piwik no script img

Israelische Aktivitäten in IrakIsrael versteckt Militärposten in der Wüste

Israelische Sol­da­t*in­nen sollen im Irak laut Medienberichten geheime Militärbasen errichtet und auf Zivilisten geschossen haben. Wie souverän ist der Irak?

Der Truck des Schäfers, der mutmaßlich von israelischen Soldaten angegriffen worden war Foto: Qassem Al-Kaabi/afp

In der irakischen Westwüste, einer endlosen Weite aus Sand und Geröll unter der sengenden Sonne, sollen zwei Militärposten emporragen. Doch nicht irakische, sondern israelische Sol­da­t*in­nen sollen sie errichtet haben. Auch sollen sie auf Menschen gefeuert haben, die sich den Außenposten genährt haben – mit tödlichen Folgen. Das berichtet die US-Zeitung The New York Times und beruft sich dabei auf irakische Offiziere, Augenzeugen und Experten.

Israel, ein mit Irak verfeindeter Staat, soll über ein Jahr lang die zwei Stützpunkte auf irakischem Boden betrieben haben, unter anderem haben diese offenbar dazu gedient, israelische Streitkräfte bei den Luftangriffen auf den Iran zu unterstützen. Iran ist indes ein wichtiger regionaler Partner des Iraks. Ob die irakische Regierung davon wusste?

Eine Anfrage der taz blieb bis zur Veröffentlichung unbeantwortet. Laut der New York Times ist dies ebenfalls unklar. Ein irakischer Generalmajor sagte der Zeitung, man habe bereits Anfang des Jahres etwas vermutet. Doch die Regierung äußerte sich bislang nicht dazu. Das Gemeinsame irakische Einsatzkommando verneinte, dass es unerlaubte Militärposten im Land gebe.

Die Berichte werfen Fragen auf, über die Souveränität Iraks auf eigenem Boden und die Sicherheitslage in den abgelegensten Regionen. Sowie über die Beziehungen zu seinen regionalen Nachbarn und dem Westen.

Komplizierte Beziehung

Irak und Iran haben eine schiitische Bevölkerungsmehrheit sowie enge Kooperationen im Energiebereich. Etwa ein Drittel des Stroms im Irak stammt aus Anlagen, die sich mit iranischem Gas speisen. Ein Fünftel der Waren auf irakischen Märkten stammt aus Iran, gut 12 Milliarden US-Dollar, etwa 10 Milliarden Euro, betrug 2024 der Handel zwischen beiden Ländern.

Politisch gesehen, ist die Beziehung komplizierter. Nach dem Sturz des sunnitischen Diktators Saddam Hussein durch US-Truppen im Jahr 2003 haben die beiden Nachbarländer ihr Verhältnis verstärkt und verbessert, wenn auch dies die irakische Regierung in eine komplizierte Lage bringt. Zum einen sind schiitische Milizen im Land aktiv, vom Iran unterstützt, die immer mal wieder der Menschenrechtsverletzungen an Zi­vi­lis­t*in­nen beschuldigt werden.

Ein Teil von diesen Milizen sind in den Staat integriert und operieren unterdes neben der regulären Armee. Andere richten ihre Operationen eher gegen Israel und die USA, vor allem seit dem Krieg in Gaza und dann gegen Iran.

Die USA versuchen seit eh und je die irakische Regierung dazu zu bringen, den Einfluss dieser Milizen einzuschränken. Doch bislang ohne großen Erfolg. Gleichzeitig will Bagdad eine Konfrontation mit den USA vermeiden und sich die wirtschaftlichen Beziehungen mit Washington nicht verspielen.

Das Pentagon weigerte sich auf Nachfrage, Fragen zu den israelischen Geheimbasen zu beantworten. Anonyme Offiziere sagten der US-Zeitung, die Existenz der Stützpunkte sei den USA mindestens seit Juni 2025 bekannt gewesen. Das israelische Militär ließ die Anfrage der taz unbeantwortet.

Schäfer entlarvt israelisches Militär

Doch wie flogen die Militärposten auf? Eine der zwei Geheimbasen ist offenbar einem Schäfer aufgefallen, der nicht allzu weit entfernt wohnte. Er meldete den irakischen Streitkräften eine ungewöhnliche Aktivität mitten in der Wüste: Soldaten, Helikopter und Zelte neben einer Landebahn. Doch als er in seinen Toyota-Pick-up stieg und sich auf dem Weg ins nächstgelegene Dorf machte, trafen ihn Schüsse und Rakete aus dem Himmel.

Sein Pick-up blieb im Sand stehen, verkohlt, die Türen mit Einschusslöchern gesäumt. Die Bilder kursieren im Netz. Das Geschehen rekonstruieren Familie und Augenzeugen. Beduinen, die in der Nähe ihr Lager aufgeschlagen hatten, haben nach eigenen Angaben die Tötung beobachtet.

Das war am 3. März 2026. Einen Tag später haben irakische Streitkräfte das Gebiet erkundet – und sind selbst unter Feuer geraten. Ein Soldat kam dabei ums Leben, zwei weitere trugen Verletzungen davon. Das Team zog sich zurück. Das Gemeinsame irakische Einsatzkommando sprach von „ausländischen Soldaten“, die seine Truppen angegriffen hatten.

Auf Spuren der Militärbasen

Wieso der Irak mutmaßlich ausgewählt wurde, ist ungewiss, doch aus geopolitischer Sicht relativ gut erklärbar. Irak teilt eine knapp 1.600 Kilometer lange Grenze mit Iran und liegt neben Jordanien, Israels Nachbarn. Außerdem zwangen die USA laut der New York Times die irakische Regierung, ihre Radare während der israelisch-iranischen Kriege auszuschalten, um US-Flugzeuge zu schützen.

Inzwischen durchkämmen irakische Truppen die Nadschaf-Wüste im Südwesten des Landes, wie arabische Medien berichten. Auf Jeeps, zu Fuß, in Vollmontur. Ob dies ausreicht, um den Unmut in der Bevölkerung zu besänftigen, Spuren der Militärbasen zu finden und weitere Geheimoperationen zu verhindern, ist fraglich.

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare