Ebola-Ausbruch in Zentralafrika: Jedes vierte Opfer ist ein Kind
In der Demokratischen Republik Kongo sind bereits 200 Menschen mutmaßlich an Ebola gestorben. Die WHO warnt. Derweil werden erste Genesene entlassen.
Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, der in Zentralafrika vonstattengeht. Denn die Ebola-Fälle vermehren sich schneller als die Maßnahmen in Kraft treten, um das tödliche Virus einzudämmen, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO.
Mittlerweile werden in der Demokratischen Republik Kongo über eintausend Verdachtsfälle gemeldet, mehr als 200 Menschen sind bereits mutmaßlich an der Fieberkrankheit gestorben. Laut Angaben der Kinderhilfsorganisation Save the Children ist jedes vierte bestätigte Todesopfer ein Kind.
Auch ein kongolesischer Arzt ist dem hämorrhagischen Fieber erlegen. Er hatte in einem Ebola-Behandlungszentrum in der ostkongolesischen Stadt Bunia, die Hauptstadt der Provinz Ituri, wo das Epizentrum liegt, Patienten versorgt. Der aktuelle Ausbruch war am 15. Mai in der Provinz gemeldet worden.
Doch es gibt auch gute Nachrichten aus Ituri: Am Mittwoch wurde dort der erste geheilte Ebola-Patient aus einer Klinik entlassen, nachdem sämtliche Tests negativ ausgefallen waren. Weitere Entlassungen würden gegen Ende der Woche erfolgen, so Mitarbeiter von Kongos Gesundheitsbehörde.
Das größte Problem mit der Epidemie sei vor allem der anhaltende Krieg in den von Ebola betroffenen Provinzen, macht WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch erneut deutlich. Aufgrund der „katastrophalen Kollision von Krankheit und Konflikt übersteigt der Ebola-Ausbruch in der Provinz Ituri die Fähigkeiten, darauf zu regieren“, stellte er auf X klar und ruft alle Konfliktparteien zu einem unmittelbaren Waffenstillstand auf: „Wir können kein Vertrauen in der Gemeinschaft aufbauen und die Kranken nicht isolieren, während Bomben fallen.“
Afrikanisches Zentrum für Seuchenkontrolle erhöht Warnstufe
In der ostkongolesischen Provinz Nord-Kivu, wo die Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) weite Gebiete eroberten, wurden ebenfalls bereits Ebola-Fälle gemeldet. Dort kam es in den vergangenen Tagen zu heftigen Gefechten zwischen Kongos Armee und der M23, die erneut Abertausende Menschen aus ihren Dörfern vertrieben haben. Diese Vertreibungen würden das Risiko erhöhen, das sich das gefährliche Virus weiterverbreitet, so der WHO-Chef.
Das Afrikanische Zentrum für Seuchenkontrolle, CDC Africa, hat zu Beginn der Woche die Warnstufe für die umliegenden Länder erhöht, nachdem nun auch in Kongos Nachbarland Uganda neue Fälle bestätigt wurden. In Uganda wurden bereits sieben Menschen positiv getestet, darunter eine Familie, die von Kongo nach Uganda gereist war, sowie Krankenhauspersonal und ein Fahrer, die mit der Familie in Kontakt waren.
Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, hat Ugandas Regierung am Mittwoch die Grenze zu Kongo vorübergehend geschlossen. Diana Atwine, Staatssekretärin von Ugandas Gesundheitsministerium, erklärte, nur noch Ebola-Experten, Ärzte sowie Lebensmittel- und Frachtlieferungen, die zur Ebola-Bekämpfung nötig sind, dürfen die Grenzposten unter strengen Hygienemaßnahmen überqueren.
21 Tage Isolation
Ebola-Teams, die aus dem Infektionsgebieten in Kongo nach Uganda zurückkehren, müssen sich nach Ankunft in Uganda 21 Tage lang isolieren. Die bedeutet jedoch auch, dass keine Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten Kongos mehr nach Uganda kommen dürfen.
Die US-Regierung hat in Kenia ein Quarantänezentrum eingerichtet, wo US-Staatsbürger isoliert werden sollen, wenn sie in Kongo oder Uganda mit Ebola-Verdachtsfällen in Kontakt waren. „Wir können und werden nicht zulassen, dass Ebola-Fälle in die USA gelangen“, erklärte US-Außenminister Marco Rubio. Kanada kündigte an, dass alle Reisenden aus den betroffenen Gebieten sich bei Ankunft drei Wochen lang in Quarantäne begeben müssen.
Nur noch 430 – dann sind wir 50.000
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 430 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert