piwik no script img

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++Ukraine beantragt sofortige Sitzung im UN-Sicherheitsrat

Bei russischen Angriffen mit Hyperschallraketen gab es in der Ukraine mehrere Tote. Außenminister Andrij Sybiha spricht von „barbarischer Raketenattacke“.

Nach dem russischen Angriff: ein verletzter Mann mit seinem Hund in Kyjiw Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat nach den massiven russischen Luftschlägen gegen die Hauptstadt Kiew die internationale Gemeinschaft zu einer „starken Antwort an den Aggressor“ aufgefordert. Der Minister beantragte laut einer Mitteilung auf der Plattform X eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats und eine Zusammenkunft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Sybiha warf Russland vor, mit der „barbarischen Raketenattacke“ in der vergangenen Nacht fehlende militärische Fortschritte auf dem Schlachtfeld im Angriffskrieg gegen die Ukraine kompensieren zu wollen.

Allein in Kiew wurden mindestens zwei Menschen getötet. Die Zahl der Verletzten stieg laut Bürgermeister Vitali Klitschko bis zum frühen Abend auf 81. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte in den sozialen Netzwerken mit, es seien etwa 100 Menschen bei den Angriffen im Land verletzt und mindestens vier getötet worden.

Auch Regierungsgebäude beschädigt

Bei den Attacken wurden laut Behörden auch Regierungsgebäude beschädigt, darunter das Außenministerium und das Kabinettsgebäude. Verletzte gab es demnach an dem arbeitsfreien Sonntag aber nicht. Ukrainischen Medien zufolge wurde auch ein Haus beschädigt, in dem Präsident Selenskyj eine Wohnung besitzt.

„Putin versucht, die Ukraine einzuschüchtern, indem er Zivilisten angreift und Wohngebäude, Museen, Schulen sowie kritische Infrastruktur zerstört“, sagte Außenminister Sybiha. Der Kremlchef versuche das außerdem, indem er Mittelstreckenraketen auf friedliche Städte abfeuere. Russland hatte zuvor den Einsatz seiner neuen und wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchteten Oreschnik-Rakete bestätigt.

Die internationale Gemeinschaft müsse reagieren, meinte Sybiha. „Wir fordern unsere Partner nachdrücklich auf, entschlossene multilaterale Maßnahmen zu ergreifen, um Russland abzuschrecken und es zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden zu bewegen“, betonte der Minister. (dpa)

Russland meldet Toten

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in Russland ist nach Angaben örtlicher Behörden ein Zivilist getötet worden. Der Angriff traf demnach am Sonntagmorgen die Stadt Graiworon in der Region Belgorod an der Grenze zur Ukraine.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in der Nacht zum Sonntag seien 33 ukrainische Drohnen abgeschossen oder elektronisch gestört worden. Betroffen gewesen seien unter anderem die Region Moskau, Gebiete im Westen und Südwesten Russlands sowie die von Russland besetzte ukrainische Halbinsel Krim. (dpa)

Nicht alle Raketen auf Kyjiw abgefangen

Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj bei dem russischen Großangriff im Raum Kyjiw nicht alle ballistischen Raketen abfangen können. Die meisten Einschläge hätten die Hauptstadt getroffen, das Hauptziel des Angriffs, sagte Selenskyj.

Die offenbar gescheiterten Abfangversuche verdeutlichen den anhaltenden Mangel der Ukraine an Luftabwehrraketen, die ballistische Flugkörper abschießen können. Kiew ist dabei stark auf US-Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot angewiesen. Die dafür nötigen Abfangraketen bleiben jedoch knapp und gehören zu den dringendsten Forderungen der Ukraine an ihre westlichen Partner.

Eine eigene Alternative aus ukrainischer Produktion zu entwickeln, ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums inzwischen eine der wichtigsten Prioritäten. Dafür braucht das Land allerdings Zeit und zusätzliche Finanzierung.

Nach dem russischen Großangriff wüteten in Kiew bis Sonntagmorgen Brände. Schäden seien an 50 Orten in mehreren Bezirken registriert worden, darunter an Wohnhäusern, Einkaufszentren und Schulen, teilte der ukrainische Katastrophenschutz auf Telegram mit. Auch Gebäude der Polizei seien beschädigt worden.

„Es war eine schreckliche Nacht. So etwas hat es im gesamten Kriegsverlauf noch nie gegeben“, sagte die 55-jährige Einwohnerin Switlana Onofryitschuk, die seit 22 Jahren auf einem Kiewer Markt arbeitet, der bei dem Angriff beschädigt wurde. „Es tut mir unendlich leid, dass ich mich nun von Kiew verabschieden muss. Ich werde dort nicht bleiben – es gibt dafür keine Möglichkeit mehr.“ (ap)

Russland setzt Oreschnik-Rakete ein

Russland hat bei Angriffen auf die Ukraine ein weiteres Mal auch die neue ballistische Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt. Das teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntag mit.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Einsatz der Hyperschallrakete, die nach Angaben Moskaus die zehnfache Schallgeschwindigkeit erreicht. Es handelt sich um den dritten Einsatz der Rakete seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022.

Selenskyj erklärte, die Oreschnik sei während umfassenden Drohnen- und Raketenangriffen in der Nacht zum Sonntag auf Kyjiw zum Einsatz gekommen, bei denen mindestens zwei Menschen getötet wurden. Andere Medien sprechen bereits von 4 Toten. Laut den ukrainischen Behörden wurden mehr als 80 weitere Menschen verletzt und Wohngebäude, Schulen sowie ein Markt beschädigt.

Die Oreschnik, die sowohl mit konventionellen als auch nuklearen Sprengköpfen bestückt werden kann, schlug laut Selenskyj in der Stadt Bila Zerkwa in der Region Kyjiw ein.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Ziel der jüngsten Angriffe seien ukrainische militärische Führungs- und Kontrollanlagen, Luftwaffenstützpunkte sowie Unternehmen der Rüstungsindustrie gewesen. Es habe sich um Vergeltung für Angriffe der Ukraine auf zivile Ziele in Russland gehandelt.

Auch das ARD-Studio in Kyjiw wurde nach Angaben des Senders massiv beschädigt und in Teilen zerstört – wahrscheinlich durch eine Druckwelle, die Fenster bersten, Räume verwüsten und Wände einstürzen ließ. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich laut ARD keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Studio. (afp/taz)

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare