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Verteidigung des Revolutionären 1. MaiDer Klassenkampf braucht Gegenwehr

Timm Kühn

Essay von

Timm Kühn

Die CDU attackiert alle Erfolge von 150 Jahren Ar­bei­te­r:in­nen­be­we­gung – und doch sind viele Mai-Demos öde. Einzige Hoffnung: die Linksradikalen.

Rotes Tuch für die Polizei: 1.-Mai-Demonstration in Berlin-Kreuzberg, 2024 Foto: Piotr Pietrus

W er in diesen Tagen Nachrichten liest, kommt um eine Erkenntnis nicht herum: Der Klassenkampf, den einige noch vor nicht allzu langer Zeit für tot erklärt hatten, ist zurück. Nur wird er aktuell vor allem aus einer Richtung geführt: von oben. Kaum eine Woche vergeht, in welcher der in der CDU inzwischen den Ton angebende Wirtschaftsflügel nicht eine weitere Errungenschaft der Ar­bei­te­r:in­nen­be­we­gung angreift.

Eine kleine, unvollständige Übersicht: Erst im Januar forderte der einstige Blackrock-Funktionär Friedrich Merz die Abschaffung des 8-Stunden-Tages zugunsten einer 48-Stunden-Woche. In der CDU wird über „Lifestyle-Teilzeit“ polemisiert und gefordert, dass der erste Krankheitstag unbezahlt bleiben sollte. Der Wirtschaftsrat der CDU fordert, dass Zahnarztbesuche selbst gezahlt werden sollten. Arbeitslose sollen mit immer härteren Sanktionen belangt werden, die gesetzliche Rente soll nur noch „Basisabsicherung“ sein – und das Streikrecht würden Teile der Union ebenfalls gerne größtmöglich einschränken.

Auf die Spitze getrieben hat es die CDU dann während des Koalitionstreffens mit der SPD Mitte April. Der 1. Mai sollte doch als Feiertag abgeschafft werden, sollen Unionsabgeordnete während der Verhandlungen gefordert haben. Natürlich um die Wirtschaft anzukurbeln. Denn jeder Tag, wo die Menschen nicht faul auf der Haut liegen – oder, Gott bewahre, für ihre Rechte demonstrieren –, ist schließlich einer, wo die Leute schaffen gehen.

Um das Ausmaß des Affronts zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, wo der 1. Mai herkommt. Seinen Ursprung hat der „Kampftag der Arbeiterklasse“ in den USA. Ende des 19. Jahrhunderts herrschte in Chicago der 12-Stunden-Tag. Dagegen traten am 1. Mai 1886 Tausende Ar­bei­te­r:in­nen in den Streik und forderten genau das, was Merz nun weghaben will: den 8-Stunden-Tag. Die Auseinandersetzungen gipfelten in blutigen Auseinandersetzungen, bei der die Polizei in die Menge schoss. Hunderte wurden verletzt, Dutzende getötet. In der Folge des „Haymarket Riot“ rief die Zweite Internationale den 1. Mai zum Kampftag aus.

Aufgekündigter Klassenkompromiss

Wo aber ist der Aufstand darüber, dass heute wieder alle Erfolge auf dem Bock stehen, für die Ar­bei­te­r:in­nen 150 Jahre gekämpft und ihr Leben gelassen haben? Wie kann es eigentlich sein, dass die historischen Massenorganisationen der Ar­bei­te­r:in­nen­be­we­gung – die SPD und der DGB – diesen Angriffen nur handzahme Protestnoten entgegensetzen? Warum werden sich auch in diesem Jahr viele der großen Gewerkschaftsdemos am 1. Mai so ermüdend und sinnentleert anfühlen, wie es die Staatsparaden in der DDR gewesen sein müssen?

In Berlin ist die Revolutionäre 18-Uhr-Demo der einzige Protest im Jahr, der das vage, aber mächtige Gefühl kanalisieren kann, der Gesamtscheiße den Kampf anzusagen

Die Situation ist paradox. Einerseits arbeiten das Kapital und die ihm nahestehenden Parteien CDU und FDP seit Jahrzehnten offen daran, den Klassenkompromiss aufzukündigen, der den Kapitalismus in Westdeutschland und im Kern auch in den anderen Staaten des Globalen Nordens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geprägt hat – und andererseits gibt es niemanden, die Linkspartei vielleicht ausgenommen, der den Kampf aufzunehmen bereit ist.

Wer das verstehen will, muss sich das Staatsmodell vergegenwärtigen, dem SPD und DGB-Gewerkschaften immer noch anhängen. Hier glaubt man weiterhin daran, dass ein Interessensausgleich zwischen Arbeit und Kapital unter dem gemeinsamen Dach der Nation möglich ist. Dieses Modell, so denkt man sich, hat doch schließlich die soziale Marktwirtschaft stark gemacht, weshalb man nur zur Kombination aus sozialer Absicherung und kapitalistischer Eigentumsordnung zurückmüsste, die irgendwann auf dem Weg verloren gegangen sei.

Doch die Analyse verkennt, dass der Klassenkompromiss nicht verloren gegangen ist – er wurde aufgekündigt. Seit den 1970er Jahren wurde er dem Kapital im Westen zu lästig. In Deutschland führte dieser Prozess über Privatisierung und Deregulierung, die kapitalistische Aneignung der ostdeutschen Industrie bis zur Hartz-IV-Reform unter Schröder. Im weltweiten Trend ging er mit Globalisierung, Tarifflucht und der Demontage des Sozialstaats einher. Heute glauben die marktradikalen Teile der Union, die Umwälzung zu Ende führen zu können.

Das Elend der SPD und der Gewerkschaften

Das beschreibt das Elend der SPD und der ihr nahestehenden DGB-Gewerkschaften: Sie hängen einem Kapitalismusmodell nach, das es nicht mehr gibt, das sie aber nicht loslassen können. Also hecheln sie von einer Regierung und Tarifrunde in die nächste, loben immerfort die Kraft des Kompromisses, glauben „das Schlimmste zu verhindern“, ohne seither ein einziges Mal in der Offensive gewesen zu sein. An Traurigkeit ist das nur noch durch das BSW zu überbieten, wo man sich völlig auf eine Politik der Nostalgie beschränkt, die dem Klassenkompromiss nachtrauert.

Viele DGB-Demos sind im Kern vor allem eines: ein Appell für die Vergangenheit. Was hier inszeniert wird, ist ein geordneter Protest, bei dem fein säuberlich auf staatstragende Inhalte geachtet wird; eine symbolische Kraftbekundung, die niemand mehr hört, weil alle wissen, dass kein antagonistischer Kampfwille dahintersteht. Dass die Gegenseite das verstanden hat, lässt sich an der geringen Anzahl von Polizeiwannen abzählen, die die Gewerkschaftsdemos begleiten.

Wer dagegen ein ansatzweise angemessenes Maß an Reibung sucht, muss in den großen Städten die linksradikalen Demos besuchen. Auch hier drohen die Proteste vielerorts zwar, in Folklorisierung zu verenden. Seit die Autonomen in Berlin in den späten 1980er Jahren begonnen haben, die verkrusteten Verhältnisse mit brennenden Barrikaden und spektakulären Straßenschlachten aufzurütteln, kommt man auch hier nicht über das Schwelgen in Erinnerung an die Ereignisse hinaus.

Zu Straßenschlachten kommt es zwar kaum noch. Zu sehr aufgerüstet ist die Polizei inzwischen, zu viel Wissen hat sie über Riotbekämpfung gesammelt, zu sehr ist das Strafmaß verschärft worden. Der Versuch, die Erinnerung lebendig zu halten, mündet dann in einer performativen Zurschaustellung militanter Ästhetik: Etwas Pyro, Vermummung und Verbalradikalismus sollen einen „Vibe“ von Revolution vermitteln, bei dem ebenfalls alle wissen, dass kaum etwas dahintersteht. Dass die Berliner Polizei die dortige 18-Uhr-Demo im vergangenen Jahr quasi unbegleitet laufen ließ, ist Ausdruck hiervon.

Zusammenhalten: 1.-Mai-Demonstration in Berlin-Kreuzberg, 2024 Foto: Piotr Pietrus

Gesamtscheiße als Analysekategorie

Und doch sind es diese Proteste, die noch nicht tot sind. Auf der Hamburger „Wer hat, der gibt“-Demo wird die Klassengesellschaft wenigstens noch angesprochen. Und die revolutionäre 18-Uhr-Demo in Berlin bleibt ein Sehnsuchtsort, der weiterhin – trotz der seit Jahren ausbleibenden Krawalle – Zehntausende anzieht. Das hat einen Grund: Es handelt sich um die einzige Demonstration im Jahr, die einen Frust zu kanalisieren versteht, der insbesondere bei Jugendlichen noch nach einem Ausdruck sucht: Es ist ein vages, aber mächtiges Gefühl, keine Lust zu haben auf tausend Einzelkämpfe – sondern einmal der „Gesamtscheiße“ den Kampf anzusagen, wie Linksradikale so schön sagen.

Wer den linksradikalen Demos deshalb thematische Beliebigkeit vorwirft, irrt. Wer sich auf den entsprechenden Internetseiten durch die Inhalte klickt, wird zwar zunächst einmal erschlagen, denn es geht um den Kampf gegen die Wehrpflicht und Repression gegen Palästinasolidarität, gegen die Sozialkürzungen und das Patriarchat, gegen lokale Probleme wie die Umzäunung des Görlitzer Parks in Berlin, gegen die Festung Europa und den Faschismus der AfD. Diese Einzelteile fügen sich aber zu einem Gefühl zusammen, das der antiautoritäre Block wie folgt auf den Punkt bringt: „Alles Würg! […] Deshalb soll die ganze Scheiße zerfallen.“

Und es stimmt – all diese Sachen gehören zusammen: Der Sozialstaat wird zusammengekürzt, weil diese Regierung Kanonen statt Butter haben will. Als Ersatz setzen rechte Parteien zunehmend nicht mehr auf einen Kompromiss, der auf einem materiellen Ausgleich basiert, sondern vor allem auf die Propaganda der Nation, auf Abschottung, auf Rassismus und Frauen*hass. Dem in Gänze zu widersprechen, ist richtig. Die politische Linke jenseits der subkulturellen Milieus täte gut daran, das endlich zu verstehen – und entsprechend Politik zu machen.

Auf der anderen Seite fehlt auch den Linksradikalen etwas Entscheidendes: Organisationen nämlich, die über das eigene Milieu hinauswirken und als Drohkulisse nicht nur Demos, Protestnoten und Krawall haben – sondern die kollektive Niederlegung der Arbeit, die alles am Laufen hält. Ein Lichtblick war die Berliner Gewerkschaftsdemo zum Frau­en*­kampf­tag am 8. März, wo dieser Schulterschluss gelang. Hier wurde mit dem Aufruf eines feministischen Streiks zumindest im Ansatz eine kämpferische Ar­bei­te­r:in­nen­be­we­gung greifbar. Und die bräuchte es heute ebenso dringend wie in Chicago im Jahr 1886.

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Timm Kühn
Redakteur
Timm Kühn ist Redakteur für soziale Bewegungen im Inland und in Berlin. Für die taz schreibt er seit 2021 über Klima, Kapitalismus und kleine Risse im großen Ganzen. Hat auch mal Politische Theorie studiert.
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16 Kommentare

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  • Der bürgerlich konservative bis rechtsorientierte Anteil der Bevölkerung und die entsprechenden Parteien und Organisationen neigen eher dazu, Autoritäten anzuerkennen und sich denen unterzuordnen. „Die da oben sind stärker und machen sowieso was sie wollen…“ Das hat oft zur Folge, dass dieser Teil lieber zu den vermeindlichen Gewinnern gehören möchte und eher nach „unten“ tritt.

    Anders Linksliberale, Linke und Linksradikale, die eher bereit sind Autoritäten infrage zu stellen oder ganz abzulehnen. Das machen sie auch gerne untereinander, wobei durch den Hang zur Rechthaberei und unterschiedlicher definition des "richtigen Weges", die vielbesungene Solidarität dann meist den Bach runtergeht.

    Kapitalisten und ihre Anhänger kann das nur freuen – Teile und herrsche….

    Wir befinden uns aktuell nicht in einer revolutionären Situation. Da wäre es schon ein Fortschritt, wenn alle die irgendwie für linke Ziele, für Frieden und Gerechtigkeit eintreten, sich wenigstens zum 1. Mai auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen könnten.

    Diesen Tag nutzen um trotz aller Unterschiede GEMEINSAM Stärke zu demonstrieren ... das wäre schon mal ein guter Anfang

  • Der 1 Mai wurde von der nationalsozialistischen deutschen Arbeiter Partei, den OG Nazis als Feiertag eingeführt. Wir sollten aus Prinzip keine Nazi Feiertage behalten

  • Viele wahre Beobachtungen in Bezug auf CDU, SPD und die Gewerkschaften.

    "Der Sozialstaat wird zusammengekürzt, weil diese Regierung Kanonen statt Butter haben will. "

    Genau, denn in zwei Jahren ist das Sondervermögen der Bundeswehr erschöpft. Danach werden Unsummen für die Bundeswehr gebraucht, die im Haushalt nicht gedeckt sind. Nach der Reform dann die nächste, Rieseneinschnitte deshalb im Sozialen und der Kultur, damit das Geld für die Bundeswehr zusammenkommt.



    Die Linke bei den Grünen müsste deshalb gegen zig geplante Rüstungsprojekte aufbegehren. Stattdessen sonnt sich Ricarda Lang im Licht des Boulevards, thematisiert nicht, dass VW-Osnabrück zum Rüstungsbetrieb umgebaut werden soll, während 50.000 Jobs bei VW gestrichen werden, was den Einfluss der IG-Metall stark mindert.



    Klingbeil biedert sich mit seiner Rede bei Bertelsmann bei der CDU-Reform-Politik an, anstatt eine Brandrede bei VW zu halten, weil 50.000 Jobs verloren gehen.

    IG-Metall, Verdi und SPD müssen sich vollkommen neu erfinden, z. B. mit Blick auf die Gewerkschaftsbewegung in Frankreich, wo es noch eine historisch verankerte starke Protestkultur gibt, die nicht wie wirkungslose Staffage wirkt.

  • Ich frage mich bei solchen Texten, ob der Autor das ernst meint. Der Sozialetat wächst seit 1970 massiv, aber hier muss ich von Plünderung lesen. Und das starre Arbeitszeitmodell behindert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das sehen auch die Gewerkschaften so. Zumindest auf den Tagungen, auf denen ich war, wird da Handlungsbedarf für die Arbeitnehmer gesehen.

  • Also dafür, dass der Text sich zumindest die Zeit nimmt in eine Richtung einen Exkurs zur Geschichte zu machen, fehlt mir entschieden mal zu thematisieren, warum der 1.Mai in Deutschland ein Feiertag ist… Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften gabs das als kleinen Bonbon von den Nazis um die Arbeiter:innenschaft halbwegs zu befrieden. Einschließlich kleiner Volksfestchen. Ich bin durchaus auch dafür, den 1.Mai als Feiertag abzuschaffen und statt Bratwurst und Folklorespaziergang eher sowas wie den politischen Streik in D. auf die Agenda zu setzen. Den 1. Mai als Feiertag zu verteidigen ist nichts weiter als die Befriedungsstrategie zwischen Kapital und Arbeit fortzusetzen. Wenn man schon revolutions-romantisch sein will, dann doch bitte mit größeren Würfen als Verteidigung von Feiertagen und Autonomen-Folklore.

  • schwach ist die Analyse dort, wo sie versucht, komplexe globale Krisen und soziale Fragen unter dem diffusen Banner der Gesamtscheiße zusammenzufassen. Anstatt kausale Zusammenhänge zwischen Sozialkürzungen, Außenpolitik und gesellschaftlichem Wandel aufzuzeigen, wird hier lediglich ein vages Frustrationsgefühl bedient. Wer den DGB und die SPD als handzahm diskreditiert, ignoriert zudem die realen tariflichen Erfolge der letzten zwei Jahre, die unter schwierigen Bedingungen erkämpft wurden.

    Am Ende liefert der Artikel keine politische Alternative, sondern flüchtet sich in eine Romantisierung von Straßenschlachten und linksradikaler Folklore. Eine sachliche Auseinandersetzung mit den drängenden Fragen der Arbeitswelt 2026 sieht anders aus. Der Text ist eher eine emotionale Mobilisierung für die 18-Uhr-Demo als eine fundierte Kritik am aktuellen Kurs der Großen Koalition.

  • Die „Agenda 2026“ wird leider nicht gegen handzahme Gegenwehr der SPD und Teilen der Grünen, sondern mit deren aktiver Hilfe geführt.



    Die SPD unter Schröder hat dereinst schon die Axt an die Wurzel des Sozialstaates gelegt und das einst wohlhabende, auf Ausglich bedachte Land in den größten Niedriglohnsektor Europa‘s verwandelt.



    Agenda 2010 und Hartz4 waren aber leider erst der Beginn, die eigentliche Abschaffung einer umlagefinanzierten auskömmlichen Rente, Krankenversicherung und Lohnfortzahlung für alle, Schleifung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe, uvam wird mit Hilfe von Schröder‘s Ziehsohn gerade umgesetzt.



    Die SPD wird diesemal nicht überleben, sie hat sich ohne Not personell gegen Linke wie Esgen, Borjahns, Kühnert und Nahles entscieden und verfolgt unter Klingbeil konsequent den Seeheimer Weg der Selbstzerstörung.



    Leider lassen die Wahlerfolge der einzigen Partei, die sich für Arbeitnehmerrechte einsetzt, auf sich warten.

    Aber Dinge können und werden sich ändern, Polen und Ungarn zeigen es.

  • Hach, mal so wieder richtiges Revolutionsgesülze, da verdrückt sich mancher alte deutsche Kaderkommunist bestimmt eine Träne im aktuellen Angesicht und träumt noch mal so richtig von den schon damals rein theoretischen Klassenkämpfen. Aber der Nachwuchs braucht ja auch seine Visionen für die eigene berufliche Vita.

  • Kanonen statt Butter...



    Ja, der Staat kann jeden Euro, den er uns abgenommen hat, nur einmal wieder ausgeben. Der Verlust von Pazifismus und Staatsdiplomatie, den wir derzeit erleben, kommt uns teuer zu stehen. Wer Parteien wählt, die für diese Entwicklung stehen, muss damit rechnen, dass genau diese Leute von einem fordern, mehr und länger zu arbeiten, weil ihnen einfach das Geld ausgeht.

    • @wollewatz:

      Die einen arbeiten halt lieber für Kanonen als noch mehr für Putin zu arbeiten. Denn die DDR wurde ja schön geplündert von der Sowjetunion.

  • Es gibt auch noch eine Welt außerhalb Berlins und anderer großstädtischer Brennpunktviertel, dort stösst die teilweise ja auch sinnbefreite Randale mittlerweild auch unter Linken auf Befremden.



    Was hat es in den letzten Jahrzehnten bewirkt wenn es in Kreuzberg zum 1.Mai brennt?



    Das Engagement muss in Betrieben, Verwaltungen, Vereinen, Verbänden, dem persönlichen Umfeld, Schulen, Unis und der Kommunalpolitik erfolgen. Auf dem Land werden auch manchmal Mülltonnen angezündet und Parolen gesprüht, die Konsequenzen tragen freiwillige Feuerwehr und Gemeindearbeiter die aufräumen müssen.

  • "Der Sozialstaat wird zusammengekürzt, weil diese Regierung Kanonen statt Butter haben will."



    Ich greif das mal als besonders griffig raus...



    Eine sehr steile These, die komplett ohne Belege hart an der Grenze der Verleumdung steht. Oder glaubt jemand ernsthaft, Merz würde Vorbereitungen für einen Angriffskrieg treffen? Bei aller Ablehnung, die ich für ihn hege, das ist Unsinn, und eine derartige Nebeneinanderstellung von Hitler, Goebbels und Merz ist ziemlich übel.



    Aber wer von sozialistischer Revolutionsromantik schwärmt, ohne den Blick auf entsprechende geschichtliche Revolutionen und ihre Folgen zu berücksichtigen, der hat vermutlich auch sonst einen ganz eigenen Blick auf die Gesellschaft.

    Schade. Der Grundgedanke war nicht verkehrt, so von wegen ritualisierte Verklärung der erreichten Erfolge durch DGB und SPD. Aber dann ging es auf Speed ins Abseits...

  • "Die CDU attackiert alle Erfolge von 150 Jahren Ar­bei­te­r:in­nen­be­we­gung..." - Aha. Die Wiedereinführung des 12-Stunden-Tages und der Bettgänger, sowie die Abschaffung von Rente und Krankenversicherung durch die CDU muss ich irgendwie verpasst haben. Der Text ist ein Paradebeispiel dafür, wie Extremismus denkt. Nie wieder gilt auch hier

  • Richtig, der Klassenkampf war nie wirklich weg.



    Eine zeit lang waren alle mehr oder weniger zufrieden.



    Seit geraumer Zeit ändert sich das aber wieder massiv,



    allerdings ziehen viele die falschen Schlüsse daraus



    und meinen das es ausgerechnet die Rechten es besser



    machen. Ein Trugschluss.

    • @Captain Hornblower:

      Ja, aber die interessante Frage ist doch, warum suchen relativ viele Arbeiter, prekär Beschäftigte und Bürgergeld Empfänger ihr Heil bei den Rechten und nicht bei den Linken? Und ob brennende Autos und Mülltonnen diese Leute wieder zu den Linken bringen wage ich doch sehr zu bezweifeln.

  • "Auf der anderen Seite fehlt auch den Linksradikalen etwas Entscheidendes:" Es fehlt ihnen an Allem.



    Protestieren allein recht eben nicht, man muss auch machbare Vorschläge bringen. Wenn das einzige Konzept "von oben nach unten verteilen" heißt, sonst aber Null realistische Vorschläge kommen, dann nutzen Linksradikale unserem Land gar nichts.



    Und ja, auch Merz ist eine Nullnummer.