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Katastrophenschutz an der OstflankeBlaue Dreiecke und Verteidigungsunterricht

In den baltischen Staaten sind Vorbereitungen auf den Angriffsfall viel extensiver als im Rest Europas. Auch aus Angst vor dem Nachbarn Russland.

108. Jahrestag der Republik Estland: Militärparade der estnischen Streitkräfte in Tallinn, 2026 Foto: Mihkel Maripuu/imago
Tanja Tricarico

Aus Tallinn

Tanja Tricarico

An den Schächten zu den mittelalterlichen Kanonentürmen ist es zu sehen, am Bahnhof, am Eingang zu einem beliebten Markt nahe der Altstadt Tallinns: ein blaues Dreieck, das darauf hinweist, das sich hier der Zugang zu einem Bunker befindet. Katastrophenschutz gehört in Estland zum Alltag. Unaufgeregt und doch mit der Gewissheit, dass der Ernstfall möglich ist. Denn im Fall der Fälle, also vor allem eines russischen Angriffs, soll die Bevölkerung wissen, was zu tun ist und wo sie Schutz suchen kann.

Rund 13 Millionen Euro hat die estnische Regierung allein 2025 in den Zivilschutz investiert. Diese Investitionen sollen unter anderem Rettungsmaßnahmen, Schutzräume, Warnsysteme oder Kampagnen für das öffentliche Bewusstsein abdecken, sagte Hedi Arukase, Leiterin der estnischen Zivilschutzbehörde der taz. Bei rund 1,3 Millionen Menschen, die in Estland leben, eine hohe Summe.

Laut einer Erhebung der Universität Lettlands sehen rund 50 Prozent der Es­t:in­nen die größte Bedrohung in einer militärischen Attacke, im litauischen Vilnius sind es sogar fast 70 Prozent der Bevölkerung, im lettischen Riga rund 56 Prozent. Für die Erhebung wurden Befragungen in den Hauptstädten gemacht.

Im Notfall ist Tempo entscheidend, heißt es beim estnischen Rettungsservice. Dabei wird kein Unterschied gemacht, ob es sich um einen Giftunfall handelt, um eine Explosion – oder um Drohnenvorfälle, zu denen es im vergangenen Jahr öfters kam. Gewarnt wird über die Warnapp EE-Alarm. Laut der Uni-Umfrage können zudem rund 60 Prozent der Befragten in Tallinn einen Sirenenalarm erkennen und sich entsprechend in Sicherheit bringen. In allen drei baltischen Ländern haben sich zwischen 60 und 70 Prozent der Bevölkerung mit Lebensmitteln für die nächsten 72 Stunden eingedeckt.

Militärische Verteidigung ist Priorität Nummer eins

Auf der Prioritätenliste ganz oben steht die militärische Verteidigung im Angriffsfall. Bereits an weiterführenden Schulen gibt es in Estland das Fach „Nationale Verteidigung“. Teil des Unterrichts sind Erste Hilfe, der Umgang mit Waffen oder auch Einheiten zur Militärgeschichte Estlands. Das Ganze wird ergänzt durch ein Outdoor-Camp, bei dem die Jugendlichen dann auch schießen dürfen.

Derzeit findet in Südestland das Manöver „Spring Storm“ statt. Nato-Einheiten aus 16 Ländern nehmen daran teil. Und auch etliche Est:innen, die sich als Reservisten gemeldet haben. Die estnische Armee verfügt laut Sicherheitsexperten über rund 100.000 Reservisten, die im Ernstfall in kurzer Zeit eingesetzt werden könnten. All diese Maßnahmen zusammen erklären vielleicht auch dieses Ergebnis: In allen drei baltischen Ländern fühlen sich bis zu 90 Prozent der Menschen sehr sicher und rechnen nicht mit einer größeren Katastrophe in den nächsten zehn Jahren.

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3 Kommentare

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  • Innerhalb eines Tags ist mensch von der deutschen Ostsee mit der Fähre im Baltikum, es gibt auch Bahnen und vor allem Busse, um bezahlbar herumreisen zu können. Ein Reiseziel.



    Bitte nicht für kleine grüne Männchen aus dem Osten Estlands.

  • 13 Mio sind dort 10€ pro Einwohner, bei 10 Mrd die Dobrindt ausgeben will sind wir bei ca. 120€ pro Einwohner. Wetten das dank Lobbyismus und Bürokratie und der Umleitung der Mittel nach Bayern die Wirkung hinterher bei 1€ pro Einwohner landet.

  • Der litauische Außenminister – ein Mann, der offenbar denkt, Kaliningrad sei eine Art ungelöste Aufgabe aus dem Strategiespiel “Risiko”. Sein Vorschlag: Einfach mal die Nato losschicken, um das ehemalige Königsberg zurückzuholen. Vielleicht hat er vergessen, dass dort nicht nur Immanuel Kants Geist spukt, sondern auch ein paar russische Raketen. Und die Umfrage der Universität Lettlands? In Tallinn sehen 50 Prozent der Esten die größte Bedrohung in einem militärischen Angriff – vermutlich, weil sie gerade erst ihre E-Residency beantragt haben und keine Lust auf Server-Ausfälle haben. In Vilnius sind es fast 70 Prozent – da scheint die Sorge so groß zu sein, dass man lieber eine zweite Altstadt für Touristen baut. Und in Riga? 56 Prozent. Der Rest? Wahrscheinlich zu sehr mit dem Genuss von Rigaer Bier beschäftigt, um sich um geopolitische Spannungen zu kümmern. Die Erhebung wurde in Hauptstädten durchgeführt – also genau dort, wo die Menschen ohnehin am meisten Angst vor allem haben, was nach “Militärkonvoi” klingt. Auf dem Land hingegen fragt man sich eher, ob die Kartoffelernte gut wird. Aber klar, Hauptstädte sind ja bekanntlich der Nabel der Welt