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Trumps Triumphbogen in WashingtonNoch nicht mal die Avantgarde der Gestrigen

Kommentar von

Sophie Jung

Eine Kommission hat Trumps Triumphbogen-Projekt für Washington D.C. durchgewunken. Die Architektur funzt halt, würden Napoleon oder Albert Speer denken.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, hält Baupläne zum Triumphbogen hoch Foto: Alex Brandon/ap/dpa

H atte irgendjemand daran gezweifelt, dass Trump sein Triumphbogen-Projekt wirklich umsetzen würde? Denn im US-Kulturbetrieb zieht der US-Präsident seine Make-America-Great-Again-Politik mit beängstigender Stringenz durch. Ästhetisch rückt er die USA durch Dekrete, Personalien und so konkrete Fakten wie den abgerissenen Ostflügel des Weißen Hauses zunehmend in sein fantasmagorisches MAGA-Vergangenheitsbild hinein. Und das liegt irgendwo zwischen dem Klassizismus zur Zeit der Staatsgründung und den suburbanen 1950ern der Tupperware-Parties.

Nun steht also fest, dass ein 76 Meter hoher Triumphbogen in Washington D.C. in Gedenken an Trumps nunmehr 79-jährige Person und ein bisschen an das 250-jährige Bestehen der USA gebaut werden soll.

Die Kommission der schönen Künste – deren Mitglieder im vergangenen Jahr von Trump gefeuert und dann durch Gefolgsleute ersetzt worden waren – stimmte am Donnerstag einstimmig für das Denkmal. Es sieht dem napoleonischen Triumphbogen in Paris an der Avenue des Champs Élysées ziemlich ähnlich, wäre dem Trump’schen Modell nicht noch ein riesiger goldener Engel samt Fackel und Krone aufgesetzt worden, flankiert von zwei goldenen Adlern. „United States Triumphal Arch“ soll das MAGA-Ding heißen.

Zur Avantgarde der Gestrigen gehört Trump mit seinem Triumphbogenprojekt aber nicht. Nordmakedonien etwa zeigte schon vor über einer Dekade, wie great again es sein konnte, als es 2014 in seiner Hauptstadt Skopje ein ganz ähnliches Bauwerk präsentierte. Auch hier war das Vorbild Napoleons Triumphbogen, mit rund 20 Metern Höhe nur deutlich kleiner als das 50 Meter hohe Original in Paris.

Beispiel Nordmazedonien

Der rechtspopulistische Ministerpräsident Nikola Gruevski – vor Jahren musste er wegen Korruptionsvorwürfen aus dem Land fliehen – hatte im Zuge seiner „Identitätspolitik“ ganz Skopje mit so einer pseudo-antiken Architektur überformt. Dass er dabei eine griechisch-antike Vergangenheit Nordmakedoniens beschwören wollte, im Triumphbogen aber ein bauliches Vorbild der römischen Antike findet, scheint nicht von Belang gewesen zu sein.

Denn so ein antik-römischer Triumphbogen, mit seinen kräftig hervortretenden Säulen und verzierten Gesimsen, dem kriegs-erzählenden Bauschmuck funzt einfach mehr als so ein karger griechisch-antiker Säulenumgang. Das wusste man in Frankreich schon lange. Die dortige klassizistische Baukunst orientierte sich immer eher an der römischen Antike.

Besonders der Architekt Jean-François-Thérèse Chalgrin. Napoleon I. hatte ihn 1806 damit beauftragt, in Paris ein Denkmal zu Ehren der Grande Armée zu entwerfen. Fertig wurde der Triumphbogen nach römischen Vorbild dann erst 1836, da war der einstige Kaiser Napoleon schon längst abgesetzt und tot.

Dass der Pariser Triumphbogen derartig beliebt ist unter antidemokratischen Geschichtsverklärern wie Trump oder Gruevski mag auch an seiner städtebaulichen Einbindung liegen: Zwölf breite Straßenachsen laufen sternförmig auf ihn zu. Das ist ein Traum für die autoritäre Stadtplanung. Albert Speer strebte ähnliche Aufmarschachsen an, als er für die Nazis die Siegessäule auf dem Stern im Berliner Tiergarten platzierte. Auch Trumps Triumphbogen soll auf einer Verkehrsinsel am Ende der Arlington Memorial Bridge in einer Achse mit dem Lincoln Memorial entstehen.

Wer hat's erfunden?

Und wer hat das eigentlich alles für Trump entworfen? Das in Washington D.C. ansässige Architektur- und Designbüro Harrison Design, insbesondere deren Büropartner Nicolas Leo Charbonneau. Der hat sich bislang mit katholischen Kirchenbauten in den Ostküsten-Staaten hervorgetan.

Die sind ein Cocktail der europäischen Architekturgeschichte. Seine St. Ambrose Catholic Church in Annandale hat innen ein bisschen was von Florentiner Renaissance – ein paar schöne Rundbögen und Oculi – außen umgibt sie eine Backstein-Creme aus Romanik und Gotik.

Gegen den Bau des imperialen „United States Triumphal Arch“ hatten in den USA Veteranen und Architekturhistoriker geklagt. Er bedürfe der Zustimmung des Kongresses. Denn, so das Argument der Kläger, er beeinträchtige die Sichtachse zwischen zwei Denkmälern, die vor rund 100 Jahren bewusst so angelegt worden sei. Der MAGA-römische Trump-Bogen soll nämlich einmal zwischen dem Arlington National Cemetery und dem Lincoln Memorial – übrigens von Architekt Henry Bacon noch im schlichten Stil des Greek Revival nach Vorbild des Athener Parthenons entworfen – stehen.

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Den Kongress aber scheint Trump ignorieren zu wollen: „Wir machen es“, zitieren ihn die Nachrichtenagenturen. „Wir brauchen nichts vom Kongress.“

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