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Landtagswahl Schleswig-Holstein 2027Grüne Spitzenkandidatin Aminata Touré läutet Wahlkampf ein

2027 wird in Schleswig-Holstein gewählt, für die Grünen bringt sich jetzt Aminata Touré in Stellung. Ihre Partei liegt dort auf dem zweiten Platz.

Foto: Friedrich Bungert/SZ Photo/picture alliance

„Bist du dabei im Team Touré?“ Mit einem schnell geschnittenen Video, das Schleswig-Holsteins Grüne am Mittwochabend über Social Media veröffentlichten, kündigte Aminata Touré, zurzeit Sozialministerin in Schleswig-Holstein, ihre Spitzenkandidatur für die Landtagswahl im Frühjahr 2027 an. Mit nur wenigen Sätze und Nahaufnahmen ihres Gesichts läutet Touré, die erste Schwarze Frau in einem Landeskabinett und jüngste Vizeministerpräsidentin bundesweit, den Wahlkampf ein.

Dabei geht es um die 34-Jährige selbst – was sie antreibt (Verantwortung, sagt sie), was sie nervt (Unentschlossenheit) und warum sie kandiert (für die Zukunft). „Ich möchte das beste grüne Ergebnis in der Geschichte des Landes holen – und ich traue mir das Amt der Ministerpräsidentin zu“, legte sie selbstbewusst am Donnerstag in einer Pressekonferenz nach.

Umgeht der Landesvorstand die Basis?

Bei der Landtagswahl 2022 war die Neumünsteranerin noch gemeinsam mit der damaligen Finanzministerin Monika Heinold angetreten. Aber Doppelspitzen seien kein Muss, erklärte Touré vor der Presse, flankiert vom Parteispitzenduo Lydia Rudow und Gazi Freitag. Landesvorstand und Parteirat schlagen Touré als Spitzenfrau vor, die Partei stimmt darüber im Juni ab. Die übrige Liste wird im November bestimmt. Nein, das sei keine Umgehung der Basis, betonte Rudow: „Es ist unsere Aufgabe, einen Vorschlag zu machen. Wir sind froh, dass Aminata sich bereiterklärt hat.“

Mit ihrer Biografie – Tourés Eltern flohen aus Mali nach Deutschland, sie verbrachte ihre ersten Lebensjahre in einer Unterkunft für Geflüchtete in Neumünster – mache sie „Politik nahbar für Menschen, die sich oft nicht gesehen fühlen“, erklärte Freitag.

Im Wahlkampf will Touré in „fairen Wettbewerb mit der CDU“ treten, mit der die Grünen seit 2022 als Ju­ni­or­part­ne­r:in­nen regieren. Sie wolle den „sozialsten Klimawahlkampf machen, den wir je geführt haben“. In der jetzigen Regierung seien die Grünen der Motor für Klimaschutz und soziale Fragen. Sie könne sich eine Fortsetzung der Koalition vorstellen, aber wolle nichts ausschließen und einen eigenständigen Wahlkampf führen, sagte Touré.

Die AfD könnte wieder einziehen

Aktuell sehen Umfragen die Grünen bei 19 Prozent, die CDU unter Daniel Günther bleibt stärkste Kraft mit 33 Prozent. Die SPD, die ebenfalls schon ihren Spitzenkandidaten berufen haben, liegen bei 12 Prozent. Die AfD, die 2022 aus dem Landesparlament flog, könnte 2027 wieder einziehen. Auch darum sei es wichtig, auf Social Media präsent zu sein, um der AfD nicht das Feld zu überlassen, sagte Touré, die Mutter einer einjährigen Tochter ist und seit 2017 dem Kieler Parlament angehört.

Als Ministerin kann Touré eine gemischte Bilanz vorweisen. „Touré nimmt Politik persönlich“, schrieb die Zeit über sie. Das zeigt sich bereits beim Zuschnitt ihres Ministeriums: Den Bereich Gesundheit, der oft zum Sozialministerium gehört, hat sie an das Justizministerium ausgelagert. Dafür hat sie Zuwanderung und Integration an ihr Haus geholt. Das hat Vor- aber auch Nachteile, da gewachsene Arbeitsstrukturen in Ministerien durchgeschüttelt wurden. Touré selbst benennt ein Kitagesetz als „ihr Baby“. Auch die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ist ihr wichtig.

Bei vielen Themen wie „Teilhabe, Gerechtigkeit, Schutz vor Diskriminierung sind wir auf einer Wellenlänge“, sagt Michael Saitner, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Kiel. „Gleichzeitig wissen wir: Ambitionen allein reichen nicht aus.“ Vorlagen wie die Pflegestrategie oder das geplante Antidiskriminierungsgesetz würden hohe Erwartungen wecken – „Wir wünschen uns, dass in der verbleibenden Zeit der Legislaturperiode mehr davon im Alltag der Menschen ankommt“.

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