piwik no script img

taz🐾lageDer Schah-Sohn und sein Begriff von Pressefreiheit

Reza Pahlavi, Sohn des letzten iranischen Schahs, ist eine umstrittene Größe der iranischen Opposition. Viele Hoffnungen machen sich an ihm fest: Ein Teil der IranerInnen im Land und im Exil denkt, er sei derjenige, der das aktuelle Regime ablösen könnte. Unter Pahlavis AnhängerInnen finden sich anscheinend aber auch MonarchistInnen, denen Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit von der Agenda gerutscht sind.

So ist die taz-Kollegin Pauline Jäckels in den sozialen Medien einem Strom von Hass- und Hetzbotschaften ausgesetzt, seit sie es wagte, Reza Pahlavi kritische Fragen zu stellen. Pahlavi war vergangene Woche auf Deutschland-Besuch und nutzte am 23. April einen Auftritt in der Bundespressekonferenz (BPK), um für seine Sicht auf den Krieg Israels und der USA gegen Iran zu werben. Als Jäckels ihn auf einen Widerspruch in seinen jüngeren Aussagen hinwies, wurde er ungehalten: „I think you have too many questions“, sagte er und wollte über den BPK-Vorsitzenden, den ZDF-Journalisten Mathis Feldhoff, erwirken, dass Jäckels das Fragerecht entzogen würde. Davon unbeeindruckt stellte Jäckels ihre zweite Frage.

So wie seine AnhängerInnen hat womöglich auch Pahlavi das Arbeitsprinzip der Bundespressekonferenz nicht ganz verstanden. Auf Anfrage der Chefredaktion bestätigte deren Vize-Vorsitzende Corinna Buschow: Das Grundprinzip der BPK sei, „dass jede auf ihr Podium eingeladene Person sich den Fragen der anwesenden Journalistinnen und Journalisten stellen muss. Dabei gilt auch, dass die Journalisten das gute Recht einer Nachfrage haben, wenn die erste Antwort nicht hinreichend konkret oder ausweichend war.“ Buschow ergänzte: „Wir verurteilen, dass eine Kollegin aus der Mitgliedschaft wegen der Inanspruchnahme dieses Grundrechts auf Pressefreiheit angefeindet, beleidigt oder sogar bedroht wird.“

Die taz freut sich über diesen Schulterschluss, der bedauerlicherweise immer häufiger notwendig zu werden scheint, und unterstützt Pauline Jäckels natürlich nach Kräften. Mit den Schmähungen, mit denen unsere Kollegin überzogen wird, beschäftigt sich der taz-Justiziar. Katrin Gottschalk, Barbara Junge, Ulrike Winkelmann

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen