Nius-Werbung in der Berliner U-Bahn: Auf dem falschen Gleis
Das rechte Portal „Nius“ darf bei den Berliner Verkehrsbetrieben präsent sein. Die sagen, es sei nur Werbung. Doch damit macht es sich das Unternehmen zu leicht.
T äglich sind rund 3,1 Millionen Menschen mit den Berliner Verkehrsbetrieben unterwegs. Für viele Berliner*innen gehören U-Bahn oder Bus zu den wenigen Orten, die sie täglich sehen – neben Wohnung oder Büro. Gerade deshalb trägt die BVG eine besondere Verantwortung dafür, welche Botschaften sie auf ihren Werbeflächen sichtbar machen. Dass dort nun Werbung für das rechtspopulistische Portal „Nius“ läuft, ist ein Problem.
Denn „Nius“ hat sich seit seiner Gründung 2023 einen zweifelhaften Ruf erarbeitet. Es fällt regelmäßig durch Desinformation, rechtspopulistische Zuspitzungen und menschenfeindliche Stimmungsmache auf. Und dieses Portal kann jetzt sehr präsent in vielen U-Bahnen schreiben: „Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird“. Dieser Satz spielt auf die Tagesschau an und suggeriert, dass öffentlich-rechtliche Medien die Bevölkerung bewusst belügen würden. Dabei ist „Nius“ wirtschaftlich keineswegs die Erfolgsgeschichte, als die es sich inszeniert. Das Portal steckt tief im Minus. Die groß angelegte Werbekampagne wirkt wie ein verzweifelter Versuch gegenzusteuern.
Die BVG weist die Verantwortung übrigens von sich. Werbung würde von externen Partnern vermarktet, heißt es. Mit den Grundwerten der BVG dürften „Nius“-Inhalte auch nicht übereinstimmen. „Wir stehen öffentlich und aus Überzeugung für Offenheit, Respekt und ein demokratisches Miteinander ein.“ Aber es gelte: Werbung sei „nicht gleichzusetzen mit der Haltung der BVG“.
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Aber wer täglich Millionen Menschen befördert, kann sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Werbung schafft Sichtbarkeit und normalisiert deren Inhalte im öffentlichen Raum. Die BVG entscheidet darüber, welchen Akteur*innen sie diese Bühne bietet. Und wenn „Nius“ okay war, was folgt dann als Nächstes? Werbung für den Dritten Weg, für einschlägige rechtsradikale Onlineshops? Wenn sich die BVG ernsthaft für ein demokratisches Miteinander einsetzt, sollten rechte Hetzportale wie „Nius“ nicht mehr mitfahren dürfen.
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