piwik no script img

Putin und Trump in ChinaDer hofierte KP-Chef

Sven Hansen

Kommentar von

Sven Hansen

In Peking geben sich die Regierungschefs der USA und Russlands die Klinke in die Hand. Dabei ist klar, wer von den beiden Chinas Präsident Xi nähersteht.

Peking, China, 19. Mai: In einem Souvenirladen steht ein Teller mit Russlands Präsident Putin und Chinas Präsident Xi Foto: Jessica Lee/epa

D ass nur wenige Tage nach dem US-Präsidenten Donald Trump der russische Machthaber Wladimir Putin Chinas Präsident Xi Jinping besucht, ist zwar Zufall. Schließlich war Trumps Besuch ursprünglich schon für März geplant gewesen, bevor er auf die törichte Idee kam, den Irankrieg vom Zaun zu brechen. Als der nicht so lief, wie in Washington erhofft, verschob Trump seinen Peking-Trip. Das Ergebnis: In nicht einmal einer Woche machten der amerikanische wie der russische Präsident China die Aufwartung und kürten es symbolisch so nicht nur zum neuen Reich der Mitte, sondern auch zum hofierten Partner.

Dabei ist es noch nicht lange her, da haben die USA mit Barack Obamas „Pivot to Asia“, Joe Bidens Eindämmungspolitik und Trumps Zolldrohungen sowie diversen bis heute geltenden Sanktionen versucht, Peking auf Abstand und zugleich machtpolitisch kleinzuhalten. Ein Ausdruck der bewussten Animosität davon ist auch, dass es neun Jahre gedauert hat, bis ein US-Präsident wieder den Weg nach Peking gefunden hat.

Doch siehe da: Auf einmal macht Trump angesichts schlechter Umfragewerte, nicht zuletzt mit Blick auf die Midterms, bei Xi den Kratzfuß. Er warb um dessen Unterstützung, die er braucht, um noch einigermaßen gesichtswahrend aus dem Iran-Desaster herauszukommen. Doch der umworbene Xi hielt sich nicht nur bedeckt, sondern drohte Trump noch im Falle Taiwans mit Härte. Trump schien überrumpelt und sagte dazu nichts.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Und jetzt kommt Putin. Es ist sein 25. Besuch in Peking. Das allein zeigt, wo China steht. Nicht zwischen den USA und Russland, sondern eindeutig an der Seite Moskaus. Während Trump Xi einseitig zum großartigen Führer erklärte, beruht die „grenzenlose Freundschaft“ zwischen Xi und Putin stärker auf Gegenseitigkeit. Beide sind sich einig, dass die Zeit der US-Hegemonie vorbei ist. Dass sie dabei viele eigene Probleme und auch viele unterschiedliche Interessen haben, steht auf einem anderen Blatt und nützt Trump derzeit gar nichts.

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Sven Hansen
Auslandsredakteur (Asien)
Asienredakteur seit 1997, studierte Politologie in Berlin und Communication for Development in Malmö. Organisiert taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit JournalistInnen aus Südostasien und Han Sens ASIENTALK. Herausgeber der Editionen Le Monde diplomatique zu Südostasien (2023), China (2018, 2007), Afghanistan (2015) und Indien (2010). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @SHansenBerlin
Mehr zum Thema

0 Kommentare

  • Noch keine Kommentare vorhanden.
    Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!