piwik no script img

Dopingspiele in Las VegasEin Weltrekord und viel Mittelmaß

Die Premiere der Enhanced Games, bei denen Doping ausdrücklich erwünscht ist, verläuft unspektakulär. Das Format könnte dennoch Zukunft haben.

Gefeierter Weltrekord mit Doping: Der griechische Schwimmer Kristian Gkolomeev freut sich auch über üppiges Preisgeld Foto: Jae C. Hong/ap

Aus Las Vegas

Hansjürgen Mai

Versprochen wurde ein Spektakel mit Weltrekorden und übermenschlichen Leistungen. Am Ende konnten die Athleten, die bei den ersten Enhanced Games im amerikanischen Las Vegas teilnahmen, nur einen Weltrekord brechen. Das Konzept der Sportveranstaltung, bei dem Doping nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht ist, könnte trotzdem eine Zukunft haben.

Grund dafür sind die hohen Preisgelder und die Idee, unter medizinischer Aufsicht das Maximum der „menschlichen“ Leitungsfähigkeit zu erkunden. Für die Investoren hinter diesem kontroversen Konzept geht es zudem darum, ein neues, potenziell milliardenschweres Geschäftsfeld zu erschließen.

Doch zunächst zur Sportveranstaltung selbst. Es war kein Zufall, dass die erste Auflage der Enhanced Games in der selbsterklärten Entertainment-Hauptstadt ausgetragen wurde. Bei deutlich über 30 Grad im Schatten schwitzen nicht nur die Athleten, sondern auch die knapp 2.000 geladenen Gäste.

Der „Made for TV“-Event bot Wettkämpfe in drei Sportarten: Gewichtheben, Schwimmen und Leichtathletik. In verschiedenen Kategorien kämpften insgesamt 42 Athleten und Athletinnen, um Anerkennung und Geld. Viel Geld. Laut den Veranstaltern standen bis zu 25 Millionen Dollar an Preisgeldern zur Verfügung.

325.000 Dollar Preisgeld an einem Tag

Für einen Gewinn in den jeweiligen Wettkämpfen gab es 250.000 Dollar. Wenn man bedenkt, dass Sport­le­r:in­nen in Randsportarten – wie es die hier genannten – oft am Existenzminimum nagen, dann ist dies durchaus ein Anreiz, an diesen Wettkämpfen teilzunehmen.

Schwimmer Marius Kusch, einer von zwei deutschen Teilnehmern im Feld, machte im Vorfeld keinen Hehl daraus, dass der finanzielle Aspekt eine nicht unerhebliche Rolle spielt. „Ich hätte meine erste (dopingfreie) Laufbahn wahrscheinlich zehnmal durchlaufen müssen, um ähnlich viel Geld zu verdienen“, sagte der Olympia-Teilnehmer von Tokio 2021 während einer Presserunde am Freitag.

Für Kusch ging das Konzept am Ende auf. Mit einem Sieg über 100-Meter-Brust und einem dritten Platz über die 50-Meter-Distanz gewann der 33-Jährige 325.000 Dollar. Außerdem konnte er in beiden Distanzen jeweils eine neue persönliche Bestzeit aufstellen.„Man sieht gut aus, man fühlt sich gut und man schwimmt schnell“, erklärte Kusch nach seinem Sieg über 100-Meter-Brust.

Für das Highlight des Abends sorgte allerdings der griechische Schwimmer Kristian Gkolomeev. Er stellte mit 20,81 Sekunden einen neuen „Weltrekord“ über die 50-Meter-Kraulen auf. Die vorherige Bestmarke über diese Distanz lag bei 20,88 Sekunden.

Da Gkolomeev allerdings gedopt war und auch einen vom internationalen Schwimmverband World Aquatics verbotenen Schwimmanzug trugt, wird diese neue Bestmarke nicht offiziell anerkannt. Eine Million Dollar an zusätzlichem Preisgeld sollten ihn jedoch darüber hinwegtrösten.

Insgesamt schütteten die Veranstalter 7 Millionen Dollar an Preisgeldern aus. Dreizehn Ath­le­ten:­in­nen konnten neue persönliche Bestzeiten aufstellen. Und trotzdem war das sportliche Geschehen eher durchschnittlich. Dies mag zum einen am Teilnehmerfeld liegen, welches zwar Olympia-Sieger aufführte, aber vor allem Sport­le­r:in­nen am Ende ihrer aktiven Karriere oder darüber hinaus enthielt. Auch zwei nicht gedopte Athleten traten bei den Enhanced Games an.

Sowohl der amerikanische Schwimmer Hunter Armstrong als auch die aus Barbados stammende Sprinterin Tristan Evelyn konnten sich in zwei Wettbewerben gegen ihre jeweils gedopten Kontrahenten durchsetzen. Dies beweist, dass Doping allein doch nicht reicht, um zu gewinnen.

Entertainment und Business

Neben den sportlichen Wettkämpfen bot die Veranstaltung auch musikalische Einlagen, wie die Band The Killers, die den Abend mit ihrem Auftritt ausklingen ließ. Die erste Auflage der Enhanced Games dürfte an der weitläufigen Kritik, die es im Vorfeld von vielen Seiten gab, keinen Abbruch getan haben.

Eine Veranstaltung, in der Doping – wenn auch unter medizinischer Betreuung – ausdrücklich erlaubt ist, widerspricht dem Verständnis eines sauberen Sports von vielen Menschen. Hinzukommt, dass die Enhanced Games nur ein Marketingprodukt sind, um rezeptpflichtige Medikamente sowie andere Präparate zur Leistungssteigerung unter die Leute zu bringen.

In einer Sportwelt, in der zu viele vermeintlich saubere Athleten leider ebenfalls Performance Enhancing Drugs (PEDs) anwenden und wo Preisgelder oft nicht einmal ausreichen, um die Trainings- und Reisekosten zu denken, scheinen die Macher der Enhanced Games jedoch eine Marktlücke entdeckt zu haben.

Weitere „One-Off-Events“ sowie jährliche Enhanced Games – vorerst in Las Vegas – sind laut Geschäftsführer Maximilian Martin bereits geplant.

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare