piwik no script img

Entkernung des HeizungsgesetzesIdeologisch verblendet

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Schwarz-Rot profitiert nicht davon, das Habeck'sche Heizungsgesetz abzuschaffen. Die Hetze gegen die Wärmepumpe verstellt den Blick auf die Realität.

Wärme kommt bekanntlicher Maßen aus der dem Heizkörper und sonst nirgends her Foto: imago stock&people

D er eigenen Propaganda zu glauben, kann fatale Folgen haben, denn das verstellt den Blick auf die Realität. Die Union ist genau in diese Falle gegangen. Mit der jetzt vom Bundeskabinett beschlossenen Entkernung der Habeck’schen Heizungspolitik gewinnt sie nichts und verspielt auch im eigenen Lager viel Vertrauen.

Zur Erinnerung: Zusammen mit der FDP und der Springer-Presse haben Christ­de­mo­kra­t:in­nen mit Inbrunst Stimmung gegen das sogenannte Heizungsgesetz der Ampel gemacht und sich dabei auf den grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck und seine Partei eingeschossen. Ironie der Geschichte: Die damalige SPD-Bauministerin Klara Geywitz war dafür genauso verantwortlich – was das Mitmachen der SPD bei der jetzigen Kehrtwende so rückgratlos erscheinen lässt. Dazu passt, dass in den Wochen der Diskussion über das neue Heizungsgesetz Union und SPD in den Umfragen weiterhin abstürzen, während die Grünen zulegen. Es lässt sich kein Kapital daraus schlagen, das Heizungsgesetz wie von Schwarz-Rot propagiert „abzuschaffen“. Im Gegenteil.

Das Mitmachen der SPD bei der jetzigen Kehrtwende ist rückgratlos

Um das Gesetz schlechtzureden, haben Konservative gehetzt, Unwahrheiten verbreitet und die Wärmepumpe ideologisiert. Für die Geg­ne­r:in­nen der Ampel waren die klimafreundlichen Heizungsvorgaben ein idealer Hebel zur Demontage der damaligen Regierung. Deshalb, und nicht wegen seiner politischen Substanz, ist das Heizungsgesetz Teil des Scheiterns der Ampel. Den Grünen hat die Hetzkampagne schwer zugesetzt. Sie haben es nicht geschafft, der Wand aus verdrehten Fakten und Ignoranz wirkungsvoll etwas entgegenzusetzen. Das halten manche in der Union für einen Erfolg.

Bis heute geblendet von dieser Wirkung, können viele in der Union nicht sehen, was aus dem Heizungsgesetz im wirklichen Leben geworden ist. Es funktioniert, der Markt hat sich zum Großteil darauf eingestellt. Die Wärmepumpe ist längst kein Hassobjekt mehr. Sie setzt sich durch, gerade in der derzeitigen Energiekrise wird ihr langfristiger Preisvorteil deutlich.

Gas und Öl würde vielen teuer zu stehen kommen

Immer mehr Menschen freunden sich mit dem Gedanken an, beim nächsten, ohnehin fälligen Austausch eine nichtfossile Lösung zu wählen. Aber genau dieser Prozess droht jetzt gestoppt zu werden, wenn die Regierung die falschen Signale setzt. Denn ihre Botschaft ist: Weiter mit Gas und Öl zu heizen, ist kein Problem. Doch das ist falsch. Es würde viele Bür­ge­r:in­nen teuer zu stehen kommen.

Gerade die Angst vor finanzieller Überforderung war der Grund, warum die Hetze gegen das Heizungsgesetz erfolgreich war – und nicht die Ablehnung von klimafreundlicher Wärmeerzeugung. Jetzt kommt die Angst vor finanzieller Überforderung zurück. Diesmal nicht vor allem unter Eigentümer:innen, sondern unter Mieter:innen. Denn die müssen sich fragen, ob sie sich künftig das Heizen noch leisten können, wenn ihre Ver­mie­te­r:in­nen weiter auf Gas- und Ölheizungen setzen. Das ist auch für die Union schlecht. Angst geht immer nach ganz rechts.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Anja Krüger
Parlamentskorrespondentin
Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
Mehr zum Thema

8 Kommentare

 / 
  • Ich habe bei unseren Mietern Wärmepumpen eingebaut, weil ich es für notwendig halte unsere Mieter vor der ideologisch getriebenen und damit dummen Idee von Reiche und unserer Regierung zu schützen. Es ist übrigens auch nicht das Heizungsgesetzt von Habeck, sondern von der Regierung vor der Ampel.

  • Naja, den Grünen zu Glauben fällt ja auch zunehmend schwer.



    Deren Erfolge sind kaum sichtbar. Aber deren Verbotstendenzen und Schikanen sind an jeder Ampel deutlich spürbar.



    Kein Wunder also, dass die Menschen der Gegenseite nur allzugerne folgen.

  • Jeder weiss:



    cdufdpbildwelt etc. haben Herrn Habeck und den Grünen ideologische Politik vorgeworfen und damit letztendlich die letzte Regierung gestürzt.



    Das war gelogen.



    Aber es musste schnell gehen bevor Erfolge sichtbar wurden.



    Herr Habeck hat damals eine zutiefst rationale und wissenschaftsbasierte Politik gemacht und auch viel Gutes bewirkt was auch funktioniert und sinnvoll war wie sich-grade in der neuen Öl/Gaskrise zeigt.



    Der jetzige roll-back von Merz und Reiche ist nichts anderes als ein korrupter und zutiefst fossil-ideologischer Rachefeldzug gegen alle Fortschritte die wir bisher gemacht haben.



    Er schadet Deutschland, seiner Industrie und allen Wählern.



    Unterbewusst weiss das jeder.



    Dass die spd auch das im Bundestag durchwinken lässt, grenzt an Kadavergehorsam.



    Aber wir wissen: Auch wenn die spd den Bundeskanzler stellt, knickt diese Partei ein.



    Daher kann niemand mehr die spd wählen.



    Diese Lücke füllt eine immer noch nicht verbotene Neonazi-Partei.



    Es ist zum Kotzen.

  • Betriebswirtschaftlich sind Wärmepumpen (wenn Vorlauftemperaturen um 45 °C möglich sind) Öl- und Gasheizungen überlegen. Dass das auch in kalten Regionen funktioniert, sieht man gut in den skandinavischen Ländern.



    Ich hoffe, die Leute lassen sich nicht erneut aufhezten.

    • @Benzo:

      Ich verstehe den Vergleich mit Norwegen nicht. Erzeugt Norwegen nicht einen Großteil des Stroms mittels Wasserkraft?



      Hat möglicherweise der Strompreis in Deutschland auch einen Einfluss auf die Entscheidung pro oder contra Wärmepumpe?

    • @Benzo:

      Betriebswirtschaftlich stimmt das nur dann , wenn die Gaskosten so hoch sind, dass sich der Wechsel rechnet. Das ist nicht immer der Fall. Hat man zB eine funktionieren Gasheizung und einen moderaten Gasverbrauch, rechnet sich der Umbau auch gegenwaertig noch nicht. Beispiel: 7000KWh pro Jahr Verbrauch macht etwa 1000 Euro pro Jahr Gaskosten. Einsparpotential mit Wärmepumoe Max. 400 Euro pro Jahr. Einbaukosten 26000€ nach Abzug der Förderung (mein eigener Fall). Rechnet sich dann nach 64 Jahren. So lange wird die Wärmepumpe wohl nicht halten. Genau aus dem Grund hat man im alten Gesetz mit Verboten gearbeitet und an der Stelle war berechtigte Kritik angesagt.

  • "Gas und Öl würde vielen teuer zu stehen kommen." Ein untaugliches Argument. Der nicht geförderte Anteil der Umrüstung wird als Modernisierungsmaßnahme auf die Miete umgelegt werden. Bei angenommen 20.000 Euro pro Wohnung und 30% Förderung wäre das eine Mieterhöhung um (14.000 *8/100) / 12 = 93 Euro / Monat.

  • Ach, wenn es doch so simpel wäre wie der kleine Moritz sich das vorstellt. Versuchen Sie mal, in einer Eigentümergemeinschaft von 8 Parteien in einem Altbau die Gasetagenheizungen durch eine Wärmepumpe zu ersetzen. In drei Jahren sprechen wir uns wieder. Das ist keine Hetze, sondern das wirkliche Leben.