KI-Enzyklika des Papstes: Ein Gegenprogramm zur Thielologie
Leo XIV. will Regeln aufstellen für den richtigen Umgang mit künstlicher Intelligenz. Damit wird er schon wieder Antagonist der Mächtigen in den USA.
D er Tech-Milliardär Peter Thiel hat sich eine recht eigenwillige Version des Christentums ausgedacht. Ließe man der technischen Entwicklung komplett freien Lauf, glaubt Thiel, würden die Menschen mehr und mehr wie Gott werden. Regulierung aber sei eine Sache des verführerischen Gegenspielers Gottes, des Antichristen.
Es ist wohl kein Zufall, dass Thiel seine an die orthodoxe Idee der Theosis angelehnte Theorie im März in Rom vorgetragen hat, auf der Schwelle des Vatikans. Denn da war schon abzusehen: Papst Leo XIV. will Regeln aufstellen – für den richtigen Umgang mit der künstlichen Intelligenz. Am Pfingstmontag hat der Pontifex geliefert. Seine Enzyklika „Magnifica humanitas“ ist ein Gegenprogramm zu Peter Thiel und seiner Thielologie. Das wird schon im ersten Satz deutlich.
„Die von Gott geschaffene großartige Menschheit steht heute vor einer entscheidenden Wahl“, heißt es da. Wolle sie selbst sein wie Gott oder menschenfreundliche Bedingungen schaffen? KI könne Desinformation verbreiten, Konflikte verschärfen und die Welt auf einen Weg endloser Kriege führen, heißt es in dem Lehrschreiben. Und diese Klarheit ist wichtig.
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Im 19. Jahrhundert hatte Leo XIII. mit seinem Lehrschreiben „Rerum Novarum“ eine katholische Antwort auf die industrielle Revolution gegeben, die Enzyklika gilt als Gründungsurkunde der katholischen Soziallehre. An diese Tradition will Papst Leo XIV. angesichts der neuen industriellen Revolution anknüpfen. Genauso wie an die einflussreiche Öko-Enzyklika „Laudato si“ seines Vorgängers Franziskus.
Zwischen Christ und Antichrist
„Aktuelle KI-Systeme erfordern große Mengen an Energie und Wasser, haben erhebliche Auswirkungen auf den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß“, schreibt der Papst und fordert die Entwicklung von nachhaltigeren Lösungen. Eine pauschale Ablehnung ist das neue Lehrschreiben bei aller Klarheit nämlich ganz und gar nicht. KI sei ein „wertvolles Hilfsmittel, das Vorsicht erfordert“. Ob der Pontifex für seine Enzyklika selbst KI verwendete, sagte er am Montag nicht.
Schon vor zehn Jahren hatte Papst Franziskus die Chefs von Google, Open-AI und Co eingeladen. Am Montag saß neben Papst Leo und zwei Ethikerinnen auch Christopher Olah auf dem Podium, Mitgründer der KI-Firma Anthropic. „Wir brauchen informierte Kritiker, die den Labors sagen, wenn wir versagen“, sagte Olah. „Wir brauchen moralische Stimmen, die sich von Anreizen nicht beugen lassen.“ Was den Atheisten Olah und den Papst von Thiel unterscheidet? Sie wissen, dass das Richtige nur im Gespräch zu bestimmen ist und nur in feineren Kategorien als schwarz und weiß, Christ und Antichrist.
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