piwik no script img

„Mit Kubicki positioniert sich die FDP zwischen Union und AfD“

Martina Mescher

Wer die Krise des Liberalismus verstehen will, bekam beim FDP-Parteitag viel geboten. Glaubwürdigkeit lässt sich daran messen, wie Lieblingsbegriffe im eigenen Laden durchdekliniert werden. Die Hardliner erwarteten eine störungsfreie Wolfgang-Kubicki-Krönung, bei der Kandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann verpuffte ihre Liebe zu Wettbewerb und Disruption schlagartig.

Martina Mescher ist Politik­redakteurin der ­wochentaz.

Eindrucksvoller als mit diesem Kubicki-Satz lassen sich die Gründe, warum der Glaube an liberale Versprechen von Chancen, Leistung, Aufstieg erodiert, kaum illus­trie­ren: „Wir wollen also nicht Milliardäre abschaffen, sondern dafür sorgen, dass jeder Milliardär werden kann, wenn er sich anstrengt.“ Hohler kann Leistungsträgerpropaganda kaum klingen. Die Arbeitertochter, der sich die FDP in den 1960ern zuwendete, muss nicht erst den Taschenrechner zücken, zum Milliardär schafft man es auch mit dem Monatsgehalt des Spitzenverdieners nicht.

Und wie steht es um den liberalen Klassiker Freiheit? Mit Kubicki positioniert sich die Partei zwischen Union und AfD. Das passt zum globalen Trend des libertären Auto­ritarismus. Nur: Da geht es um Willkürherrschaft, und die zertrümmert bekanntlich die Freiheit.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen