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Trumps neuer Zoll-Schlag gegen die EUZollerhöhung als Druckmittel

US-Präsident Trump kündigt Zölle von 25 Prozent auf Autos und Lkws aus der EU an. Der Grund: Laut Trump halte sich die EU nicht an Handelsdeals.

Sie über den großen Teich zu verschiffen wird nun teurer: Autos im Hafen am Terminal Bremerhaven Foto: Sina Schuldt/dpa

rtr/dpa/afp/ap | US-Präsident Donald Trump hat Zölle von 25 Prozent auf Autos und Lastkraftwagen aus der EU angekündigt. Der Zollsatz werde ab kommender Woche angehoben, weil sich die EU nicht an das Handelsabkommen halte, schrieb Trump am Freitag auf seiner Plattform Truth Social. Auf Nachfragen von Journalisten sagte Trump, die EU halte sich „nicht wie üblich“ an den Handelsrahmen vom vergangenen Jahr. Er glaube, die Zollerhöhung „zwinge sie dazu, ihre Produktion viel schneller in die USA zu verlagern“.

Im Zuge seiner Ankündigung höherer Zölle für Autos aus der EU hat US-Präsident Donald Trump deutschen Autoherstellern schwere Vorwürfe gemacht. Bei einer Veranstaltung im US-Bundesstaat Florida sagte Trump am Freitagabend, Washington habe Deutschland über den Schritt informiert, da „sie und andere europäische Nationen sich nicht an unser Handelsabkommen gehalten haben“. Deutsche Autohersteller wie Mercedes-Benz und BMW beschuldigte er, US-Bürger über den Tisch zu ziehen.

„Da die Europäische Union unser vereinbartes Handelsabkommen nicht einhält, werde ich in der kommenden Woche die Zölle für aus der Europäischen Union in die USA eingeführte Pkw und Lkw erhöhen“, schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. „Der Zollsatz wird auf 25 Prozent angehoben.“ Der US-Präsident machte keine Angaben dazu, inwiefern die EU seiner Meinung nach gegen das vereinbarte Handelsabkommen verstößt.

Die Ankündigung erfolgte jedoch kurz nachdem Trump Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf kritisiert hatte. Trump forderte Merz auf, sich auf die Beendigung des Ukraine-Kriegs zu konzentrieren, anstatt sich in die Angelegenheiten des Iran „einzumischen“. Zudem solle Merz „sein marodes Land in Ordnung bringen“, erklärte Trump am Donnerstag in Onlinemedien. Deutschland ist für einen großen Teil der Autoexporte aus der EU verantwortlich und würde von höheren Zöllen vermutlich hart getroffen werden.

EU kritisiert Ankündigungen

Die Europäische Union und die deutsche Wirtschaft kritisieren die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Anhebung von Zöllen auf Fahrzeuge aus der EU. Die EU-Kommission behielt sich in einer ersten Reaktion Gegenmaßnahmen vor, sollte Trump seine Ankündigung tatsächlich wahr machen.

Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament, nannte Trumps Ankündigung inakzeptabel. Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) bezeichnete Trumps Vorstoß als „erneute und schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen“.

Trump hatte am Freitag auf der Plattform Truth Social angekündigt, er wolle Zölle auf Autos und Lastwagen, die aus der EU in die USA eingeführt werden, von kommender Woche an auf 25 Prozent erhöhen. Er begründete das mit dem Vorwurf, dass sich die EU nicht an das vereinbarte Handelsabkommen halte.

EU-Kommission behält sich Gegenmaßnahmen vor

Eine Sprecherin der für die Handelspolitik der Staatengemeinschaft zuständigen EU-Kommission teilte mit, man bekenne sich weiter „zu einer berechenbaren, für beide Seiten vorteilhaften transatlantischen Beziehung“. Sollten die USA Maßnahmen ergreifen, die im Widerspruch zum gemeinsamen Handelsabkommen stünden, behalte man sich jedoch „alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen“. Die Sprecherin versicherte, die EU setze die eingegangenen Verpflichtungen im Einklang mit der üblichen Gesetzgebungspraxis um und halte die US-Regierung dabei stets umfassend auf dem Laufenden.

Lange sagte, das Europäische Parlament halte weiterhin an der Vereinbarung fest und arbeite an der Umsetzung des Abkommens. „Während die EU ihre Verpflichtungen erfüllt, bricht die US-Seite ihre Zusagen immer wieder“, schrieb er auf der Plattform X weiter.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller betonte: „Das Handelsabkommen, das zwischen der EU und den USA vereinbart wurde, muss von beiden Seiten eingehalten werden.“ Dabei müsse Brüssel „endlich“ die Abmachungen umsetzen. Die zusätzlichen Abgaben würden die deutsche und europäische Automobilindustrie in einer ohnehin angespannten Lage hart treffen. Zugleich könnten die Maßnahmen auch Auswirkungen auf Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA haben, hieß es weiter.

Müller forderte beide Seiten auf, das zwischen der EU und den USA geschlossene Handelsabkommen einzuhalten und mahnte insbesondere Fortschritte auf europäischer Seite an. Die Automobilindustrie rufe sowohl Washington als auch Brüssel zu einer Deeskalation und zu raschen Gesprächen auf.

Experte: Social-Media-Beiträge sind kein Gesetz

Simon Evenett, Handelsexperte an der privaten Wirtschaftshochschule IMD Business School, sagte dem britischen Sender BBC: „Diejenigen, die glauben, dass diese (US-)Regierung sich an kein Abkommen hält, werden sich bestätigt sehen.“ Allerdings müsse man beachten, dass Social-Media-Beiträge kein Gesetz seien, weshalb Brüssel den genauen Wortlaut sehen wolle, bevor es zurückschlage.

Angespanntes Verhältnis

Weitere Zolldrohungen Trumps im Grönland-Konflikt und Unsicherheit nach einer Gerichtsentscheidung, die viele US-Zölle für rechtswidrig erklärt hatte, hatten die Umsetzung des Zolldeals allerdings gebremst. Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen knüpfen zu wollen. Die Abgeordneten sprachen sich mehrheitlich dafür aus. Für den Vollzug müssen auch die Mitgliedstaaten noch den entsprechenden Verordnungen zustimmen.

Autos und Lastwagen von EU-Herstellern, die in den Vereinigten Staaten produziert werden, sind laut Trump von den Abgaben ausgenommen. Der US-Präsident will dadurch Autobauer auf der ganzen Welt dazu bewegen, trotz höherer Herstellungskosten mehr in den USA zu produzieren.

Das Verhältnis zwischen den USA und europäischen Ländern war zuletzt angespannt. In den vergangenen Tagen war Trump etwa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mehrfach verbal angegangen, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte. Der US-Präsident kritisiert seit geraumer Zeit die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung der Europäer bei seinem Krieg gegen den Iran

Trumps Zölle können Deutschland Milliarden kosten

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten höheren Zölle auf Importe von Fahrzeugen aus der EU können Ökonomen zufolge das ohnehin maue Wirtschaftswachstum in Deutschland drücken. „Die Effekte wären substanziell“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick, am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Trump hatte zuvor angekündigt, die Zölle von 15 auf 25 Prozent zu erhöhen – und zwar ab kommender Woche.

Davon wäre der deutsche Automobilsektor besonders betroffen. „Kurzfristig werden Produktionsverluste auf fast 15 Milliarden Euro geschätzt, die langfristig auf etwa 30 Milliarden Euro ansteigen würden“, sagte IfW-Handelsexperte Julian Hinz. Das bedeute einen ‌Verlust an realer Wertschöpfung von etwa 0,3 Prozent. „Deutschlands ohnehin schon langsames Wachstumstempo würde schwer getroffen werden“, lautet das Fazit von Hinz.

So erwarten die Kieler Forscher bislang ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr. Auch andere europäische Volkswirtschaften mit einer starken Automobilbranche – darunter Italien, die Slowakei und Schweden – dürften der IfW-Modellrechnung zufolge nennenswerte Einbußen verzeichnen.

Der Chefberater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Jens Südekum, rät angesichts der neuen Zolldrohungen Trumps erst einmal zur Zurückhaltung. „Die EU sollte zunächst einfach abwarten“, sagte Südekum der Nachrichtenagentur Reuters. „Es ist ja bekannt, dass Trump vollmundige Zollandrohungen gerne auch schnell wieder aussetzt oder zurücknimmt.“

Eine genaue Begründung, warum sich die EU angeblich nicht an das bestehende Handelsabkommen mit den USA halte, sei der Präsident schuldig geblieben. Außerdem sei unklar, ob die neuen Zolldrohungen nach der aktuellen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs der USA überhaupt eine Rechtsgrundlage haben. „Alles wirkt recht impulsiv“, sagte ‌der Top-Ökonom.

„Stetiges Nachgeben als Schwäche“

Für den Ökonomen Marcel Fratzscher kommt die erneute Eskalation im Handelskonflikt mit den USA durch die Zolldrohungen von Präsident Donald Trump nicht überraschend. „Denn Präsident Trump nutzt Deutschlands und Europas stetiges Nachgeben als Schwäche aus“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Es rächt sich nun erneut, dass ⁠die Europäische Union und auch die Bundesregierung im Konflikt mit Trump immer wieder nachgegeben und ihn gewähren lassen haben.“ Sie müssten nun endlich Rückgrat zeigen und Trump Paroli bieten. Nur so könnten sie eine stetige Eskalation verhindern. „Sie können und dürfen sich nicht länger erpressen lassen, sonst steigen die Kosten für die europäische Wirtschaft und ‌insbesondere für die deutschen ‌Exportunternehmen weiter an“, warnte Fratzscher.

Die USA sind der wichtigste Abnehmer von Waren „Made in Germany“. Im vergangenen Jahr wurden ⁠Güter im Wert von 146,2 Milliarden Euro dorthin exportiert. Das waren 9,4 Prozent weniger als 2024. Den größten Anteil der im vergangenen Jahr in die USA exportierten Waren hatten – trotz deutlicher Rückgänge – Kraftwagen und Kraftwagenteile: Deren ‌Wert summierte sich auf 28,5 Milliarden Euro, was 17,8 Prozent weniger war ‌als 2024.

Die Europäische Union halte das vereinbarte Handelsabkommen mit den USA nicht ein, schrieb Trump zur Begründung am Freitag auf seiner Plattform Truth Social. Für Fahrzeuge, die in den USA gebaut würden, fielen weiter keine Zölle ‌an.

Was bisher galt

Mitte August 2025 hatten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Rahmenabkommen auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Auch für europäische Autos und Autoteile sollte der Satz gelten. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US-Industriegüter zu streichen und den Marktzugang für US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu erleichtern.

Weitere Zolldrohungen Trumps im Grönland-Konflikt und Unsicherheit nach einer Gerichtsentscheidung, die viele US-Zölle für rechtswidrig erklärt hatte, hatten die Umsetzung des Zolldeals allerdings gebremst. Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen knüpfen zu wollen. Die Abgeordneten sprachen sich mehrheitlich dafür aus. Für den Vollzug müssen auch die Mitgliedstaaten noch den entsprechenden Verordnungen zustimmen.

Der Einigung war ein monatelanger Streit vorangegangen, bei dem sich beide Seiten des Atlantiks mit Zolldrohungen überzogen. Im Juli kündigte Trump etwa Zölle von 30 Prozent auf alle Waren aus der Europäischen Union an – die EU bereitete wenige Tage darauf Gegenzölle im Wert von 72 Milliarden Euro vor.

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2 Kommentare

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  • Der größte Fehler war und ist, Trumps Verhalten an ihm selbst zu bewerten. ... so ist er halt ...



    Privat setzt sich keine anständige Person mit so einem Typen an einen Tisch.

  • Leider ist zu befürchten, dass sowohl die EU-Kommission als auch die einzelnen Regierungen -außer Spanien- wieder weiche Knie bekommen und sich ein weiteres Mal erpressen lassen. Die haben allesamt Furcht davor, dass es eine zeitlang eng werden könnte (könnte!!) und in dieser Zeit dann der interne Kessel überkocht. Das ist kurzsichtig und feige und nur auf die eigene Machtposition bezogen. Diesem Despoten die Stirn zu bieten mag für eine kurze Zeit anstrengend sein, doch alsbald wird der heftig unter Druck geraten, von seiner eigenen Wirtschaft in den US, die auch leiden wird und von seinen Wählern -den meisten wohl- die allmählich anfangen zu erkennen, was für eine Null derzeit die Macht hat.