Nahrungsergänzungsmittel: Das Geschäft mit der Gesundheit
Influencer-Werbung für Nahrungsergänzungsmittel ist oft irreführend. Um Schaden abzuwenden, braucht es eine klarere Regulierung.
K leine bunte Tabletten sollen Krebs heilen, Depressionen lindern und die Libido steigern. Nichts hält Influencer:innen davon ab, genau das zu versprechen – und dafür bis zu 10.000 Euro pro Post zu kassieren.
Hinter diesen Versprechen steckt meistens keine Wissenschaft, sondern ein Geschäftsmodell. Eines, das auf Kosten der menschlichen Gesundheit funktioniert. Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt: Rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland greifen zu Kapseln, Pulvern und Tropfen. Mit Aussagen „in klinischen Studien erwiesen“ wird der Eindruck vermittelt, dass die Produkte seriös sind, oft zu Unrecht.
Die Verbraucherzentrale warnt vor „nicht verkehrsfähigen Nahrungsergänzungsmitteln“ sowie vor unzulässiger und irreführender Werbung. Die meisten dieser Aussagen tauchen im offiziellen Onlineshop gar nicht auf und Instagram-Stories verschwinden nach 24 Stunden.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung kann es zu gefährlichen Folgen einer unnötigen Supplementierung kommen. So führte eine Überdosierung von Vitamin D bisweilen zu hohen Calciumwerten – mit Folgen wie Nierensteinen, Gefäßverkalkung und Herzrhythmusstörungen.
Gefährliche Wechselwirkungen
Vitamin K wiederum kann mit dem Blutgerinnungshemmer Warfarin wechselwirken und dessen lebensnotwendige Wirkung abschwächen.
Einige Nahrungsergänzungsmittel enthalten klar gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe. Giftiges Dinitrophenol wird in Europa illegal als Fatburner verkauft: 2015 gab es nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung sogar einen Todesfall nach der Einnahme des Präparats. Erst vor wenigen Wochen wurde in einer Honigpaste das Potenzmittel Sildenafil nachgewiesen – ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff, der schwere Nebenwirkungen wie Herzrasen oder Sehstörungen auslösen kann.
Über mögliche Nebenwirkungen hält sich die Werbung bedeckt. Fest steht: Es braucht strengere Regeln bei der Vermarktung solcher Präparate, um die Verbraucher:innen in Deutschland vor gesundheitlichem Schaden zu bewahren.
Nur noch 460 – dann sind wir 50.000
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert