Übertragungsrechte der Fußball-WM: Wie die Fifa Geld macht
Die Fifa verdient Milliarden daran, dass sie weltweit Übertragungsrechte verkauft. In Deutschland kann man nicht alle Spiele der Herren-WM streamen.
Bald ist es wieder so weit: Eine Nation klebt vor ihren Bildschirmen. Dort sehen wir Christoph Kramer, Per Mertesacker und Bastian Schweinsteiger und den ehemaligen Freiburg-Trainer Christian Streich, wie sie die Spiele der Fußball-WM 2026 moderieren. Und das fünf Wochen lang, so lang wie noch nie! Einfach ARD oder ZDF anmachen und los geht’s mit dem Live-Erlebnis. Na ja, zumindest bei 60 von insgesamt 104 Spielen.
Bei dem Rest wird es dann etwas komplizierter, denn die sind gar nicht frei empfangbar. 44 Spiele laufen in Deutschland nur bei Magenta TV, dem Bezahlsender der Telekom. Anteilig ist das ein deutlicher Rückgang gegenüber der Männer-WM 2022. Beim Turnier in Katar liefen noch 75 Prozent der Spiele im Free TV, jetzt sind es nicht einmal mehr zwei Drittel aller Partien. Zumindest 20 der 44 Magenta-exklusiven Spiele stehen bereits fest. Mit dabei sind alle drei Gruppenspiele der Türkei, die entsprechend nur mit Abo empfangbar sein werden.
Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender haben die Rechte für ihre 60 Spiele bei der Telekom erworben, Kosten: etwa 152 Millionen Euro, berichtet der Evangelische Pressedienst. Wie viel die Telekom für das Komplettpaket bezahlt, ist nicht überliefert. Anders als etwa bei den Übertragungsrechten der Bundesliga findet die Vergabe bei den Turnieren der Fifa nicht in einer öffentlichen Versteigerung statt, sondern wird geheim zwischen der Fifa und den Sendern verhandelt. Der Weltverband veröffentlicht daher zwar nach Abschluss des Turniers die absolute Summe der eingenommenen Fernsehgelder. Daten zu den einzelnen Paketen, etwa für die Übertragung in Deutschland, werden allerdings geheim gehalten.
Für die Fifa stellt der Verkauf der Fernsehrechte bei Weltmeisterschaften einen entscheidenden Teil der Einnahmen dar. Denn obwohl der Fußballweltverband eigentlich eine Non-Profit-Organisation ist, nimmt er vor allem durch die Fernsehrechte, Sponsoring und Ticketverkäufe der Männer-WM ziemlich viel Geld ein. Gerechnet wird dabei in Vierjahreszyklen, immer bis zur nächsten Herren-WM. Für den Zyklus bis 2026 rechnet der Verband mit Einnahmen von etwa 11 Milliarden Dollar.
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Fifa macht größten Gewinn mit Tickets
Etwas mehr als ein Drittel, 4,3 Milliarden Dollar, sollen dabei allein aus dem Verkauf der Fernsehlizenzen kommen. In absoluten Zahlen ist das ein Zuwachs von mehr als 800 Millionen Dollar allein in dieser Kategorie. Den größten Einnahmenzuwachs erwartet die Fifa jedoch dank teurerer Tickets und mehr Spielen. Anteilig sinkt daher der Beitrag der Fernsehgelder zu den Gesamteinnahmen der Fifa seit der Männer-WM 2010 deutlich, bei dem Turnier in Südafrika machten sie noch fast zwei Drittel der gesamten Einnahmen aus.
Mit dem großen Interesse an Fußball-Weltmeisterschaften lässt sich bei der Fifa also ziemlich viel Geld verdienen. Und wie kann man noch mehr Geld einnehmen? Richtig, indem einfach noch mehr Spiele gezeigt werden! Dass aber wie dieses Jahr mehr Spiele mit mehr Einnahmen einhergehen, muss nicht immer so sein. „Die Fifa kann nicht davon ausgehen, dass die Attraktivität linear mit der Anzahl an Spielen steigt“, sagt Christoph Breuer, Sportökonom von der Sporthochschule in Köln.
Mit mehr Teilnehmerländern steige auch die Zahl der Spiele, die höchstens für ein kleines Publikum attraktiv sind. Will heißen: Nur weil bei einem möglicherweise noch größeren Turnier in Zukunft auch Nordkorea an der WM teilnehmen kann, ist das Publikumsinteresse an einem Spiel gegen Curaçao (immerhin dieses Jahr schon dabei!) außerhalb dieser beiden Länder nicht unbedingt besonders groß. „Dann kann das Gesamtprodukt auch Schaden nehmen“, sagt Breuer.
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Die Frage zur Herren-WM 2026 und den folgenden Turnieren ist, wann der Knick kommt und das Interesse an den Spielen bei größer werdendem Angebot sinkt. Sind 48 Länder das Optimum, oder lässt sich in Zukunft etwa mit 64 Ländern noch mehr Geld verdienen? „Ich vermute, dass sich die Größe des Turniers jetzt nicht mehr ausweiten lässt, ohne dass das Interesse zumindest in einigen Märkten nachlässt“, sagt Breuer. Blickt man auf den deutschen Markt, könnte dieser Punkt schon überschritten sein. Bei den Turnieren von 2018 und 2022 nahm der Marktanteil der Finalpartien bei der Übertragung in ZDF oder ARD deutlich ab, bereits 2006 und 2010 stagnierte er. Ausnahmen bilden die Finalspiele mit deutscher Beteiligung 2002 gegen Brasilien und 2014 gegen Argentinien.
Mit ihrem Streben nach mehr Gewinn geht die Fifa bei der Männer-WM 2026, ihrer mit Abstand wichtigsten Einnahmequelle, also auch ins Risiko. Wie weit lässt sich der Bogen noch spannen, wie weit lassen sich Fernsehsender und Streaminganbieter noch melken, bis er überstrapaziert ist?
Die Machtfrage
Aber wofür braucht die Fifa, die ja eigentlich qua ihrer eigenen Statuten nicht für Profit arbeitet, überhaupt dieses Geld? Das ist eine Machtfrage. Große Teile der Einnahmen gibt der Fußballweltverband an seine 211 Mitgliedsverbände weiter – die das Geld dann wiederum in den Fußball in ihrem Zuständigkeitsgebiet investieren sollen. Alle vier Jahre stimmen diese Mitgliedsverbände dann über den Präsidenten der Fifa ab, so zuletzt auch 2023, als Gianni Infantino im Amt bestätigt wurde. Für den Präsidenten der Fifa ist es also besonders relevant, ihm wohlgesinnte Mitgliedsverbände zu haben, die ihn bei seiner Wiederwahl unterstützen.
Je mehr Geld die Fifa einnimmt und damit auch an ebenjene Mitgliedsverbände ausschütten kann, desto größer sind die Chancen zur Wiederwahl. Breuer bezieht sich dazu auf die Theorie der Neuen Politischen Ökonomie, nach der ein Akteur – in dem Fall Fifa-Präsident Infantino – nicht für das Gemeinwohl, sondern vorrangig für sein eigenes Interesse – in dem Fall den Machterhalt – handelt. „Zur Sicherung seiner Machtbasis braucht Infantino möglichst hohe Geldtransfers an die Mitgliedsverbände“, sagt Breuer.
Sechs Wochen Männerfußball, so viele Spiele und Mannschaften wie noch nie. Damit geht die Fifa ins Risiko und stellt möglicherweise den Fußball in den Hintergrund. Im Vordergrund steht stattdessen der Präsident und Trump-Freund Infantino, der bei den Mitgliedsverbänden mit Rekordeinnahmen punkten kann und sich vermutlich auch für den Fifa-Kongress im kommenden Jahr seine Wiederwahl sichert.
Im Gespräch mit Sportökonom Breuer kommt die schwierigste Frage ganz zum Schluss: Welche Mannschaft hält nach dem Finale am 19. Juli, übertragen im ZDF, den Pokal in den Händen? Breuer lacht, überlegt kurz. „Ich denke, dass Spanien oder Frankreich die besten Chancen haben.“
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