Uschi Glas über Demokratie: „Die schweigende Mehrheit ist die größte Gefahr“
Die Schauspielerin gilt als CSU-nah, sie engagiert sich gegen Antisemitismus. Im taz-Interview fordert sie die Menschen auf, für die Demokratie zu kämpfen.
Die Schauspielerin Uschi Glas fordert mehr Engagement für die Demokratie. „Ich blicke auf die Vergangenheit meiner Eltern, in meinen Albträumen sehe ich 1933, die Machtübernahme. Und dann denke ich: Wir dürfen nicht noch länger warten, wir müssen aufstehen und für die Demokratie kämpfen“, sagt sie im Interview mit der wochentaz (Ausgabe vom 16. Mai).
Uschi Glas kennen die Älteren aus Filmen wie „Zur Sache, Schätzchen“, die Jüngeren aus „Fack ju Göhte“. Die Schauspielerin äußerte sich immer wieder auch politisch. Uschi Glas gilt als konservativ und CSU-nah, sie distanzierte sich teils aber auch von der Partei, etwa in der Flüchtlingspolitik.
Seit Jahren engagiert sie sich gegen Antisemitismus. Nach dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 lief sie in München regelmäßig bei Demonstrationen für die Befreiung der Geiseln mit. Im taz-Interview sagt sie: „Jetzt, wo wir wieder ein Erstarken des Antisemitismus erleben, wie ich es mir nie hätte vorstellen können, ist für mich die schweigende Mehrheit die größte Gefahr für die Demokratie.“ Sie glaube nicht, dass alle Leute, die nach dem 7. Oktober nicht auf die Straßen gegangen seien, etwas gegen Israel oder gegen jüdische Mitbürger hätten. „Sie halten sich einfach raus, und das finde ich falsch.“
Glas betonte, dass es wichtig sei, mit politisch andersdenkenden Menschen zu reden. „Von diesem ständigen Ausgrenzen halte ich nichts.“ Sie selbst suche den Austausch. Sie habe jedoch auch schon erlebt, dass ein Gespräch mit AfD-Anhängern nicht mehr möglich war. „Einige Freunde sind so zu Bekannten geworden, das ist eine traurige Erfahrung. Wenn Menschen in ihrer Meinung sehr festgefahren sind, ist eine Diskussion kaum möglich.“
Uschi Glas sorgt sich um die Demokratie, bei den „Omas gegen Rechts“ mitmachen will sie aber nicht. Sie sagte: „Ich wäre sofort dabei, wenn sie ‚Omas für Demokratie‘ hießen.“
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