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Buckelwal verladenTimmy auf dem Weg ins offene Meer

Das Drama um den Buckelwal nähert sich seinem Ende. Timmy ist nun im Frachtkahn – und damit auf dem Weg in heimatliche Gefilde.

Helfer ziehen den gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel mit Gurten in den Lastkahn Foto: Jens Büttner/dpa

dpa/afp | Das Drama um den Buckelwal nähert sich seinem Ende: Das wochenlang vor der Ostseeinsel Poel liegende Tier ist am Dienstag in den Frachtkahn geschwommen, mit dem es aufs offene Meer gebracht werden soll. Auf Livebildern war zu sehen, wie Helfer den Wal in die sogenannte Barge dirigierten. Am Abend, „wenn die See ruhiger wird, wird er seine Reise antreten in Richtung Nordsee – und dann kommt er in seine heimatlichen Gefilde zurück“, kündigte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) vor Journalisten an.

Der schwer angeschlagene Wal soll in dem Kahn in Richtung Nordsee oder Atlantik geschleppt werden. Bei der von zwei Unternehmern finanzierten Privatinitiative handelt es sich um einen letzten Rettungsversuch für den von Experten schon aufgegebenen Meeressäuger. Viele nicht beteiligte Fachleute lehnen ihn als sinnlos ab, die Behörden dulden ihn aber.

Backhaus bezog sich auf diese Kritik, als er nun sagte: „Wir haben hier Tag und Nacht gearbeitet, auch zusammengearbeitet – und wir haben am Ende dieses Tier gerettet.“ Nun müsse die Aktion in Ruhe ausgewertet werden.

Der Minister will dabei „nach vorn“ denken. „Wie gehen wir mit der Umwelt um? Wie gehen wir mit unseren Weltmeeren um? Wie gehen wir mit Tieren um?“, fragte er. Bei der Umweltministerkonferenz Anfang Mai wolle sein Land einen Antrag stellen, „wie wir das in der Zukunft besser organisieren, wenn so was wiederkommt“.

Backhaus den Tränen nahe

Backhaus erzählte, dass er auf dem Schiff geweint habe. „Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf dem letzten Meter mitzuhelfen.“ Es sei schon ein „Glücksmoment“.

Das Drama um den Wal wird im In- und Ausland mit großer Anteilnahme verfolgt. Der im Atlantik heimische Säuger irrte seit Anfang März vor der deutschen Ostseeküste umher und strandete mehrfach, zudem verfing er sich in Netzen. Seit vier Wochen lag er in einem Seitenarm der Wismarer Bucht auf Grund.

Nachdem der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal im Lastkahn für den Transport angekommen ist, hat sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus erleichtert gezeigt. „Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen“, sagte der SPD-Politiker. Die Idee mit der Barge sei hervorragend gewesen. „Er fühlt sich in der Barge wirklich pudelwohl“, sagte er.

Noch heute könne das Tier abtransportiert werden, je nachdem, ob die See ruhig sei, könne es am Abend könne losgehen, betonte Backhaus.

„Danke an die Helfer“

Backhaus hat allen Beteiligten der Bergung des vor Poel gestrandeten Wals gratuliert. „Viele Menschen haben hier vor Poel in den letzten Tagen und Wochen mit viel Herzblut und unter persönlichen Opfern mitgewirkt, um dem Wal zu helfen“, sagte der SPD-Politiker. Das könne gar nicht hoch genug bewerten werden.

Das Tier bewegte sich durch eine zuvor ausgebaggerte Rinne in die sogenannte Barge, nachdem Helfer ihn zuvor mit Gurten in diese Richtung gezogen hatten, wie auf Livestreams zu sehen war. Die Barge ist eine Art transportables Schwimmbecken, in dem normalerweise Schiffe transportiert werden. Darauf soll der Wal nun auf einer mehrtägigen Reise Richtung Nordsee transportiert werden.

Backhaus sieht Fall für die Geschichtsbücher

Die Männer und Frauen der DLRG hätten ihren Urlaub geopfert, um die Arbeiten auf und im Wasser abzusichern, sagte Backhaus. Hinzu komme die Arbeit der freiwilligen Feuerwehr Kirchdorf und die Polizei. Besonders dankte er auch der privaten Initiative zur Rettung des Wals. „Dies war eine Gemeinschaftsleistung, die sicher in die Geschichte des Landes eingehen wird.“

Kritisch zeigte er sich über die sozialen Medien. „Fake News, Schmähungen, Drohungen bis hin zur Androhung von Gewalt – von allem war etwas dabei.“ Es sei bedauerlich, dass die Vernünftigen, die es ja im Internet auch gebe, so wenig laut seien.

Ein entscheidender Teil der Aktion steht jedoch noch bevor: Der Wal soll nun in einem mehrtägigen Transport gen Nordsee gefahren werden. Fachleute warnen vor der Stressbelastung für das eingepferchte Tier.

Geldgeber Gunz überglücklich

Nachdem der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal nun im Lastkahn für den Transport angekommen ist, ist Geldgeber Walter Gunz überglücklich. „Gott sei Dank. Gott sei Dank. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel gebetet“, sagte der Mediamarkt-Gründer der Deutschen Presse-Agentur unmittelbar nach der geglückten Aktion. Er selbst habe den Moment nicht am Bildschirm verfolgen können. „Ich habe es von der Karin gehört. Ich hatte keine Nerven mehr.“ Unternehmerin Karin Walter-Mommert ist ebenfalls Geldgeberin für das Walrettungsprojekt.

Als er die Nachricht vernommen hatte, seien ihm die Tränen gekommen. „Man hat ja auch Ängste. Das war schon eine harte Zeit.“ Er sei nun einfach nur froh, dass es gelungen sei. „Ich habe ja auch zwischendurch immer wieder gedacht: „Mein Gott, haben wir alles richtig gemacht?“ Wir haben alles richtig gemacht. Denn: Was ist das Wertvollste? Das Leben!“ Mit diesem ersten Schritt zum Erfolg sei nun der Hauptteil des Krimis geschafft.

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