+++ Entwicklungen zum Hantavirus +++: Alle vier deutschen Passagiere „vollständig ohne Symptome“
Zwei „Hondius“-Passagiere, eine Französin und ein US-Bürger, wurden positiv getestet. Die vier deutschen Passagiere wurden in ihre Bundesländer gebracht.
WHO zum Hanta-Ausbruch
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von einem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien mit dem südamerikanischen Andesvirus angesteckt haben könnte. Es wird wie alle Hantaviren in der Regel von Nagetieren übertragen.
Das Andesvirus ist das einzige Hantavirus, das auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann. Es gab in den vergangenen Jahrzehnten jedoch nur einige wenige erfasste Ausbrüche in Südamerika, die alle rasch wieder abebbten. Auch im aktuellen Fall sehen Experten kein Risiko für eine umfassende Ausbreitung des Erregers.
Die Besonderheit diesmal ist lediglich, dass das Virus zufällig auf einem Kreuzfahrtschiff mit vielen Passagieren aufgetreten ist. Da die Symptome denen verschiedener Atemwegserkrankungen ähneln, war erst verzögert auf das Hantavirus getestet worden. Erst dann kamen strengere Isolierungs- und Überwachungsmaßnahmen in Gang. Dadurch war es anfangs zu einigen Ansteckungen gekommen. (dpa)
Ministerium: Hantavirus-Kontaktperson geht es gut
Einer Kontaktperson aus Baden-Württemberg von dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ geht es nach offiziellen Angaben weiterhin gut. Es gebe bisher keine Hinweise auf eine Infektion, sagte ein Sprecher des Sozial- und Gesundheitsministeriums in Stuttgart.
Die Person ist als Teil eines Sonderisolierungstransports mit drei weiteren deutschen Passagieren am späten Sonntagabend aus dem niederländischen Eindhoven nach Deutschland gebracht worden. Die Ankunft des Transports bestätigte ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt am Morgen. Dort sollen die vier Menschen auf Krankheitssymptome untersucht werden.
Das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart hatte am Sonntag mitgeteilt, die Kontaktperson aus Baden-Württemberg solle anschließend in häusliche Quarantäne. Am Montag sei der Weitertransport nach Baden-Württemberg geplant. Zur Identität der betroffenen Person machte das Ministerium wegen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte keine Angaben.
So ist derzeit unklar, woher die Person kommt, welches Geschlecht sie hat oder wie alt sie ist. Das Gesundheitsamt begleite die Maßnahme eng, hieß es vom Ministerium. „Für die Bevölkerung in Baden-Württemberg besteht nach aktueller Bewertung kein Anlass zu besonderen Maßnahmen“, betonte das Ministerium.
Die Quarantäne sei vom zuständigen Gesundheitsamt im Regierungsbezirk Stuttgart angeordnet worden und werde eng begleitet. Der Gesundheitszustand werde während der Zeit regelmäßig überwacht – dazu gehöre ein tägliches Symptommonitoring. Bei Krankheitszeichen würden sofort weitere medizinische Schritte eingeleitet. (dpa)
Kapitän meldet sich in Videobotschaft zu Wort
Der Kapitän des vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffes „Hondius“, Jan Dobrogowski, hat sich erstmals in einer Videobotschaft zu der Krise geäußert. Er bedankte sich bei seiner Besatzung und den Passagieren für „Geduld, Disziplin und Freundlichkeit“. „Diese vergangenen Wochen waren extrem anstrengend“, sagte der aus Polen stammende Kapitän. Die Menschen hätten aber unter diesen schwierigsten Umständen „Fürsorge, Zusammenhalt und Kraft“ gezeigt.
Er habe gesehen, dass „Menschen einander vertrauen können, auch wenn nicht sofort Hilfe bereitsteht“. Allen Menschen an Bord wünschte der Kapitän eine sichere Heimreise. (dpa)
Australien ordnet lange Quarantäne an
Australien wird sechs Passagiere des von dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ nach ihrer Ankunft mindestens drei Wochen lang in einer speziellen Quarantänestation isolieren. Nach Angaben der Regierung vom Montag werden die Reisenden in dem ursprünglich für die Coronapandemie errichteten Bullsbrook-Zentrum bei Perth im Westen Australiens aufgenommen.
Von den sechs Passagieren, die bislang keine Symptome zeigten, haben vier die australische Staatsbürgerschaft, einer eine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung und einer die neuseeländische Staatsbürgerschaft. Sie sollen nach spanischen Angaben am Nachmittag von der spanischen Kanareninsel Teneriffa aus nach Australien geflogen werden. Landen sollten sie nach Angaben des australischen Gesundheitsministers Mark Butler auf einem Luftwaffenstützpunkt in direkter Nachbarschaft zu dem Quarantäne-Zentrum.
Laut Butler muss noch entschieden werden, wie mit den Passagieren nach der ersten dreiwöchigen Quarantäne verfahren werde. Andere Länder würden die Passagiere nach wenigen Tagen wieder entlassen, damit sie sich zu Hause isolierten, sagte Butler auf einer Pressekonferenz. Australien reagiere jedoch „stärker“, da der lange Flug von Teneriffa in einer relativ kleinen Maschine ein größeres Übertragungsrisiko darstelle. (afp)
Zwei Passagiere nach Evakuierung positiv getestet
Zwei Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ – eine Französin und ein US-Bürger – sind nach Verlassen des Schiffs positiv auf das Hantavirus getestet worden. Die letzten 22 noch an Bord verbliebenen Passagiere sollten am Montag in die Niederlande geflogen werden, wie die spanische Regierung mitteilte. Vier am Sonntag ausgeflogene deutsche Passagiere wurden unterdessen von Frankfurt am Main nach Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen gebracht.
Der Zustand der Französin habe sich in der Nacht „leider verschlechtert“ und Tests hätten eine Bestätigung mit dem Hantavirus bestätigt, sagte die französische Gesundheitsministerin Stéphanie Rist dem Radiosender France Inter. Die erkrankte Frau war unmittelbar nach ihrer Ankunft in Paris am Samstag ebenso wie vier andere Passagiere isoliert worden.
Ein US-Passagier wurde auf dem Rückflug in die USA „leicht positiv“ auf das Hantavirus getestet, wie das US-Gesundheitsministerium am Sonntagabend (Ortszeit) mitteilte. Ein weiterer Passagier habe leichte Symptome.
Von den zuletzt noch 54 Menschen auf der „Hondius“ sollten nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García 22 am Montag die Heimreise antreten, 32 Besatzungsmitglieder sollten bis zum Erreichen des Hafens von Rotterdam an Bord bleiben. Anders als zunächst geplant sollten die letzten 22 Passagiere zunächst zusammen in die Niederlande geflogen werden. Ein zunächst geplanter Flug nach Australien sei abgesagt worden, da die Maschine die Kanareninsel Teneriffa nicht rechtzeitig erreichen könne.
Mit Blick auf die jüngsten bestätigten Hanta-Infektionen verteidigte sich das spanische Gesundheitsministerium. Es habe „von Beginn an alle Maßnahmen“ ergriffen, „um mögliche Ansteckungsketten zu unterbrechen“; „alle Maßnahmen zur Prävention und Eindämmung der Übertragung“ seien umgesetzt worden.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dankte den spanischen Behörden für die „rasche und effiziente“ Evakuierung der Passagiere auf Teneriffa. Nach Einschätzungen aus Brüssel ist das Risiko für eine Ausbreitung des Hantavirus in Europa weiter gering, wie eine Kommissionssprecherin am Montag in Brüssel mitteilte.
Am Sonntag hatten bereits 94 Passagiere und Besatzungsmitglieder aus insgesamt 19 Ländern das Kreuzfahrtschiff verlassen und von Teneriffa aus mit Sondermaschinen die Heimreise angetreten. Vor Verlassen des Schiffs waren nach Angaben Garcías alle Passagiere und Besatzungsmitglieder noch einmal untersucht und für symptomfrei befunden worden.
Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin teilte mit, alle vier deutschen Passagiere seien „vollständig ohne Symptome“. Die vier Deutschen waren am Sonntag gemeinsam mit weiteren Betroffenen mit einer niederländischen Maschine von Teneriffa nach Eindhoven gebracht worden. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden sie anschließend ins Frankfurter Universitätsklinikum gebracht, wo sie in der Nacht zum Montag eintrafen.
In ihren Heimatregionen sind dann die jeweiligen Gesundheitsämter zuständig. In Berlin und Bayern sollten die Passagiere zunächst in Kliniken gebracht werden, in Baden-Württemberg war offenbar eine Quarantäne in den eigenen vier Wänden vorgesehen. Wie in Sachsen mit der Kontaktperson verfahren wird, war zunächst unklar.
Im Hafen von Granadilla auf Teneriffa wurde unterdessen die „Hondius“ betankt. Am Abend sollte das unter niederländischer Flagge fahrende Kreuzfahrtschiff die mehrtägige Fahrt nach Rotterdam antreten. (afp)
Das betroffene Kreuzfahrtschiff
Die „Hondius“ war am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb am 11. April an Bord an den Folgen des Hantavirus. Seine Frau ging am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, um die Leiche ihres Mannes in die Heimat zu begleiten. Zwei Tage später starb sie nach einem Flug nach Johannesburg im Krankenhaus. Am 2. Mai starb eine deutsche Passagierin an Bord der „Hondius“. Ihre Leiche ist weiter an Bord.
Eine weitere Deutsche, die mit ihr Kontakt hatte und bereits vor einigen Tagen von Bord geholt wurde, befindet sich seit vergangenen Woche im Universitätsklinikum Düsseldorf. Bislang wurde bei ihr keine Infektion nachgewiesen, wie das Krankenhaus am Montag mitteilte. Gegen das schwere Atemwegserkrankungen verursachende Hantavirus gibt es keine Impfung und auch keine Behandlung. (afp)
US-Gesundheitsbehörde ungewöhnlich still
Kein Untersuchungsteam, keine großen Pressekonferenzen mit Informationen für die Öffentlichkeit, keine schnellen Gesundheitswarnungen an die Ärzteschaft: Beim Hantavirus-Ausbruch auf der „Hondius“ blieben die Gesundheitsbehörden der USA lange erstaunlich still, obwohl auch etwa zwei Dutzend US-Bürgerinnen und -Bürger an Bord des Kreuzfahrtschiffs unterwegs waren.
Gesundheitsbehörden und Fachleute aus anderen Ländern wandten sich an die Öffentlichkeit und schickten Experten auf die „Hondius“, während die amerikanische CDC sich weitgehend im Hintergrund hielt. „Die CDC spielt dabei nicht einmal eine Rolle“, sagt Lawrence Gostin, Experte für internationale öffentliche Gesundheit an der Georgetown University. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“
Erst Ende der vergangenen Woche nahm der Einsatz der US-Gesundheitsbehörde Fahrt auf: Sie entsandte ein Team auf die Kanarischen Inseln, um dort die US-Passagiere in Empfang zu nehmen. Ein zweites Expertenteam wurde der CDC-Ankündigung zufolge auf den Luftwaffenstützpunkt Offutt in Nebraska geschickt, wo die Passagiere dann in einem Quarantänezentrum überwacht werden sollen.
Zugleich wandten sich die Behörden erstmals an die Ärzteschaft mit der Warnung vor möglichen importierten Hantavirus-Fällen. Etwa ein halbes Dutzend amerikanische Passagiere hatten die „Hondius“ schon bei einem Zwischenstopp vor rund drei Wochen verlassen, als es bereits den ersten Toten an Bord gab, aber bevor das Hantavirus als Auslöser bestätigt war. Einige von ihnen seien inzwischen in die USA zurückgekehrt, erklärte die CDC.
Die Zurückhaltung sehen manche Beobachter als Zeichen für eine Schwächung der US-Gesundheitsbehörde – international und als Gesundheitsschützer im Inland. Das Hantavirus-Geschehen sei ein Hinweisgeber, sagt Jeanne Marrazzo, Geschäftsführerin der medizinischen Fachorganisation IDSA, der Amerikanischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten. Es gebe Aufschluss darüber, „wie gut das Land auf eine Krankheitsbedrohung vorbereitet ist“, erklärt sie. „Und im Moment muss ich leider, leider sagen, dass wir nicht vorbereitet sind.“ (ap)
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