podcast: Anekdoten eines Auteurs
Warum Werner Herzog außerhalb Deutschlands oft größer wirkt als hierzulande
Nennt mal international bekannte Deutsche. So beginnt eine SWR-Podcast-Serie über Werner Herzog. Vielen fällt bei dieser Straßenumfrage eher Heidi Klum oder Til Schweiger ein als Werner Herzog, obwohl der mittlerweile 83-jährige Regisseur ein internationaler Star ist. Der Podcast will erklären, warum das so ist, und Herzog einer jüngeren Zielgruppe näherbringen.
Das größte Problem ist die Haltung des Hosts. Er macht früh klar, dass er Fan ist und so klingt der Podcast auch stellenweise. Viele Geschichten werden eher bewundernd erzählt als kritisch hinterfragt. Erst ziemlich am Ende fällt der Hinweis, man hätte sich kritischer mit Herzog beschäftigen können. Gerade bei jemandem, der seine eigene Legendenbildung seit Jahrzehnten pflegt, wäre genau das interessant gewesen. Herzog selbst wollte beim Podcast nicht dabei sein, stattdessen imitiert jemand Herzogs Stimme mit dem markanten bayerischen Dialekt. Dass die Imitation so nah an die Wirklichkeit rankommt, ist irritierend, denn wer weiß, ob Herzog es so betont und gemeint hätte? Auch der persönliche Zugang des Hosts ist an Stellen zu viel und kommt in letzter Zeit so oft in öffentlich-rechtlichen Podcasts vor, dass man meinen könnte, es ist die einzige Überlegung, wie man Themen jungen Menschen nahebringen könnte. Dazu kommt eine bemüht wirkende Jugendsprache. Die bräuchte es nicht, denn Herzog selbst ist anschlussfähig für ein junges Publikum, das zeigen seine 900.000 Follower auf Instagram und zahlreiche Memes.
Spannend wird der Podcast, wenn Weggefährten erzählen. Etwa von den Dreharbeiten zu „Fitzcarraldo“, bei denen ein Schiff durch den Dschungel gezogen wurde, oder den legendären Wutaufbruch von Klaus Kinski am Set. Auch persönliche Storys bleiben hängen: Herzog habe seine erste Kamera gestohlen, sei beinahe Skispringer geworden oder habe Waffen über die mexikanische Grenze geschmuggelt. Trotz aller Schwächen funktioniert der Podcast deshalb als Einstieg in die Welt Werner Herzogs. Wer ihn bisher kaum kennt, lernt viel über seine Filme, seine Eigenarten und darüber, warum er außerhalb Deutschlands oft größer wirkt als hier. Ann-Kathrin Leclère
„Werner Herzog – zu groß für Deutschland“, 6 Folgen, bei ARD Sounds
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