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Emirate steigen aus der Opec ausKampf ums Öl am Golf

Das Ölkartell Opec wird überraschend ein wichtiges Mitglied los: die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie wollen mehr Unabhängigkeit von Saudi-Arabien.

Ein Ölttechniker arbeitet an einem Turm einer Raffinerie in Jebel Ali in den Vereinigten Arabischen Emiraten Foto: Kamran Jebreili/ap

Das Ölkartell Opec, das schon so manche Preiskrise auslöste, wird seinen drittgrößten Produzenten los: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) steigen zum 1. Mai aus. US-Präsident Donald Trump begrüßte das, da es die Opec, „die uns mit Spritpreisen abzockt“, schwäche. Fachleute warnen indes vor den Folgen für die ohnehin krisengeschüttelte Region.

Mit „nationalem Interesse“ begründete Sultan Al Jaber, Vorstandschef des emiratischen Staatsölkonzerns Adnoc und Industrieminister der VAE, den Schritt. Mit der Begründung „den wachsenden Energiebedarf unserer Kunden und Partner weltweit zu decken mit Zuverlässigkeit, Verantwortung und dem Ehrgeiz, mehr zu leisten“, deutete er an, den Kurs der Opec abzulehnen. Die Opec mit ihren bisher zwölf Mitgliedstaaten kontrolliert etwa 40 Prozent der aktuellen Ölförderung und 80 Prozent der weltweiten Rohölvorkommen.

Mit strikten Förderbegrenzungen durch die Opec versucht das Kartell, langfristig hohe Ölpreise zu erzielen. Inzwischen stimmt sich die Organisation mit anderen großen Produzentinnen wie Russland, Mexiko, Kasachstan und anderen sieben Ländern in einem Opec+ genannten Gremium über der Fördermengen ab. Auch aus der Opec+ treten die VAE aus.

Die Führung in Abu Dhabi macht damit offiziell deutlich, mehr Erdöl zu fördern und auf die Weltmärkte bringen zu wollen, als die Absprachen im Rahmen der Opec+ unter Führung der beiden weltgrößten Ölexporteure Saudi-Arabien und Russland hergeben. Allerdings geht das wegen der Sperrung der Straße von Hormus durch die iranischen Revolutionsgarden im westlichen Teil des Persischen Golfs ohnehin aktuell nicht: Die Hauptexportterminals großer Opec-Mitglieder wie Saudi-Arabien, Irak und Kuwait liegen dort. Das Opec-Mitglied Iran wird durch die US-Blockade an der östlichen Ausfahrt des Golfs blockiert.

Die VAE können Teile ihrer Produktion über das östlich der Meeresenge gelegene Emirat Fujeirah exportieren, wohin sie eine Pipeline aus dem Hauptemirat Abu Dhabi und seinen Ölfeldern gelegt haben. Saudi-Arabien hat eine Stahlröhre von seinen Ölfeldern im Osten ans Rote Meer gebaut, um wenigstens einen kleinen Teil seiner Ölförderung im Falle einer aktuellen Krise wie jetzt dem Krieg um Iran ausführen zu können.

Die Rivalität zwischen den VAE und Saudi-Arabien gärt

Der Energieminister der VAE, Suhail Mohamed al-Mazrouei, räumt ein: „Dies ist eine politische Entscheidung.“ Denn sein Land habe lange „bedeutende Beiträge geleistet und noch größere Opfer zum Wohle aller gebracht“. Nun sei es „an der Zeit, unsere Bemühungen auf das zu konzentrieren, was unser nationales Interesse gebietet“.

Das scheint aber mehr zu sein als die Deckelung der VAE-Förderung der Opec auf 3 Millionen Barrel (je 159 Liter) bei Kapazitäten von 4,8 Millionen Barrel täglich. Die Rivalität zwischen den VAE und Saudi-Arabien gärt seit einiger Zeit: Seit Riad mit der „Vision 2030“ des Kronprinzen Mohammed bin Salman das bisher erzkonservativ verschlossene Land geöffnet hat, brauchen die Saudis die Emirate für Kinobesuche, Konzerte und kulturelle Events nicht mehr.

Zudem gebe es, so Marc Ayoub von der American Academy im libanesischen Beirut, „Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden wichtigen Ländern am Golf über den Umgang mit Iran und das Verhalten in anderen regionalen Konflikten, wie zum Beispiel im Jemen und im Sudan“.

Dort unterstützen Abu Dhabi und Riad die jeweils anderen Konfliktparteien in den Bürgerkriegen – und beschießen sich lokal. Auch haben die VAE die von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner verhandelten sogenannten „Abram Accords“ zu einer Aussöhnung der arabischen Staaten mit Israel unterzeichnet – Saudi-Arabien nicht.

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