauinspektion IGM (Inspection Générale des Mines) in Kinshasa am Montag mitteilte, soll eine 20.000 Mann starke „Minengarde“ (Garde Minière) zukünftig „die Gesamtheit der Lieferkette der Mineralien in der DR Kongo sichern“. Laut der IGM-Erklärung, die der taz vorliegt, wird das mit 100 Millionen US-Dollar „im Rahmen der strategischen Partnerschaften mit den Vereinigten Staaten und den Vereinigten Arabischen Emiraten“ finanziert.
Die Regierung von Kongos Präsident Félix Tshisekedi hatte im Dezember 2025 mit der US-Regierung von Donald Trump eine „strategische Partnerschaft“ geschlossen, die US-Investoren das Erstzugriffsrecht auf sämtliche „strategischen“ Bergbauvorkommen des Landes sichert. Mit den Emiraten (VAE) unterzeichnete Tshisekedi im Februar 2026 bei seinem Besuch in Abu Dhabi ein Partnerschaftsabkommen, in dem sich die VAE zu Investitionen von 10 Milliarden US-Dollar in der DR Kongo bis zum Jahr 2030 verpflichten.
Unter anderem soll Dubais Hafenbetreiber DP World den kongolesischen Atlantikhafen Banana bei Moanda an der Kongoflussmündung ausbauen. Kongos Regierung möchte Mineralien direkt per Schiff auf andere Kontinente liefern können. Derzeit geht das nur auf dem Landweg über Nachbarländer wie Sambia oder Ruanda, von denen aus es weiter zu den Häfen in Südafrika, Tansania oder Kenia geht; außerdem fördern die USA und die EU den Wiederaufbau einer Eisenbahnlinie aus Katanga an Angolas Atlantikküste. Direkt als Luftfracht werden Gold und Diamanten ausgeführt – ab 2027 soll nun die emiratische Fluglinie „Air Etihad“ Kongo direkt anfliegen, insbesondere für den Transport „hochwertiger Güter“.
VAE-Firmen steigen außerdem massiv in Kongos Bergbau ein. Vergangenes Jahr erwarb Abu Dhabis Bergbauholding IRH (International Resources Holding) einen Mehrheitsanteil an der Firma Alphamin, Betreiber von Kongos größter Zinnmine Bisie, die im Regierungsteil der Bürgerkriegsprovinz Nord-Kivu im Osten des Landes liegt, sowie Anteile an Kupferminen in Katanga.
Die Emirate unterstützen auch Sudans RSF-Miliz
Der wachsende Einfluss der Emirate in Afrika wird kritisch gesehen. Die VAE sind der wichtigste Waffenlieferant der paramilitärischen Miliz RSF (Rapid Support Forces) in Sudan, die dort schwerste Verbrechen verübt hat. Über Dubai verläuft traditionell Goldschmuggel aus Ländern wie Sudan und die DR Kongo.
Nach bisheriger Gesetzeslage ist in Kongos Bergbaugebieten eigentlich die „Minenpolizei“ (Police Minière) für die „öffentliche Ordnung“ und den „Schutz von Bergbauressourcen“ zuständig und genießt weitreichende Befugnisse – faktisch kontrolliert sie jeden Zugang in Bergwerke. Die 2023 geschaffene Bergbauinspektion IGM übernimmt die Strafverfolgung, wenn die Polizei illegalen Abbau oder Handel, Korruption und sonstige Regelbrüche feststellt.
Mit der Minengarde bekommt die IGM nun eine eigene Miliz. Sie soll nicht nur alle Bergwerke „sichern“, sondern auch alle Transportwege von Mineralien für Verarbeitung und Export. Zu ihrer Mission gehört auch, die bisher in Bergbaugebieten stationierten Militäreinheiten „schrittweise zu ersetzen“ und damit „ein vertrauenswürdiges und stabiles Sicherheitsumfeld“ zu schaffen. Kongos Armee und Präsidialgarde sind in vielen Bergbaugebieten rechtswidrig stationiert und manche Offiziere betreiben profitable illegale Geschäfte.
Die Garde steht somit in Konkurrenz zu Polizei und Militär und ihre Gründung ist eine Kampfansage an Kongos Generäle, von denen viele ohnehin wegen des glücklosen Krieges gegen die von Ruanda unterstützten M23-Rebellen im Osten des Landes unter Generalverdacht stehen. Laut IGM wird die neue Minengarde vom persönlichen Militärstab des Staatspräsidenten aufgestellt und mit „der neuesten Ausrüstung“ ausgestattet.
Bis Ende dieses Jahres sollen zunächst 2.500 bis 3.000 Gardisten zum Einsatz kommen. 2027 soll die Minengarde ihre Aktivitäten auf die gesamten Regionen Katanga und Orientale ausdehnen. In Katangas Kupfer- und Kobaltminen konzentriert sich Kongos industrieller Bergbau, Orientale beherbergt die größten Goldvorkommen. Bis Ende 2028 – turnusmäßig der nächste Wahltermin in der DR Kongo – sollen alle Bergbaugebiete abgedeckt sein.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert