+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Drohnenangriffe auf beiden Seiten
Die Ukraine und Russland griffen sich in der Nacht mit Drohnen an. Unter anderem wurden ein russischer Hafen und eine ukrainische Grenzstadt attackiert.
Drohnenangriff auf russischen Hafen Primorsk
Ukrainische Drohnen haben den russischen Ostseehafen Primorsk angegriffen und dort einen Brand ausgelöst, wie der Gouverneur der Region, Alexander Drosdenko, über den Messaging-Dienst Telegram mitteilt. In der Nacht seien über dem nordwestrussischen Gebiet Leningrad mehr als 60 Drohnen abgefangen worden. Bei dem Angriff auf Primorsk, einem wichtigen Ölverladehafen, sei es zu keiner Ölverschmutzung gekommen. Der Brand sei gelöscht worden. (rtr)
Drohnen über der Ukraine und Russland
Die Ukraine und Russland haben sich in der Nacht gegenseitig mit Drohnen überzogen. Bereits am späten Abend wurde in der ukrainischen Hauptstadt Kiew Luftalarm ausgelöst. Die Flugabwehr trat in Aktion, über der Stadt waren nach Medienberichten zahlreiche Explosionen zu hören. Über eventuelle Drohneneinschläge oder mögliche Opfer oder Schäden lagen zunächst keine Angaben vor.
In der russischen Hauptstadt Moskau wurde auf den großen Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo vorübergehend der Betrieb „aus Sicherheitsgründen“ eingestellt, meist eine Reaktion auf Drohnenflüge. Später gab Bürgermeister Sergej Sobjanin den Abschuss von zwei Drohnen bekannt.
Auch am Flughafen Pulkowo in St. Petersburg wurde der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt. Mindestens 59 Drohnen seien abgeschossen worden, berichtete der Gouverneur der umliegenden Oblast Leningrad, Alexander Drosdenko. Zuletzt hatte die Ukraine in diesem Gebiet wichtige russische Raffinerieanlagen attackiert. Die russischen Behörden machten zunächst ebenfalls keine Angaben zu den möglichen Flugzielen der ukrainischen Drohnen sowie über mögliche Opfer oder Schäden. (dpa)
Ein Mensch bei russischen Angriffen getötet
Bei russischen Angriffen ist ukrainischen Angaben zufolge ein Mensch im Süden der Ukraine getötet worden. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte die Militärverwaltung in Cherson am Sonntag. Das russische Verteidigungsministerium erklärte derweil, dass über Nacht 334 ukrainische Drohnen in mehr als einem Dutzend Regionen abgefangen und zerstört worden seien. Angaben zu Verletzten wurden nicht gemacht. (afp)
Europäisches Gipfeltreffen in Armenien steht bevor
In der armenischen Hauptstadt Eriwan treffen ab Sonntagabend die Staats- und Regierungschefs von mehr als 40 europäischen Ländern zusammen, um über die Kriege in der Ukraine und im Iran zu diskutieren (17.00 Uhr MESZ). Der Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) beginnt mit einem Abendessen auf Einladung des armenischen Präsidenten Wahagn Chatschaturjan und Regierungschef Nikol Paschinjan (17.00 Uhr MESZ).
Erstmals wird mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney auch ein nicht-europäischer Regierungschef Treffen der EPG teilnehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reist wegen „anderer Verpflichtungen“ hingegen nicht zu dem zweitägigen Gipfel nach Armenien, wie eine Regierungssprecherin der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Die EPG war nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine 2022 gegründet worden und soll Russlands Isolation verdeutlichen. (afp)
Kämpfe um strategisch wichtige Stadt Kostjantyniwka
Russische Truppen rücken nach ukrainischen Angaben auf die Stadt Kostjantyniwka in der östlichen Region Donezk vor. Laut dem ukrainischen Armeechef Oleksandr Syrskyj versuchen die russischen Truppen mit Infiltrationstaktiken, am Rande der Stadt Fuß zu fassen. Man wehre die hartnäckigen Versuche ab, erklärt Syrskyj weiter. Kostjantyniwka ist Teil eines stark befestigten Verteidigungsgürtels der ukrainischen Armee. Das russische Verteidigungsministerium meldete seinerseits am Mittwoch die Einnahme des nördlich gelegenen Ortes Nowodmytriwka. Zudem meldet Moskau die Einnahme des Dorfes Myropillja in der nordukrainischen Region Sumy. Die ukrainische Armee weist dies als „komplette Lüge“ zurück. (rtr)
Telefonat mit Selenskyj: Fico kündigte Ukraine-Besuch an
Der nationalistische slowakische Regierungschef Robert Fico hat einen Besuch in der Ukraine angekündigt. Nach einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erklärte Fico am Samstag: „Wir werden das Format gemeinsamer Regierungssitzungen fortsetzen und zudem gegenseitige Besuche in unseren Hauptstädten vornehmen.“ Der Russland-freundliche Fico hatte es bisher vermieden, nach Kiew zu reisen.
„Ich habe bestätigt, dass die Slowakei den EU-Beitritt der Ukraine unterstützt, denn wir wollen, dass die Ukraine, unser Nachbar, ein stabiles und demokratisches Land ist“, erklärte Fico weiter.
„Wir brauchen starke Beziehungen zwischen unseren Ländern, und wir beide befürworten das“, erklärte Selenskyj seinerseits im Onlinedienst X. Er unterstrich außerdem die Bedeutung der Unterstützung der Slowakei für einen EU-Beitritt seines Landes und betonte, er habe den slowakischen Ministerpräsidenten nach Kiew eingeladen und sich für dessen Einladung nach Bratislava bedankt, mit der „Möglichkeit eines persönlichen Treffens in naher Zukunft“.
Fico erklärte, dass er Selenskyj am Montag am Rande des Gipfeltreffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) in der armenischen Hauptstadt Eriwan sehen werde. Er äußerte zudem den Wunsch nach „freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Slowakei und der Ukraine“.
In einer Woche reist Fico nach Moskau, wo er an den Feierlichkeiten zum Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland teilnehmen will. Fico gilt nach der Abwahl des langjährigen ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán als der engste Verbündete des russischen Präsidenten Wladimir Putin innerhalb der EU. Russland führt seit Februar 2022 einen großflächigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. (afp)
Nordkorea lobt Einsatz junger Soldaten in der Ukraine
Die herrschende Arbeiterpartei in Nordkorea lobt den Einsatz junger Soldaten an der Seite Russlands in der Ukraine. Sie seien zu „Bomben und Flammen“ geworden, um die Ehre des Landes zu verteidigen, heißt es in einem Brief an den Kongress der Jugendliga, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldet. Westlichen, südkoreanischen und ukrainischen Angaben zufolge kämpfen schätzungsweise 14.000 nordkoreanische Soldaten mit russischen Truppen in der Region Kursk. Mehr als 6000 von ihnen seien dabei getötet worden. (rtr)
Selenskyj sanktioniert seinen ersten Kanzleichef
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Sanktionen gegen seinen früheren Bürochef Andrij Bohdan verhängt. Unter anderem werden Bohdan staatliche Auszeichnungen aberkannt, sein Vermögen wird eingefroren und es werden Handelsgeschäfte untersagt, wie aus dem veröffentlichten Dekret hervorgeht. Die Maßnahmen gelten vorerst für zehn Jahre. Eine Begründung wurde nicht genannt. Bohdan leitete das Präsidentenbüro von Mai 2019 bis Februar 2020.
Der Jurist selbst vermutete bei Facebook ein Gekränktsein Selenskyjs wegen kürzlicher Medienberichte über eine mögliche Verstrickung des Staatschefs und seiner Frau Olena in korrupte Geschäfte. Demnach unterstellt Selenskyj einen Zusammenhang zwischen den Veröffentlichungen und Bohdans Tätigkeit als Anwalt.
Erst im April hatte Selenskyj in den Niederlanden einen weiteren Preis als Verteidiger der Freiheit erhalten. Er geht jedoch seit langem auch gegen ukrainische Staatsbürger mit Sanktionen ohne Gerichtsverfahren vor, darunter Oppositionelle wie Ex-Präsident Petro Poroschenko und Journalisten. (dpa)
Selenskyj warnt Belarus erneut
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Belarus erneut vor einem Kriegseintritt gegen sein Land gewarnt. Am Vortag habe es ungewöhnliche Aktivitäten von belarussischer Seite an der gemeinsamen Grenze gegeben, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Kiew beobachte die Situation. „Und wenn es erforderlich ist, dann werden wir reagieren“, warnte er. Konkretere Angaben machte er nicht.
Bereits im April warnte Selenskyj Minsk vor einer Beteiligung am russischen Krieg gegen die Ukraine. Seitdem verhängte Kiew neue Sanktionen gegen Belarus, dabei unter anderem gegen zwei Söhne von Staatschef Alexander Lukaschenko. Bei ihrem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 stieß die russische Armee auch vom Gebiet des Verbündeten Belarus in Richtung der ukrainischen Hauptstadt Kiew vor. Direkt beteiligte Minsk sich jedoch nicht an den Kampfhandlungen. (dpa)
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